Silent Disco am Zentralfriedhof macht Kirche zum Tanzsaal
12.03.202613:04
Österreich/Kirche/Kultur/Musik/Tod
Friedhofskirche wird am 17. April zur Begegnungsstätte - Pfarrer Soroka: "Glaube kennt nicht nur Stille und Besinnung, sondern auch Leichtigkeit und Lebensfreude"
Wien, 12.03.2026 (KAP) Der Wiener Zentralfriedhof ist für Überraschungen gut: Die Friedhofskirche zum Heiligen Borromäus wird am 17. April zur "Silent Disco". Liedermacher Wolfgang Ambros machte den Friedhof 1975 mit seiner Austropop-Hymne "Es lebe der Zentralfriedhof" zum popkulturellen Symbol der morbiden Wiener Seele. Mehr als 50 Jahre später erklingen in Simmering House, Electronic, Hip-Hop und Pop sowie musikalische Schmankerl mit Bezug zum Zentralfriedhof oder zur Friedhofskultur.
Für Kirchenrektor Jan Soroka ist das Event ein Zeichen dafür, dass die Kirche ein Ort der Begegnung ist. "Auch eine Silent Disco kann auf ihre Weise zeigen, dass Glaube nicht nur Stille und Besinnung kennt, sondern auch Leichtigkeit und Lebensfreude", so Soroka. "Wo Menschen gemeinsam lachen, tanzen und füreinander da sind, wird Kirche spürbar", wird der Seelsorger in einer Aussendung der Friedhöfe Wien GmbH zitiert. Das Leben am Friedhof überschreite jede Grenze und "es zeigt uns, dass nach dem Tod das Leben weitergeht, wir zu einem ewigen Leben berufen sind", so der Friedhofsseelsorger.
Beim Besuch der "Silent Disco" setzen die Teilnehmenden Kopfhörer auf. Der Raum bleibe daher nahezu still, was den Charakter der Kirche als Raum des Innehaltens bewahren soll, hieß es. "Silent" stehe für "eine besondere Art des Feierns, bei der Rücksichtnahme und Lebendigkeit nebeneinander bestehen können".
"Berührungsängste abbauen"
"Ohne den Respekt und die Pietät gegenüber Trauernden zu beeinträchtigen, möchten wir besondere Eventformate schaffen, die Austausch und Gemeinschaft ermöglichen", äußerte sich Renate Niklas, Geschäftsführerin der Friedhöfe Wien GmbH. Seit einigen Jahren wird der Ort als Kultur- und Begegnungsraum gestaltet: etwa durch Urban Gardening, Bewegungsräume für Yogis, Radfahrer und Läuferinnen, ein Kaffeehaus oder Livemusik. Die Silent Disco wolle ebenso dazu einladen, "den Ort neu zu entdecken, Berührungsängste abzubauen und die historische Umgebung bewusster wahrzunehmen".
Die Jugendstilkirche um Heiligen Borromäus, errichtet zwischen 1908 und 1911 nach Plänen von Max Hegele, gilt als eines der architektonischen Highlights des Zentralfriedhofs. Am 17. April legen dort zwischen 20 und 2 Uhr zwei DJs parallel auf zwei unterschiedlichen Kanälen auf. Das Publikum kann am Kopfhörer spontan wechseln und so selbst bestimmen, zu welchem Sound es tanzen möchte, hieß es in der Ankündigung. (Tickets unter: https://www.silentdisco.at/events-tickets/wien/silent-disco-wien-17-04-2026-kirche-zum-heiligen-borromaeus/)