Fachleute diskutieren bei Tagung mit Nachwuchskräften in Medizin- und Pflegeberufen komplexe moralische Entscheidungssituationen im Berufsalltag
Wien, 16.03.2026 (KAP) Ethische Fragestellungen aus Klinik und Pflege, die praxisnah diskutiert werden: Das verspricht die erstmals durchgeführte Young-MedEthics-Konferenz am 8. und 9. Mai in Wien. Die Veranstaltung richtet sich an junge Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Studierende im Gesundheitsbereich und will Orientierung im Umgang mit ethischen Konflikten im medizinischen Alltag geben. Das eineinhalbtägige Programm in der Villa Steiner Academy im 19. Gemeindebezirk umfasst Vorträge, Workshops und Austauschformate.
Hintergrund ist nach Angaben der Veranstalter, dass viele junge Mediziner und Pflegekräfte sich im Berufsalltag mit komplexen moralischen Entscheidungssituationen konfrontiert sehen, auf die sie während ihrer Ausbildung nur begrenzt vorbereitet werden. Studien zeigen, dass ein Großteil der Medizinstudierenden eine bessere Vorbereitung auf ethische Konflikte wünscht und viele Berufsanfänger insbesondere Situationen am Lebensende als besonders herausfordernd empfinden.
Im Programm vorgesehen sind fünf Vorträge von insgesamt sechs Referenten sowie mehrere vertiefende Workshops. Zu den angekündigten Sprecherinnen und Sprechern gehören unter anderem der Medizinethiker Giovanni Rubeis sowie die Psychologin Jolana Wagner Skacel. Organisiert wird die Konferenz im Rahmen der Initiative Young MedEthics, die seit 2024 Online-Fortbildungen für Teilnehmende aus Österreich, Deutschland und der Schweiz anbietet. Mit der Veranstaltung in Wien findet erstmals eine Präsenzkonferenz des Projekts statt.
Umgang mit Krankheit und Sterben
In den Workshops werden auch konkrete Fragestellungen aus dem Berufsalltag behandelt, darunter der Umgang mit Sterbewünschen von Patienten, Konflikte mit Angehörigen oder die persönliche Belastung von Ärzten und Pflegekräften im Umgang mit schwerer Krankheit und Sterben. Ziel ist es, ethische Entscheidungsprozesse anhand praktischer Fallbeispiele zu analysieren und Möglichkeiten für verantwortliches Handeln im klinischen Kontext zu erarbeiten.
Ein weiterer Programmpunkt ist eine sogenannte Open-Mic-Session, bei der Teilnehmende eigene Fälle aus ihrer beruflichen Praxis einbringen können. Diese sollen gemeinsam mit Fachleuten und anderen Teilnehmern diskutiert werden. Ergänzt wird das Fachprogramm durch Austauschformate wie ein gemeinsames Abendessen und ein Mittagstreffen im Garten, die der Vernetzung zwischen Nachwuchskräften und erfahrenen Experten dienen sollen.
Für die Teilnahme an der Konferenz werden Fortbildungspunkte vergeben. Die Österreichische Ärztekammer erkennt die Veranstaltung mit neun DFP-Punkten an; entsprechende Anerkennungen mit Fortbildungspunkten für Deutschland und die Schweiz sind beantragt. Die Konferenz richtet sich an Teilnehmende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. (Infos: www.youngmedethics.com/yme-konferenz-2026/)