Erzdiözese Paderborn will Missbrauch weiter extern aufarbeiten lassen
13.03.202614:56
Deutschland/Kirche/Missbrauch/Aufarbeitung
Einen Tag nach Präsentation einer Studie der Universität Paderborn zu sexuellem Missbrauch in der Kirche nahmen Erzbischof und Betroffenenvertretung Stellung
Paderborn, 13.03.2026 (KAP/KNA) Die weitere Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der deutschen Erzdiözese Paderborn kann und wird nach Aussage von Erzbischof Udo Markus Bentz nur mit externer Beteiligung gelingen. Die am Donnerstag vorgestellte Missbrauchs-Studie der Universität Paderborn habe bestätigt, dass es beim Missbrauch in der Kirche nicht um individuelles Fehlverhalten, sondern um institutionelles Versagen gehe, so Bentz am Freitag vor Medienvertretern in Paderborn.
Die gut 700 Seiten starke Studie werde von der Erzdiözese und von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission unter Leitung von Oberstaatsanwältin Birgit Cerullies durchgearbeitet. Mit den Erkenntnissen solle die bisherige Aufarbeitung kritisch abgeglichen werden. Eine vertiefte Bewertung und mögliche Folgen sollen im späten Frühjahr formuliert werden.
Gleichzeitig bat Bentz "persönlich um Verzeihung - im Namen der Kirche von Paderborn", auch wenn er wisse, dass die Kirche sich nicht von allen Betroffenen Verzeihung erhoffen könne. Der Erzbischof rief weitere Betroffene sexualisierter Gewalt auf, sich zu melden. Von Sonntag bis Dienstag soll die Studie an drei Orten in der Erzdiözese - in Dortmund, Schmallenberg und Rheda - durch Diözesan- und Betroffenenvertreter vorgestellt werden.
"Zeitenwende wird fortgeschrieben"
Reinhold Harnisch, Vorstand der Betroffenenvertretung in der Erzdiözese Paderborn, erklärte: "Mit der Studie haben wir ein Stück Würde zurück, die uns genommen wurde." Die frühere Täter-Opfer-Umkehr sei geradegerückt. Mit der Studie und dem Umgang des Erzbistums werde "eine gewisse Zeitenwende fortgeschrieben". "Wir gehen hart miteinander um, aber auch fair", erklärte Harnisch unter Verweis auf die bisherigen Gespräche mit Bistumsvertretern.
Die am Donnerstag vorgestellte Studie der Universität Paderborn durch die Historikerinnen Nicole Priesching und Christine Hartig hatte die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1941-1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1974-2002) untersucht. Grundlage waren kirchliche Akten sowie gut 50 Interviews mit Betroffenen. Dabei ging es um das Verhalten von Verantwortlichen ebenso wie um die sozialen Verhältnisse in Pfarrgemeinden und Kommunen.
Höhere Fallzahlen wegen mehr Kontaktmöglichkeiten
In der Studie ist von 210 Beschuldigten und 489 Betroffenen in den Jahren 1941 bis 2002 die Rede. Dass die Paderborner Zahlen in der 2018 veröffentlichten bundesweiten MHG-Studie deutlich niedriger waren, liegt laut dem Interventionsbeauftragten Thomas Wendland daran, dass die MHG-Studie Zahlen bis 2014 erfasste und es seither viel mehr Möglichkeiten und Informationen für Betroffene gibt, sich zu melden.