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Fastentuch ganz vor dem Gurker Hochaltar
Bild Copyright: © Stift Gurk

Kärnten: Fastentuch-Tradition lebt weiter

19.03.2026 11:40
(zuletzt bearbeitet am 19.03.2026 um 16:53 Uhr)
Österreich/Brauchtum/Ostern/Religion/Religionsritual/Christentum
Gurker Fastentuch stammt aus Jahr 1458 - Künstlerisch gestaltete Fastentücher in ganz Kärnten zu sehen - Vortrag am 25. März
Klagenfurt, 19.03.2026 (KAP) In Kärnten wird während der Fastenzeit ein in den Alpenländern einzigartiger Brauch gepflegt: Das Aufziehen von Fastentüchern, die von Aschermittwoch bis zum Mittwoch der Karwoche, teils auch bis zum Karsamstag, den Hochaltar verdecken. In rund der Hälfte aller Kärntner Pfarren finden sich künstlerisch gestaltete Fastentücher. Mit rund 40 in Verwendung befindlichen Fastentüchern aus der Zeit vor 1800 habe Kärnten österreichweit den höchsten Bestand an historischen Fastentüchern, teilte die Diözese Gurk in einer Aussendung mit. Dieses Brauchtum steht am 25. März im Fokus eines Vortrags im Haus der Begegnung in Maria Saal. Die Experten Roland Stadler und Monika Suntinger geben dabei einen Überblick über Geschichte und Bedeutung der Kärntner Fastentücher.

Im Vortrag werden ausgewählte Beispiele aus mehreren Jahrhunderten vorgestellt. Dazu zählt etwa das Gurker Fastentuch aus dem Jahr 1458 von Meister Konrad von Friesach, das mit rund 80 Quadratmetern das älteste und zugleich größte erhaltene Tuch Kärntens ist und 108 biblische Szenen zeigt. Die Szenen zeichnen das heilsgeschichtliche Handeln Gottes am Menschen von der Schöpfung bis zum Jüngsten Tag nach. Eine Besonderheit des Gurker Fastentuches ist die Einbindung und Darstellung von Menschen aus der Profangeschichte - zum Beispiel von Alexander dem Großen, Julius Cäsar oder Kaiser Augustus. Auch das Fastentuch von Haimburg (1504), das durch seine qualitätsvolle Malerei und ausgewogene Bildkomposition hervorsticht, wird thematisiert.

Als weitere bedeutende Werke gelten das Fastentuch von Reichenfels (um 1520), das Einflüsse nordeuropäischer Druckgrafik aufweist, sowie das Steuerberger Fastentuch (um 1530), das sich durch seine Farbgestaltung auszeichnet. Das Baldramsdorfer Fastentuch von 1555 zählt mit rund 29 Quadratmetern zu den größten Tüchern des Landes.

Eine Besonderheit stellt zudem das Fastentuch von St. Stefan am Krappfeld (1612) dar, das dem sogenannten "Zentraltyp" zugeordnet wird, bei dem die Kreuzigungsszene im Zentrum steht. Ebenfalls bemerkenswert ist das Sternberger Fastentuch (1629), das von einem protestantischen Adeligen für eine katholische Kirche gestiftet wurde.
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