Ordensfrau: "Nicht Gold und Geld, sondern Wasser ist Reichtum"
20.03.202613:12
Österreich/Uganda/Kirche/Frauen/Wasser/Orden
Aus Uganda stammende Ordensfrau Sr. Naigaga zum Weltwassertag (22. März): Immer noch sterben weltweit viel zu viele Kinder, weil es kein sauberes Wasser gibt - Weltwassertag heuer im Zeichen des Zusammenhangs von sicherer Wasserversorgung und Frauenrechten
Wien, 20.03.2026 (KAP) Die aus Uganda stammende Ordensfrau Sr. Mary Naigaga hat in einem Interview mit den heimischen Ordensgemeinschaften darauf hingewiesen, dass sauberes Wasser in vielen Ländern der Welt immer noch Luxus und damit für viel zu viele Menschen nicht verfügbar ist. Sie äußerte sich anlässlich des diesjährigen Weltwassertages (22. März), der im Zeichen des Zusammenhangs von einer sicheren Wasser- und Sanitärversorgung mit Frauenrechten steht. Ihre Botschaft: "Nicht Gold und Geld, sondern Wasser ist Reichtum."
Mary Naigaga wuchs in Uganda auf, seit sechs Jahren lebt sie in Wien. "Wasser war bei uns nie einfach da", erzählte sie: "Wasser war immer Arbeit"; vor allem jene der Mädchen und Frauen. Die nächste Wasserstelle sei fünf Kilometer entfernt gewesen. Wer Wasser brauchte, musste gehen. Mehrmals am Tag. Zehn, manchmal auch 20 Liter, hätten die Frauen und Mädchen auf dem Kopf getragen. Das Wasser sei aber noch nicht trinkbar gewesen, musste erst abgekocht werden. Dafür habe es wiederum genügend Feuerholz benötigt, was auch eine Herausforderung war.
Fazit: Wasser sei in ihrem Leben in Uganda keine Neben-, sondern Überlebenssache gewesen. Und: Es sei nicht nur darum gegangen, genug für die Familie zu haben, auch Tiere oder Pflanzen brauchten Wasser.
2015 ließ eine amerikanische Organisation in etwa zwei Kilometern Entfernung einen Pumpbrunnen bauen. Ein Meilenstein in der Wasserversorgung. Der Weg sei kürzer geworden und das Wasser konnte direkt getrunken werden. "Das war ein großer Moment. Bis heute bin ich dankbar. Die Menschen wissen nicht, wie wichtig so etwas für uns ist", so Sr. Mary. Immer noch würden aber viele Kinder in Uganda sterben, weil es kein sauberes Wasser gibt.
Laut einem UNICEF-Bericht aus dem Jahr 2019 sterben in Uganda täglich 33 Kinder an Durchfallerkrankungen. Ein Drittel der Kinder wächst ohne Zugang zu sauberem Wasser auf. Viele Familien brauchen mehr als eine halbe Stunde bis zur nächsten Wasserstelle. Insgesamt haben nur 44 Prozent der Menschen in Uganda Zugang zu sauberem Wasser, in ländlichen Regionen sind es sogar nur 32 Prozent. Aktuellere Zahlen sind schwer zu bekommen, doch dürfte sich die Lage laut einem WHO-Bericht (2025) für ganz Afrika nicht wesentlich verbessert haben.
Sr. Mary: "Als ich klein war, habe ich geglaubt, überall auf der Welt ist Wasser mit so viel Arbeit verbunden wie in Uganda." Dass in Österreich Wasser einfach aus dem Hahn kommt, sei für sie bis heute der größte Luxus. Viele Menschen in Österreich wüssten gar nicht, was sie daran hätten.
"Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung"
UN-Generalsekretär António Guterres hat in einer Aussendung daran erinnert, dass eine sichere Wasser- und Sanitärversorgung eine unverzichtbare Rolle dabei spielt, die Rechte und die Gesundheit von Frauen und Mädchen zu fördern. Wenn der entsprechende Zugang fehlt, seien es Frauen und Mädchen, die den höchsten Preis zahlten, wenn sie auf unsichere Toiletten angewiesen seien, sich um Familienmitglieder kümmern, die durch verunreinigtes Wasser erkrankt sind, und jeden Tag Stunden damit verbringen, im Gedränge um Gemeinschaftsquellen Wasser zu beschaffen. Das sei auch eine Aufgabe, die viele Mädchen vom Schulbesuch abhält. Das diesjährige Motto des Weltwassertages laute deshalb: "Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung."
Es sei an der Zeit, so Guterres, "dass Regierungen mehr investieren und die nationalen Wasser- und Abwassersysteme stärken, indem sie die Versorgungskapazitäten erhöhen, Arbeitskräfte schulen und zuverlässige Finanzierung bereitstellen". Die entwickelten Länder müssten die Technologien, das Fachwissen und die Finanzmittel bereitstellen, die für den Aufbau einer sicheren, nachhaltigen und resilienten Wasser- und Abwasserinfrastruktur erforderlich sind. Und Frauen müssten an den Entscheidungstischen sitzen, damit gewährleistet sei, dass diese Systeme ihren Bedürfnissen gerecht werden.
Guterres : "Machen wir gemeinsam Wasser zu einer treibenden Kraft für die Gleichstellung der Geschlechter und lassen wir den Nutzen allen Gemeinschaften weltweit zufließen."