Tafel Österreich gründet mit 36 Mitgliedern Allianz gegen Lebensmittelverschwendung und Armut
Wien, 19.03.2026 (KAP) Der Sozial- und Umweltverein "Die Tafel Österreich" hat am Donnerstag eine neue "Allianz gegen Lebensmittelverschwendung und Armut" präsentiert. Ziel der Initiative sei es, gemeinsam mit Akteuren aus Handel, Landwirtschaft, Industrie, Gastronomie und Sozialbereich Lebensmittelabfälle zu reduzieren und gleichzeitig Ernährungsarmut zu bekämpfen, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. Die Leitung übernimmt die Nachhaltigkeitsökonomin Sigrid Stagl.
Trotz langjähriger Bemühungen bestehe weiterhin großer Handlungsbedarf, betonte Tafel-Geschäftsführerin Alexandra Gruber: "Mehr als 1 Million Tonnen Lebensmittel im Müll und 1,5 Millionen Menschen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sprechen eine klare Sprache." Eine Trendumkehr sei "nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen".
Die Allianz verfolgt laut eigenen Angaben einen ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette. Es gelte, Überschüsse besser zu nutzen, strukturelle Verbesserungen anzustoßen und das Bewusstsein in der Bevölkerung zu stärken. Die Initiative orientiert sich dabei auch an internationalen Nachhaltigkeitszielen und EU-Vorgaben, wie die EU Waste Framework Directive sowie der EU Anti-Poverty Strategie und den Sustainable Development Goals (SDGs).
Auch internationale Organisationen unterstützen das Vorhaben, Martin Frick vom United Nations World Food Programme bezeichnete Lebensmittelverschwendung als "ökologisches wie ethisches Versagen". Während weltweit Millionen Menschen Hunger litten, werde etwa ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen. Es brauche Ernährungssysteme, "die auch die Menschen mitdenken, die wenig haben".
Ein relativ junger Bereich von "Die Tafel Österreich" ist etwa die Lebensmittelrettung aus der Landwirtschaft; bereits 2025 konnten 300 Tonnen Frischware akquiriert werden. Irene Neumann-Hartberger von der Landwirtschaftskammer verwies dabei auf die Bedeutung von Bildung: Ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln müsse früh erlernt werden. Rainer Will vom Handelsverband betonte, der Lebensmittelhandel habe Abfälle bereits reduziert und spende jährlich tausende Tonnen Lebensmittel, sehe aber weiterhin "gesamtgesellschaftliche Verantwortung".
Mehr als die Hälfte der Lebensmittelabfälle entstehe jedoch in privaten Haushalten, etwa rund 50 Prozent, wies die Allianz hin. Neben wirtschaftlichen Akteuren seien daher auch Konsumentinnen und Konsumenten sowie die Politik gefordert. Verbesserte Rahmenbedingungen für die Weitergabe überschüssiger Lebensmittel seien notwendig.
Ein erstes Treffen der Allianz-Mitglieder ist für Mai in Wien geplant. Dabei sollen konkrete Maßnahmen und Umsetzungspläne erarbeitet werden. Die Gründungsmitglieder der Allianz sind u. a. Bäuerinnen Österreich, Bauernbund, BOKU University, Danone, die Stadt Wien und die Landwirtschaftskammer sowie Firmen wie Ottakringer, REWE und Spar.