Jubiläums-Blumenmeer zur Osterpremiere des Papstes
19.03.202609:42
Vatikan/Papst/Feiertage/Tourismus/Kirche
50.000 Blumen, Palmzweige und Kerzenlicht: Zum ersten Mal feiert Leo XIV. das Osterfest als Papst in Rom. Die Abläufe sind uralt, doch der genaue Ablauf eines bestimmten Rituals bleibt bis zuletzt spannend - Hintergrundbericht von Kathpress-Rom-Korrespondentin Severina Bartonitschek
Vatikanstadt, 19.03.2026 (KAP) Premiere für den Papst, Jubiläum für das Blumenmeer auf dem Petersplatz: Zu Leos XIV. erstem Ostern versetzen niederländische Floristen den Petersplatz in einen Blütenrausch - bereits zum 40. Mal. Anlässlich des runden Geburtstags werde die florale Pracht noch größer und besser, sagte der römische Verantwortliche dieser Tradition, Sander Evers, gegenüber Kathpress. Rund 50.000 Blumen sollen dafür aus den Niederlanden in den Vatikan reisen.
Doch bevor es so weit ist, hat eine andere Pflanze den Vorrang: Mit einer Palmprozession auf dem Petersplatz erinnert der Vatikan an den Einzug Jesu in Jerusalem - auf einem Esel übrigens. Ganz anders also als jene Luxuskarossen, denen Leo XIV. am Vortag bei seinem Monaco-Besuch begegnet sein dürfte.
Mit Leo XIV. kehrt zur Heiligen Woche wieder so etwas wie Normalität in die Abläufe des Vatikans zurück. War diese Zeit in den letzten Jahren oft vom Bangen um die Teilnahme des Papstes geprägt, dürfte dies mit dem augenscheinlich fitten Leo XIV. in diesem Jahr kein Thema sein. Doch ein Rätsel wird auch bei dem gebürtigen US-Amerikaner erst kurz vor Vollzug gelüftet: Wem wird der Papst am Gründonnerstag die Füße waschen?
Was zunächst banal klingt, lässt Rückschlüsse auf das knapp einjährige Pontifikat zu. Franziskus (2013-2025) nutzte diese Tradition stets, um marginalisierten Gesellschaftsgruppen seine Nähe zu zeigen: Mal wusch das Kirchenoberhaupt Geflüchteten, mal Gefängnisinsassen die Füße. 2016 öffnete er offiziell das Ritual für beide Geschlechter.
Fest steht bereits, dass Leos XIV. erster Ritus dieser Art weder in einem Gefängnis noch in einem Flüchtlingsheim stattfinden wird. Stattdessen wird er ihn am Gründonnerstagabend in seiner römischen Bischofskirche begehen, in der Lateranbasilika. Nicht der einzige Termin an diesem Tag: Am Vormittag steht bereits die Chrisammesse mit der Weihe der heiligen Öle im Petersdom an. In der katholischen Kirche werden diese bei der Spendung der Sakramente genutzt, beispielsweise bei der Taufe oder der Krankensalbung.
Dem Leiden und Sterben Jesu gedenkt Leo XIV. am Karfreitag zunächst im Petersdom. Danach folgt einer der stimmungsvollsten Momente der Karwoche in Rom: Nach Einbruch der Dunkelheit um 21.15 Uhr nimmt der Papst am Kreuzweg am Kolosseum teil, das von Kerzen und Fackeln in ein besonderes Licht getaucht wird.
Licht spielt auch in der Osternacht im Petersdom eine große Rolle. Ist die Basilika zunächst in Dunkelheit gehüllt, erhellt nach und nach das unter den Teilnehmern weitergegebene Licht der Osterkerze den Kirchenraum. Die Feier zum Fest der Auferstehung Jesu nähert sich in diesem Jahr im Vatikan auch wieder ihrem liturgischen Namen an: Statt um 19.30 Uhr, wie zuletzt unter Franziskus, beginnt die Osternachtfeier diesmal um 21 Uhr.
Am Morgen danach haben die niederländischen Blumen ihren großen Auftritt. Sie dienen erst der feierlichen Ostermesse als Kulisse und danach dem "Urbi et orbi" des Papstes. Den feierlichen Segen "Der Stadt und dem Erdkreis" spendet er nur zwei Mal im Jahr - an Weihnachten und Ostern. Doch für Leo XIV. ist es bereits "Urbi et orbi" Nummer drei. Denn auch als er sich nach dem Konklave der Welt zum ersten Mal vorstellte, erteilte er ihn.
Mit Spannung erwartet wird die mit dem Segen verbundene Ansprache des Papstes. In seiner Botschaft geht er auf die Krisen weltweit ein und erinnert auch an vergessene Kriege und Konflikte. Erwartet werden - ganz im Sinne der österlichen Hoffnungsbotschaft - Appelle für Dialog und Frieden. Themen, die auch bei der Afrikareise, die Leo XIV. eine Woche nach Ostern antritt, eine Rolle spielen werden.
Eine alte Tradition hatte der Papst bereits an Weihnachten wieder aufgenommen, als er die Menschen in aller Welt in zehn verschiedenen Sprachen grüßte. An Ostern könnte noch eine weitere hinzukommen, wenn Leo XIV. den niederländischen Floristen für ihre Arbeit dankt: "Dank voor de bloemen".