Einflussreicher Intellektueller im Alter von 96 Jahren gestorben - Deutscher Bischofskonferenz-Vorsitzender Wilmer kondoliert: "Die Weite seines Denkens und die visionäre Kraft Brücken zwischen der Philosophie und Religion zu bauen, werden bleiben"
Berlin/Bonn, 14.03.2026 (KAP/KNA) Der Philosoph Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Er starb am Samstag in Starnberg, wie sein Verlag Suhrkamp der deutschen Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) bestätigte. Habermas galt als einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart und war ein einflussreicher Intellektueller.
Die katholische Deutsche Bischofskonferenz kondolierte. Der Vorsitzende Bischof Heiner Wilmer nannte Habermas einen "Ausnahme-Philosophen". Er erklärte: "Die Weite seines Denkens und die visionäre Kraft Brücken zwischen der Philosophie und Religion zu bauen, werden bleiben." Unvergessen sei sein Dialog mit Joseph Ratzinger, "der gezeigt hat, dass die Theologie nicht ohne die Philosophie und die Philosophie nicht ohne die Theologie bestehen kann."
Geboren wurde Habermas am 18. Juni 1929 in Düsseldorf. Er studierte Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur sowie Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn. Dort erlangte er 1954 die Doktorwürde. Auf Einladung von Theodor W. Adorno begann er in den 1950er Jahren als Assistent am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Habermas war einer der bekanntesten Vertreter der Kritischen Theorie der Gesellschaft, die aus der "Frankfurter Schule" hervorgangen war.
Im Zuge der Studentenbewegung
Als Universitätsprofessor für Philosophie beziehungsweise Soziologie lehrte Habermas in den 1960er und 1970er Jahren erst in Heidelberg und dann in Frankfurt am Main. Als Wissenschaftler wurde er im Zuge der Studentenbewegung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Von 1971 bis 1983 war er Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. 1983 kehrte er wieder als Philosophieprofessor an die Frankfurter Universität zurück.
Neben zahlreichen Auszeichnungen - darunter der Heine-Preis - und Ehrendoktorwürden im In- und Ausland erhielt Habermas 2001 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Jury würdigte ihn als den prägendsten deutschen Philosophen der Gegenwart, der zu den meistübersetzten Autoren des Deutschen gehöre.
"Innovative Diskussionen"
Er habe vor allem in den 1970er Jahren "innovative Diskussionen" in den Sozialwissenschaften gefördert. Mit seiner Gesellschaftstheorie habe Habermas "die Tradition kritischer Aufklärung fortgeführt und mit einer weit über sein Fach hinausreichenden Wirkung Freiheit und Gerechtigkeit als die Grundlagen in Erinnerung gebracht, an die jede staatliche Macht gebunden ist und die den unaufgebbaren Kern des demokratischen Gemeinwesens ausmachen".
Allerdings nahm der Philosoph auch nicht alle Auszeichnungen an: 2021 lehnte er den Zayed Book Award der Vereinigten Arabischen Emirate ab. Er führte als Begründung die sehr engen Verbindungen der preisverleihenden Institution mit dem "politischen System" in den Emiraten an.
Habermas äußerte sich nicht nur zu gesellschaftlichen Fragen wie 2017 mit seiner Ablehnung einer Leitkultur oder 2022 zum Ukrainekrieg, sondern auch zu religiösen Themen. Bekannt ist seine Debatte 2004 mit Kardinal Joseph Ratzinger, der im Jahr darauf Papst wurde.