Auslandshilfe-Chef Knapp bei Besuch in Beirut: 500.000 Menschen aufgrund des Konflikts mit Israel geflohen - Lokale Organisationen vom enormen Ausmaß der Krise überfordert
Beirut, 09.03.2026 (KAP) Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt im Nahen Osten verschärft sich die humanitäre Lage im Libanon dramatisch. Mehr als 500.000 Menschen sind bereits auf der Flucht vor den Kriegshandlungen zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz, hat Andreas Knapp, Generalsekretär für internationale Programme der Caritas Österreich, am Montag im Telefonat mit Kathpress aus Beirut berichtet. Viele Familien hätten ihre Häuser innerhalb weniger Stunden verlassen müssen und seien nun auf Notunterkünfte und internationale Hilfe angewiesen; Knapp sprach von einer "akuten humanitären Katastrophe".
Der Caritas-Generalsekretär besuchte am Montag eine öffentliche Notunterkunft in der libanesischen Hauptstadt. Untergebracht sind dort Vertriebene in einer Tourismusschule, die von der Regierung kurzfristig als Sammelunterkunft zur Verfügung gestellt wurde. "Es fehlt am Nötigsten: Matratzen, Nahrung, Hygieneartikel und medizinische Versorgung", sagte Knapp. Die Situation verändere sich täglich, immer wieder kämen neue Menschen an.
Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen befinden sich rund 20 Prozent der jüngst Geflüchteten in öffentlichen Notunterkünften wie Schulen, Gesundheitszentren oder anderen staatlichen Gebäuden. Etwa 80 Prozent seien vorübergehend bei Verwandten, in Hotels oder privaten Haushalten untergekommen. Viele der Betroffenen seien ohne jede Vorbereitung geflohen. Teilweise hätten sie nur mitnehmen können, was sie gerade bei sich hatten. "Die Menschen mussten von einem Moment auf den anderen ihre Häuser verlassen", sagte Knapp. Wie lange die Krise dauern werde, sei derzeit völlig unklar.
Lokale Hilfsorganisationen leisten nach Angaben des Caritas-Auslandschefs bereits enorme Arbeit. Neben Caritas Libanon ist auch die Organisation Amel stark in der Versorgung der Geflüchteten engagiert. Gleichzeitig wachse die Sorge, dass die vorhandenen Ressourcen bald nicht mehr ausreichen könnten. "Das Ausmaß dieser Krise ist so groß, dass lokale Organisationen das nicht alleine bewältigen können", sagte Knapp. Es brauche dringend zusätzliche internationale Hilfe. Die Hilfswerke befürchten, dass die Zahl der Vertriebenen weiter steigen könnte. Schätzungen zufolge könnten in den kommenden Wochen bis zu einer Million Menschen im Libanon auf der Flucht sein.
Die Caritas unterstützt derzeit gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen mehrere Notunterkünfte und mobile Gesundheitsdienste. Teams aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften und Psychologinnen und Psychologen versorgen Vertriebene medizinisch und leisten psychosoziale Unterstützung. Besonders Kinder seien häufig stark traumatisiert. "Neben der medizinischen Versorgung ist deshalb auch psychosoziale Hilfe sehr wichtig", so Knapp.
Die Sicherheitslage in Beirut bleibt angespannt. Auch in der Nacht auf Montag seien in der Stadt Explosionen zu hören gewesen. "Für die Menschen, die hier leben oder Zuflucht suchen, bedeutet das eine enorme psychische Belastung", sagte Knapp. Viele Familien hätten in den vergangenen Jahren schon mehrere Krisen erlebt. Besonders belastend sei für viele die Nachricht, dass ihre Häuser oder Lebensgrundlagen zerstört worden seien. Betroffene berichteten von verbrannten Olivenhainen, zerstörten Werkstätten oder beschädigten Betrieben. "Viele Menschen wissen im Moment nicht, wovon sie künftig leben sollen", sagte Knapp.
Die Caritas Österreich prüft derzeit gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen, wie laufende Programme umgestellt und zusätzliche Mittel für Nothilfe bereitgestellt werden können. Gleichzeitig appelliert die Organisation an die internationale Gemeinschaft und auch an die österreichische Bundesregierung, rasch weitere Unterstützung bereitzustellen.
(Spenden für die Caritas-Hilfe im Libanon: Caritas Österreich, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Nahost bzw. online unter www.caritas.at/nahost-konflikt)