Leo XIV. nimmt Rücktrittsgesuch von Bischof Emanuel Hana Shaleta an, der wegen des Verdachts von Finanzdelikten in Untersuchungshaft sitzt - Bisheriger Apostolischer Visitator für Europa, Bischof Sirop, übernimmt Verantwortung für die chaldäischen Gläubigen im Westen der USA
Vatikanstadt/Washington, 11.03.2026 (KAP) Turbulente Zeiten in der Chaldäisch-katholischen Kirche: Nachdem Papst Leo mit Datum vom 10. März den Rücktritt von Patriarch Louis Raphael Sako angenommen hat, teilte der Vatikan am gleichen Tag mit, dass der Papst auch das Rücktrittsgesuch des Bischofs von San Diego in den USA, Emanuel Hana Shaleta, angenommen hat. Als Apostolischen Administrator in San Diego ernannte der Papst zugleich Bischof Saad Hanna Sirop, bisher Apostolischer Visitator für Europa mit Sitz in Schweden.
Weitere Angabe machte der Vatikan - wie üblich - zu diesem Personalwechsel nicht. Die Sache ist aber delikat. Bischof Shaleta war vergangene Woche auf dem Flughafen von San Diego festgenommen worden, als er versuchte, die USA zu verlassen. Gegen den Bischof laufen laut Medienberichten seit Wochen Ermittlungen wegen Veruntreuung und Geldwäsche. Zudem gibt es eine Vatikan-interne Untersuchung gegen den Bischof. Ihm wird dem Vernehmen nach auch ein wenig kirchenkonformer Lebenswandel vorgeworfen, der ihn etwa oftmals in ein Bordell in Mexiko geführt haben soll. Der Bischof selbst hat alle Anschuldigungen bestritten und von einer konzertierten Kampagne gegen ihn gesprochen, zugleich aber laut Berichten schon im Jänner sein Rücktrittsgesuch im Vatikan eingereicht.
Der Vatikan soll seit Ende 2025 mit der Causa befasst sein, ebenso die chaldäische Bischofssynode unter der Leitung von Patriarch Sako. Offiziell ist dazu aber weiter wenig bekannt. Die US-Bischofskonferenz vermeldete am Dienstag, dass der Papst den Rücktritt bereits im Februar angenommen haben soll. Weshalb nun die Bekanntgabe (und damit auch das Inkrafttreten) ausgerechnet am 10. März erfolgte und wie genau der Zusammenhang zur gleichzeitigen offiziellen Annahme des Rücktritts des Patriarchen zu deuten ist, ist derzeit noch unklar.
Die Eparchie des Heiligen Apostels Petrus in San Diego ist zuständig für die chaldäischen Gläubigen in der westlichen Hälfte der Vereinigten Staaten. Der neue Administrator Saad Hanna Sirop wurde 1972 in Bagdad geboren. Er war seit 2014 Weihbischof in Bagdad, bevor er von der chaldäischen Synode zum apostolischen Visitator für die chaldäischen Gläubigen in Europa bestimmt und am 19. November 2016 von Papst Franziskus dazu ernannt wurde.
Die Geschichte der Verfolgung der Christen im Irak ist auch seine eigene. Am 15. August 2006 wurde er in Bagdad entführt. Er war damals der letzte Priester, der noch in einem sunnitischen Stadtviertel seinen Dienst versah. Nach der Abendmesse wolle er mit dem Auto zurück ins Priesterseminar fahren, als er von drei anderen Autos gestoppt wurde. Bewaffnete zwangen ihn mitzukommen. Die Entführer behaupteten von sich, der Al-Kaida nahezustehen. 28 Tage wurde der Geistliche gefangen gehalten. Schließlich wurde Sirop gegen Lösegeld wieder freigelassen - ein großes Glück und nicht selbstverständlich. Er habe lange gebraucht, um wieder ins Leben zurückzufinden, bekannte der Bischof vor Jahren bei einem Kathpress-Interview in Wien. Seine Erlebnisse hat er in dem Buch "Abducted in Iraq. A Priest in Bagdad." verarbeitet.