Fairtrade: Goldabbau-Zertifizierung soll Arbeitsbedingungen verbessern
10.03.202612:24
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Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer Kirner: "Von der Vorstellung, dass Gold zu hundert Prozent sauber und unbefleckt produziert werden kann, muss man sich aber verabschieden" - Sozial- und Umweltstandards - Fairtrade-Gold in Österreich Nische
Wien, 10.03.2026 (KAP) Chemikalien, Landraub und ausbeuterische Kinderarbeit: Der weltweite Goldabbau ist weiterhin mit gravierenden sozialen und ökologischen Problemen verbunden. Zwar sei eine vollständig "saubere" Produktion unrealistisch, doch könne der Abbau deutlich umwelt- und sozialverträglicher gestaltet werden, sagte Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer, Hartwig Kirner, im Kathpress-Gespräch. Mittels Fairtrade-Goldabbau-Zertifizierung versuche man etwa im kleingewerblichen Bergbau bessere Arbeitsbedingungen, stabilere Einkommen und strengere Umweltstandards durchzusetzen. "Von der Vorstellung, dass Gold zu hundert Prozent sauber und unbefleckt produziert werden kann, muss man sich aber verabschieden", so Kirner.
Ziel sei, "ein vernünftiges Leben für Mineure zu ermöglichen und den Abbau möglichst umweltschonend zu gestalten", sagte Kirner. Für den Goldabbau werden meist Zyanid, Quecksilber und andere Schwermetalle eingesetzt, um das Edelmetall aus dem Gestein zu lösen. Die Folgen: Enorme Umweltschäden , verseuchtes Grundwasser und Gesundheitsprobleme bei den Arbeitern. Allein im Amazonasgebiet sollen pro Jahr rund 100 Tonnen Quecksilber in Flüsse und Böden gelangen. "Leider gibt es in vielen Abbaugebieten noch immer Zustände, die an den Wild-Westen erinnern", so Kirner.
In manchen Regionen gehe der Goldabbau mit illegalen Mienen, Kriminalität, Schmuggel oder Landraub einher. Auch sozial gilt der Sektor als problematisch. Viele Minenarbeiter verfügen kaum über Marktinformationen und verkaufen ihr Gold folglich deutlich unter Wert. "Die Menschen arbeiten oft unter prekären Bedingungen", sagte Kirner. Hinzu komme, dass Sicherheitsvorkehrungen etwa im Untertagebau häufig fehlen. "Es werden immer noch Menschen verschüttet", so der Fairtrade-Geschäftsführer.
Sozial- und Umweltstandards
Weltweit sind laut Fairtrade rund 100 Millionen Menschen auf den kleingewerblichen Bergbau angewiesen, um ihre Familien zu ernähren. Rund 90 Prozent der Goldschürfer arbeiten in solch kleinen, handwerklichen Minen. Die anderen 10 Prozent der Goldmineure arbeiten in großen industrielle Minen, die laut Kirner rund 90 Prozent des Goldes fördern. "Dort arbeiten große Bagger und gewaltige Maschinen mit relativ wenig Personal", erklärte er.
Fairtrade versucht hier laut Kirner mittels Zertifizierungen legaler kleinerer Mienen entgegenzusteuern, die etwa verbindliche Sozial- und Umweltstandards einhalten müssen. Dazu gehört etwa, dass eingesetztes Quecksilber wieder zurückgewonnen und nicht unkontrolliert in die Umwelt freigesetzt wird. Außerdem sind sichere Arbeitsbedingungen vorgeschrieben sowie ausbeuterische Kinderarbeit strikt verboten.
Fairtrade-Gold als Nische
Derzeit sind weltweit 15 Goldproduzentenorganisationen nach Fairtrade-Standards zertifiziert, in denen rund 3.500 Mineure arbeiten; ihre Produktionskapazität liegt bei über zwei Tonnen Gold pro Jahr. Für ihr Gold erhalten sie mindestens 95 Prozent des von der London Bullion Market Association - der wichtigste außerbörsliche Handelsplatz für Gold und Silber - festgelegten Preises sowie eine zusätzliche Fairtrade-Prämie von 2.000 US-Dollar pro Kilogramm. Seit der Einführung des Programms 2014 wurden so mehr als zwölf Millionen Dollar an Prämien generiert, die etwa in bessere Produktionsprozesse, Arbeitsschutz, Umweltschutzmaßnahmen oder soziale Projekte für die lokalen Gemeinden fließen.
Trotz dieser Ansätze bleibe Fairtrade-Gold eine Nische, räumte Kirner ein: "Die Mengen sind im Vergleich zum Weltmarkt minimal." Auch in Österreich ist das Angebot begrenzt. Fairtrade-Gold wird derzeit vor allem für Eheringe verarbeitet.
Als weiteres Hindernis nennt der Fairtrade-Geschäftsführer die komplexen Lieferketten des Edelmetalls. Fairtrade verlangt eine vollständige Rückverfolgbarkeit des Goldes vom Abbau bis zum Endprodukt. Gerade bei Gold sei das aber besonders schwierig, so Kirner. Das Metall werde häufig eingeschmolzen und mehrfach weiterverkauft. "Es braucht nur zweimal verkauft werden, und schon gilt es als Recyclinggold."
Der Markt für Fairtrade-Gold ist bis dato überschaubar. In Österreich wird pro Jahr weniger als ein Kilogramm neu zertifiziertes Fairtrade-Gold verkauft. Langfristig sieht Kirner dennoch Entwicklungsmöglichkeiten. Modelle aus der Schweiz, etwa Investmentprodukte mit Fairtrade-Gold, könnten auch für andere europäische Märkte interessant werden.