Bischof Overbeck: "Maßstab bleibt eine Gesellschaft, in der auch Menschen mit Einschränkungen selbstverständlich ihren Platz haben"
Bonn, 20.03.2026 (KAP/KNA) Im deutschen Bundestag wird am Freitag ein Antrag beraten, der eine Überprüfung der von den Krankenkassen bezahlten Pränataltests NIPT für Schwangere vorsieht. Die deutschen katholischen Bischöfe begrüßen diesen Schritt des Parlaments. Der Antrag wird von über 100 Abgeordneten der Union, SPD, Grünen und Linken unterstützt.
"Die bislang vorliegenden Daten zur Anwendung dieser Tests legen nahe, dass sich NIPT in der Praxis zunehmend als Screening auf Trisomie 13, 18 und 21 etabliert", erklärte der Vorsitzende der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Overbeck. "Damit stellen sich erhebliche ethische, rechtliche und gesundheitspolitische Fragen, die einer sorgfältigen Beobachtung und Bewertung bedürfen."
Seit 2012 können Schwangere in Deutschland mithilfe des nicht-invasiven Pränataltests untersuchen lassen, ob bei ihrem ungeborenen Kind die Chromosomenstörungen Trisomie 13, 18 und 21 vorliegen. Ein Jahrzehnt lang war der Test eine Selbstzahlerleistung. Seit dem 1. Juli 2022 zählt er unter bestimmten Voraussetzungen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Bei dem Verfahren kann mittels einer Blutprobe der Schwangeren das Risiko für Trisomie schon früh in der Schwangerschaft bestimmt werden. Daneben gibt es invasive Tests wie die Fruchtwasserpunktion, die ein Risiko für eine Fehlgeburt birgt.
Overbeck mahnte gleichzeitig, dass bei der Beratung betroffener werdender Eltern weiterhin besonderer Handlungsbedarf bestehe. Sie dürften sich angesichts der bestehenden diagnostischen Möglichkeiten nicht unter Druck gesetzt fühlen. "Maßstab bleibt eine Gesellschaft, in der auch Menschen mit Einschränkungen selbstverständlich ihren Platz haben und die Unterstützung der Solidargemeinschaft erfahren", betonte der Essener Bischof. "Erforderlich ist eine Begleitung, die medizinische, ethische und psychosoziale Aspekte verlässlich einbezieht."
Häufig falsch-positive Ergebnisse
Bedenken am deutschen Pränataltest hatte zuletzt auch das Wiener Ethikinstitut IMABE geäußert. Vier Jahre nach der Kassenzulassung habe sich der nicht-invasive Pränataltest (NIPT) in Deutschland faktisch zur Routine entwickelt, obwohl er ursprünglich nur für begründete Einzelfälle vorgesehen war. Laut aktuellen Daten ließ 2024 bereits fast jede zweite Schwangere einen solchen Bluttest durchführen. Das Institut warnt vor "unerwünschten Effekten": So sei die Aussagekraft stark vom individuellen Risiko abhängig, insbesondere bei jüngeren Frauen komme es häufig zu falsch-positiven Ergebnissen, die weitere invasive Eingriffe nach sich ziehen können. Entgegen den Erwartungen sei deren Zahl nach Einführung des Tests wieder gestiegen.
Zugleich sieht IMABE Defizite in der Aufklärung werdender Eltern. Studien zeigten, dass sich viele Frauen unzureichend informiert fühlten und die Ergebnisse oft missverstanden würden. Es sei "grob fahrlässig", Wahrscheinlichkeitsaussagen als sichere Diagnosen zu interpretieren, so das Institut. Grundsätzlich diene der Test "nicht der Therapie, sondern der Selektion", wodurch Frauen in belastende Entscheidungssituationen geraten könnten. Zudem werde eine gesellschaftliche Signalwirkung verstärkt, die den Platz von Menschen mit Behinderung infrage stelle - eine Entwicklung, die auch international beobachtet wird und die ethische Debatte weiter anheizt.
IMABE-Institut weist auf hohe Fehlalarmrate, mehr invasive Eingriffe und versäumte Aufklärung bei vorgeburtlicher Untersuchung - Kassenübernahme in Deutschland trieb Zahlen in die Höhe