Licht in der Dunkelheit: Osterfestival "Psalm" in Graz begrüßt Sonne
13.03.202614:09
Österreich/Kirche/Kultur/Ostern/Musik/Psalm
Styriarte-Musikveranstaltung vom 29. März bis 6. April widmet ihr Programm dem Licht und Kult der Sonne in verschiedenen Kulturen und Religionen
Graz, 13.03.2026 (KAP) Das Osterfestival "Psalm" in Graz begrüßt in seiner 24. Ausgabe den Frühling: An acht Abenden von 29. März bis 6. April will die Veranstaltung die Sonne in die Helmut List Halle holen. Unter dem Titel "Sonnenlicht" wird "das Licht des Frühlings mit Musik vieler Nationen und Religionen" gefeiert, heißt es im Programm. Dieses will auch Sonnenstrahlen in eine verdunkelte Welt werfen, "die unsere Gesellschaft so dringend braucht", betonte Intendant Mathis Huber im Kathpress-Interview am Freitag. Die künstlerischen Darbietungen sollen im Hinblick auf die vielen Kriege ein Zeichen dafür sein, "dass wir das überwinden und nicht zulassen, dass die dunklen Kräfte überall in der Welt erstarken und die Überhand gewinnen".
Beispielhaft dafür steht die Auftaktveranstaltung am Palmsonntag (29. März), die auch eine Hommage an die persische Kultur ist. Kurz nach seinem 90. Geburtstag bringt der als "König des Klezmer" bekannte Klarinettist Giora Feidman eine Komposition seines persischen Freundes Majid Montazer auf die Bühne: ein musikalisches Gebet "For a Better World". Bei der Planung des Konzerts des in Hamburg und Israel lebenden Künstlers sei nicht abzusehen gewesen, "dass die Zukunftsversion des Friedens eines Persers und eines Juden zur Aufführung kommt, während Raketen in den beiden Ländern hin- und herfliegen", unterstrich Huber.
Beim Osterfestival geben sich auch die "Geschwisterfeste" Ostern und das Pessachfest die Hand, das in diesem Jahr in der Karwoche stattfindet, erklärte Huber. Am Tag vor dem Sederabend, dem Beginn des achttägigen Pessachfestes, das an den Auszug aus Ägypten erinnert, singt Timna Brauer mit ihrem Trio die traditionellen Gesänge zum Sederabend. Dabei stellt sie am 31. März ihre Musik den Gemälden ihres Vaters Arik Brauer entgegen, der sich lebenslang von der Haggadah, der wundersamen Geschichte vom Auszug des Volks Israel aus Ägypten, inspirieren ließ.
"Kinder der Sonne"
"Kinder der Sonne" heißt ein Konzertabend mit Carlos Escobar Pukara (30. März), der mit seinen Panflöten und seinen Musikerkollegen Musik der Inka aus den Anden zu Ehren des Sonnengottes Inti zum Besten gibt. "Die Künstler sprechen neben Spanisch immer noch die alten Sprachen der Indigenen, und man glaubt nicht, wie viel dieser alten Kulturen noch im Volksglauben, Bräuchen und in der Musik erhalten geblieben ist", so Huber. Doch auch das "Trauma der Ausrottung der indigenen Kultur durch christliche Invasion" sei mehr als 400 Jahre später noch eine "schwere Wunde", die kaum aufgearbeitet worden sei. Der Auftritt Pukaras und die Wertschätzung ihrer Kultur könnten ein Schritt in Richtung Heilung sein. Trotz aller Tragödien zeichne die alten lateinamerikanischen Kulturen ein lebensbejahendes Wesen aus, "und diese Resilienz und positiven Gefühle bringen sie zu uns".
Karfreitags- und Osterkonzert
"Stabat mater - Der Schmerz der Jungfrau Maria in der Musik der Passionszeit", demütige Gebete großer englischer Meister aus Renaissance und Barock, werden am Karfreitag (3. April) vom englischen Ensemble Stile Antico zur Aufführung gebracht. Am Ostersonntag (5. April) steht die Königin von Saba und ihr Besuch am Hof König Salomos in Jerusalem im thematischen Zentrum. Dirigent Alfredo Bernardini und seine Musikerinnen und Musiker bringen Ausschnitte aus "La Regina Saba" von Johann Joseph Fux und Ausschnitte aus "Solomon" von Georg Friedrich Händel auf die Bühne.
"Während die Musik Händels bekannt ist, gilt das für jene von Fux nicht", erzählte Huber. Das Konzert in Graz bringt sozusagen historische Traditionen aus Wien zurück, verwies er auf den Sebulcro-Brauch im 18. Jahrhundert. Damals feierte der Kaiser die Tod- und Auferstehungszeiten Christi an eigens errichteten Heiligen Gräbern, doch weil in der Karwoche keine Opern gespielt werden durften, ließ er von Fux geistliche Opernmusik und Oratorien komponieren. "Das Stück war also dafür gedacht, den Wiener Kreis mit Musik zu versorgen, und wurde der restlichen Welt vorenthalten. Das Festival gibt, was einst nur dem Kaiser gehörte, nun an die Welt zurück."
"Frühlingsopfer" und Knusperhäuschen
Auf dem Programm stehen noch Strawinskis "Frühlingsopfer" und "Sommernachtstraum" von Mendelssohn, gespielt vom Pianistenduo GrauSchumacher am 1. April. Balladen, Lieder und Tänze von den britischen Inseln, die sich um die Tafelrunde von König Artus ranken, bringt "The Early Folk Band" am Gründonnerstag (2. April) zur Aufführung.
Die Familie Härtel treibt zum Abschluss am Ostermontag (6. April) mit Musik und Tänzen zum Frühlingsbeginn lärmend endgültig den Winter aus. Die Lieder unter dem Titel "Frühling in Citoll" aus dem Übelbachtal handeln von überwundenen Wintermonaten, von der Wiederkehr der satten Grünschattierungen, dem Almauftrieb und der Maienzeit. Auch ein Kinderprogramm für die Kleinsten von drei bis sechs Jahren steht wieder auf dem Programm. Vorerst sind im Palais Attems sechs Termine angesetzt für Christoph Steiners neue Version eines Märchenklassikers, den er mit "Hänsel & Gretel neu verknuspert" betitelt hat.
Erstmals ist das Festival, das um religiöse Traditionen der österlichen Zeit und den Frühlingsbeginn kreist, heuer thematisch an das Thema des sommerlichen Styriarte-Licht-Festivals angebunden. Vom 26. Juni bis 26. Juli stehen die Lichtspiele im Rhythmus von Hell und Dunkel, zwischen "Liebesfrühling und Lebensabend", heißt es in der Ankündigung. (Info: https://styriarte.com/festivals/psalm)