Linz: Schulseelsorgetagung nahm Gewaltprävention in den Fokus
13.03.202613:55
Österreich/Kirche/Ökumene/Seelsorge/Schule/Tagung
Rund 100 Teilnehmende bei Fachtagung an Privater Pädagogischer Hochschule der Diözese Linz - Salzburger Generalvikar Mattel: Schulpastorales Handeln muss junge Menschen stärken und sie zur freien Entscheidung befähigen - In Schule große Sensibilität für Machtverhältnisse und mögliche Grenzverletzungen nötig
Linz, 13.03.2026 (KAP) Unter dem Motto "Selig, die Frieden stiften!" trafen sich am Donnerstag rund 100 Verantwortliche der Schulseelsorge sowie Religionslehrerinnen und Religionslehrer in Linz zu einer ökumenischen Tagung zum Thema Gewaltprävention. Der Blick ging dabei laut einer Aussendung in zwei Richtungen: Die Rolle der Schulseelsorge in der Prävention von Gewalt durch die positive Gestaltung von Schulkultur und Friedenserziehung war demnach ebenso Thema wie spirituelle Gewalt als mögliche Gefahr im Rahmen von schulpastoralen und schulseelsorglichen Beziehungen.
Eröffnet wurde die Tagung mit Grußworten der evangelischen Bischöfin Cornelia Richter und des katholischen Bischofs Wilhelm Krautwaschl. Beide betonten die Bedeutung seelsorglicher Begleitung im schulischen Kontext. Schulpastorales Handeln eröffnet nach Krautwaschl Räume, in denen Fragen und Suchen ihren Platz haben. Gerade in Krisenzeiten zeige sich, wie wichtig solche Orte seien, an denen erfahrbar werde: "Liebe ist wirkmächtiger als Hass."
Bischöfin Richter erklärte die Seelsorge zum "Markenzeichen unserer Kirchen" und unterstrich ihre besondere Bedeutung für Kinder und Jugendliche in der Schule. Für die Entwicklung von Resilienz braucht es nach Richter nur eine Bezugsperson, die Kindern bedingungslose Wertschätzung entgegenbringt - dieser eine Mensch könne auch der Schulseelsorger oder die Schulseelsorgerin sein.
Einen ersten thematischen Impuls setzte der Salzburger Generalvikar Harald Mattel: Ziel schulpastoralen Handelns sei, junge Menschen zu stärken und sie zur freien Entscheidung zu befähigen. Zugleich brauche es im schulischen Kontext der Seelsorge ein hohes Maß an Sensibilität für Machtverhältnisse und mögliche Grenzverletzungen. Eine potentielle Gefahr stelle die sogenannte "spirituelle Gewalt" dar, wenn etwa religiöse Inhalte oder geistliche Autorität eingesetzt werden, um Druck auszuüben, Abhängigkeiten zu erzeugen oder eigene Positionen durchzusetzen, warnte der Generalvikar.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Mattel den Rahmenbedingungen einer verantwortungsvollen Schulseelsorge. So verwies er etwa darauf, dass seelsorgliche Gespräche mit Minderjährigen nicht in privaten Räumen von Seelsorgerinnen und Seelsorgern stattfinden dürfen. Als Leitgedanken formulierte er das Motto "Begleitung statt Leitung". Gerade im Kontext Schule komme zur persönlichen Autorität der Seelsorgenden auch die institutionelle Autorität der Schule hinzu, was den verantwortungsvollen Umgang mit Macht besonders wichtig mache.
Einschränkungen oder verpflichtende Regelungen müssten daher stets an den Kriterien Allgemeingültigkeit, Transparenz und Angemessenheit geprüft werden. In der Diskussion betonte Mattel zudem, dass Seelsorge zwar Zeugnis vom eigenen Glauben geben dürfe, jungen Menschen aber keine fertigen Antworten vorgeben solle: "Wir unterstützen beim Suchen", so der Salzburger Generalvikar.
Schulseelsorge lebt von Vernetzung
Anne-Kathrin Wenk, Fachbuchautorin und Lehrlingsausbilderin, und Sabine Schönwetter-Cebrat, Fachinspektorin für den evangelischen Religionsunterricht in der Steiermark, zeigten die vielfältigen Möglichkeiten der Schulseelsorge auf: Einmalige Gesprächskontakte gehören ebenso zum Spektrum wie Gruppenangebote, spirituell-religiöse Impulse und andere Formen der Begleitung bis zu diakonischen Projekten. Dabei wurde die Rolle der Schulseelsorge auch in Abgrenzung zu anderen Formen psychosozialer Unterstützung wie Schulpsychologie oder Schulsozialarbeit beschrieben - aber klar als Teil eines gemeinsamen Netzwerkes im System Schule verstanden.
Für die Tätigkeit als evangelische Schulseelsorgende sei eine spezifische Qualifizierung grundlegend sowie die kirchliche Beauftragung und somit Verortung in der Evangelischen Kirche, betonte Schönwetter-Cebrat.
Fragen aus dem schulischen Alltag
Neben den fachlichen Impulsen bot die Veranstaltung vor allem Raum für die Reflexion der eigenen Praxis. In den Diskussionen wurden konkrete Fragen aus dem schulischen Alltag aufgegriffen, etwa bezüglich der Begleitung von Schülerinnen und Schülern ohne religiöses Bekenntnis. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es sei, in der Seelsorge einerseits Zeugnis vom eigenen Glauben zu geben, andererseits aber die Freiheit der jungen Menschen zu respektieren und sie nicht mit fertigen Antworten zu konfrontieren. Stattdessen wurde betont, wie sehr Schulseelsorge davon lebt, Fragen zu stellen, zum Nachdenken anzuregen und Jugendliche auf ihrem persönlichen Suchprozess zu begleiten.
Die ökumenische Schulpastoral- und Schulseelsorgetagung fand an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz statt. Eingeladen hatten die Österreichische Ordenskonferenz, die Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs und die Evangelische Kirche A. und H.B. in Österreich. Bereits 2023 fand eine erste österreichweite Tagung statt. Die Impulse aus diesem ersten Treffen wurden dieser Tage in einer Publikation veröffentlicht. (Marie-Theres Igrec, Andrea Lehner-Hartmann, Clemens Paulovics, Martin Rothgangel, Anne-Kathrin Wenk (Hg.): "Seelsorge im Lebensraum Schule. Ökumenische Perspektiven", Herder-Verlag 2026)