Vatikandokument erkennt Frauenfrage in der Kirche als dringlich an
10.03.202614:31
Vatikan/Kirche/Frauen
Abschlussbericht der im Zuge der Weltsynode eingerichteten Studiengruppe zur "Teilnahme von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche" veröffentlicht
Vatikanstadt, 10.03.2026 (KAP) Der Vatikan hat eine Studie veröffentlicht, in der die Klärung der Frauenfrage in der katholischen Kirche als dringlich beschrieben wird. Die Untersuchung war während der Weltsynode (2023/2024) von Papst Franziskus bei einer Studiengruppe unter der Oberhoheit des Glaubensdikasteriums in Auftrag gegeben worden. Der am Dienstag vom Generalsekretariat der Synode veröffentlichte, 74 Seiten umfassende Bericht stellt fest, dass es ein "spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden" gebe, insbesondere wenn man es vergleiche mit den Möglichkeiten im bürgerlichen Leben.
Dies gelte keineswegs nur für westliche Gesellschaften und habe dazu geführt, dass eine immer größere Zahl von Frauen sich nicht mehr damit identifizieren könne, katholisch zu sein. Wörtlich heißt es: "Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Altersgruppe und in unterschiedlichen Teilen der Welt fühlen sich im Haus des Herrn nicht mehr zuhause - bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen."
Frauenfrage als Zeichen der Zeit
Die Studiengruppe empfiehlt daher, "anzuerkennen, dass die 'Frauenfrage' ein Zeichen der Zeit ist in dem Sinne, dass der Heilige Geist dadurch spricht". Deshalb sei auf allen Ebenen der Kirche eine veränderte Mentalität notwendig. "Die gegenwärtige Situation fordert die kirchliche Gemeinschaft heraus; sie muss sich entscheiden, ob sie zulässt, dass die gesellschaftliche Veränderung ihr widerfährt, oder ob sie proaktiv handeln will, um sich selbst zu verändern und damit der Veränderung eine umfassendere und reichhaltigere Bedeutung zu geben."
Dabei solle sie jedoch, so die Studiengruppe, weder der Versuchung zur Furcht noch der Versuchung zur Hast erliegen. Ohne konkrete Empfehlungen zu geben, stellt die Studiengruppe ferner fest, dass es in der Bibel und in der Kirchengeschichte zahlreiche Frauen gab und gibt, die Macht in der Kirche ausgeübt haben. "Es ist wichtig, erneut zu betonen, dass die bloße Tatsache, eine Frau zu sein, Frauen nicht daran hindert, Führungsaufgaben in der Kirche zu übernehmen", wird ausdrücklich festgehalten.
Die Päpste Franziskus und Leo XIV. hätten durch die Ernennung von Frauen in vatikanische Leitungsämter gezeigt, dass es möglich sei, Frauen solche Autorität zu übertragen, ohne dass diese ein Weiheamt innehaben. Die Frage, ob es in der katholischen Kirche ein den Männern vorbehaltenes "petrinisches Prinzip" und ein der weiblichen Natur entsprechendes "marianisches Prinzip" gibt, wird in der Studie als ungelöste Kontroverse geschildert.
15 Studiengruppen
Der auf einem breit angelegten Konsultationsprozess basierende Abschlussbericht "Die Teilnahme von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche" war am Dienstag auf der Website www.synod.va vorerst in italienischer und englischer Sprache abrufbar sowie in Form einer kurzen Zusammenfassung auch auf Spanisch, Portugiesisch und Französisch.
Insgesamt waren im Zuge der Weltsynode zur Synodalität in der Kirche 15 Studiengruppen eingerichtet worden, darunter auch zur künftigen Rolle der Bischöfe und ihrer Auswahl, der Beziehung zu anderen Kirchen und zu den Themen Armut und Polygamie. Bereits vergangene Woche hatte das vatikanische Synodensekretariat die Abschlussberichte zum Thema Priesterausbildung und zur Kirche im digitalen Raum veröffentlicht. Die Berichte sollen als Arbeitsgrundlage für die weiteren synodalen Prozesse dienen.