Untreueprozess: Eichstätter Altbischof Hanke sagte als Zeuge aus
17.03.202615:40
Deutschland/Justiz/Kirche/Finanzen
Seit Jahresbeginn läuft in München ein Prozess zum Finanzskandal in der deutschen Diözese Eichstätt, der vor Jahren für viele Schlagzeilen sorgte
München, 17.03.2026 (KAP/KNA) Im Prozess zum Finanzskandal in der deutschen Diözese Eichstätt wurde deren früherer Bischof Gregor Maria Hanke am Dienstag als Zeuge vernommen. Hanke, der bis Juni 2025 Bischof von Eichstätt war, hatte Anfang 2018 den Skandal selbst publik gemacht und mit seiner Anzeige die Staatsanwälte auf den Plan gerufen. Gut drei Stunden stand er nun vor dem Landgericht München II lang Rede und Antwort. Erst im Nachhinein habe er im Zuge der von ihm eingeleiteten Transparenzoffensive von den umstrittenen US-Darlehen aus dem Diözesanvermögen erfahren. Diese Millionen-Investments hätten nach den bereits damals geltenden Anlagerichtlinien niemals getätigt werden dürfen, sagte der Benediktiner laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA).
Der Prozess vor dem Landgericht München II läuft seit Jahresbeginn. Verhandelt werden Vorwürfe der Untreue, Bestechung, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung. Inhaltlich geht es um riskante Anlagen aus dem Diözesanvermögen. Ohne Absicherung waren zwischen 2014 und 2016 Darlehen an US-Immobilienentwickler im Gesamtwert von fast 60 Millionen Dollar (rund 52,2 Millionen Euro) ausgereicht worden. Bisher sind erst etwas über 35 Millionen US-Dollar (rund 30,5 Millionen Euro) zurückgeflossen. Angeklagt sind ein ehemals leitender Mitarbeiter der bischöflichen Finanzkammer und einer seiner Geschäftspartner. Beide weisen die Vorwürfe der Anklage weitgehend zurück.
"Vertrauen statt Kontrolle"
Zu detaillierten Nachfragen des Richters, des Staatsanwalts und der Verteidiger der beiden Angeklagten konnte der emeritierte Bischof Hanke am Dienstag nur wenig Auskunft geben. Er habe zu den Fragen der Vermögensverwaltung keine eigene Sachkunde und sich auf die von ihm eingeschalteten Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte verlassen. Auf deren Anraten habe er sich 2017 zur Strafanzeige entschlossen, die dem Prozess zugrunde liegt.
Zu den Geldflüssen zwischen beiden Angeklagten, die die Staatsanwaltschaft als Bestechung wertet - die Beschuldigten werteten sie als geteilte Provision -, sagte der frühere Bischof, diese seien damals nicht offengelegt worden. Der offizielle Weg, einen verdienten Mitarbeiter an seinem Erfolg zu beteiligen, wäre eine Bonusleistung seitens der Diözese gewesen. So aber habe er, Hanke, damit große Schwierigkeiten.
Als Grundproblem nicht nur der Diözese Eichstätt benannte Hanke eine Einstellung, die damals in der ganzen Kirche verbreitet gewesen sei: "Das Vertrauen ineinander war größer als das zu Aufsichts- und Kontrollmechanismen." Im Rückblick müsse er sagen, auch er hätte als Bischof Vorgänge "mehrseitig prüfen" müssen. Sein vorzeitiger Rücktritt vor knapp einem Jahr vom Bischofsamt steht nach Hankes Worten in keinem direkten Zusammenhang mit dem Prozess und den dort verhandelten Vorwürfen. Der 71-jährige Hanke lebt heute in einer ländlichen Gegend im Allgäu und betätigt sich als einfacher Seelsorger.