Edinburgh/London, 18.03.2026 (KAP) Die Mehrheit der Abgeordneten im schottischen Regionalparlament hat sich gegen einen Gesetzesentwurf zur Freigabe von assistiertem Suizid ausgesprochen. Nach einer laut BBC teils emotional geführten Debatte votierten die Parlamentarier am Dienstag mit 69 zu 57 Stimmen gegen ein Gesetz, das die Mitwirkung an Selbsttötungen von unheilbar kranken Erwachsenen unter gewissen Voraussetzungen legalisiert hätte.
Gegner hatten mit drohenden Auswirkungen auf schutzbedürftige Menschen argumentiert und davor gewarnt, dass sich schwache, kranke und ältere Menschen unter Druck gesetzt fühlen könnten, sich für Suizidbeihilfe zu entscheiden. Der unabhängige Abgeordnete Jeremy Balfour sagte im Parlament, Menschen mit Behinderung hätten "große Angst" vor einem Gesetz zur Sterbehilfe und warnte davor, mit der Freigabe "eine Büchse der Pandora" zu öffnen. Weitere Bedenken betrafen unter anderem den Schutz von medizinischem Personal, das nicht an assistierten Suiziden beteiligt sein möchte.
Der vom Liberaldemokraten Liam McArthur eingebrachte Gesetzesvorschlag sah vor, dass unheilbar kranke Erwachsene Beihilfe zur Selbsttötung erhalten können und regelte die Rolle von Ärzten bei der Assistenz. Betroffene hätten die todbringenden Medikamente selbst einnehmen müssen. Um mehr Abgeordnete zu überzeugen, fügte McArthur während der parlamentarischen Debatten unter anderem einen Passus hinzu, der die Inanspruchnahme von Suizid-Beihilfe auf Menschen mit einer Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten beschränkt hätte.
Bischof begrüßt Nein
McArthur erklärte nach der Abstimmung laut BBC, er sei "am Boden zerstört", und betonte, dass das Thema nicht "einfach so verschwinden" werde. Die Parteien hatten für das Votum den Fraktionszwang aufgehoben. Auch die schottische Regierung blieb neutral. Regierungschef John Swinney, Vorsitzender der Scottish National Party (SNP), hatte sich aber persönlich gegen die Freigabe von assistiertem Suizid ausgesprochen und erklärte nach der Ablehnung, er sei "erleichtert".
Auch der Vorsitzende der katholischen Schottischen Bischofskonferenz, John Keenan, begrüßte den Ausgang der Parlamentsabstimmung. Die Abgeordneten hätten denn "richtigen und verantwortungsvollen Weg eingeschlagen", so der Diözesanbischof von Paisley. "Als Gesellschaft besteht unsere Verantwortung nicht darin, Leiden zu bekämpfen, indem wir den Leidenden beseitigen, sondern darin, jeden Menschen bis zu seinem natürlichen Lebensende mit Fürsorge, Respekt und Würde zu umgeben", erklärte Keenan.
Parlamentsberatungen in London stocken
In Großbritannien wird auch im Parlament in London nach wie vor über einen Gesetzentwurf zur Legalisierung der Beihilfe zum Suizid in England und Wales beraten. Im Juni vergangenen Jahres hatten die Abgeordneten des Unterhauses mehrheitlich für die "Terminally Ill Adults (End of Life) Bill" gestimmt. Seither liegt der Entwurf im Oberhaus des Parlaments (House of Lords), wo insbesondere Kritiker laut Medienberichten mehr als 1.200 Änderungsanträge eingebracht haben, darunter die Anhebung des Mindestalters auf 25 Jahre.
Befürworter sprechen von einer bewussten Verzögerungstaktik, da voraussichtlich im Mai die aktuelle Legislaturperiode des Parlaments endet. Wird der ursprünglich von der Labour-Abgeordneten Kim Leadbeater eingebrachte Entwurf zuvor nicht beschlossen, verfällt er. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben müsste komplett neu im Unterhaus eingebracht werden.