Neues Netzwerk "Frauen.Führen.Kirche": Kritik an strukturellen Hürden
20.03.202611:17
(zuletzt bearbeitet am 20.03.2026 um 12:04 Uhr)
Österreich/Kirche/Geschlecht/Religion/Gesellschaft, Bevölkerung
Initiatorinnen fordern mehr Frauen in kirchlicher Leitung - "Es geht um Gleichwertigkeit, nicht um Privilegien"
Wien, 20.03.2026 (KAP) "Die Frage ist nicht, ob Frauen qualifiziert sind, sondern was sie auf dem Weg in Führungspositionen behindert": Mit dieser Diagnose hat das neu gegründete Netzwerk "Frauen.Führen.Kirche" am Freitag in Wien auf strukturelle Benachteiligungen von Frauen in Kirche und Gesellschaft aufmerksam gemacht. Ziel sei es, Frauen in Leitungsfunktionen sichtbar zu machen, zu vernetzen und gezielt zu stärken, erklärten die Initiatorinnen - Regina Petrik, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts sowie Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreich - beim Auftakt.
"Ja, die Kirche ist weiblich, aber nicht in ihren Leitungsstrukturen", betonte Eder-Cakl. So prägten Frauen das kirchliche Leben in Bildung, Pflege, Pastoral und Ehrenamt maßgeblich; etwa 62 Prozent der Pastoralassistentinnen sind Frauen. Gleichzeitig sei weniger als ein Drittel der kirchlichen Leitungspositionen weiblich besetzt. Auch das Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz müsste laut Kirchenrecht nicht zwingend mit einem Mann besetzt werden, wiesen die Initiatorinnen auf mögliche Statutenänderungen hin.
Die Österreichische Bischofskonferenz habe sich zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil in Leitungsfunktionen bis 2028 auf zumindest ein Drittel zu erhöhen. Parallel dazu verwies Eder-Cakl auf internationale Entwicklungen im Zuge des synodalen Prozesses, der die stärkere Beteiligung von Frauen einfordert. Und weiter: "Es geht um Gleichwertigkeit, nicht um Privilegien."
Dies betreffe auch die Diskussion um den Zugang von Frauen zu sakramentalen Ämtern. Unter den weltweit rund 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken sind etwa 700 Millionen Frauen. "700 Millionen Katholikinnen können nichts dafür, dass sie als Frauen geboren wurden", sagte Eder-Cakl. "Sie sind genauso getauft und berufen, die Liebe Christi weiterzugeben. Deshalb brauchen Frauen als Getaufte auch die sakramentale Bestärkung für ihr Tun. Also: sieben Sakramente für alle."
Strukturelle Hürden
Trotz hoher Qualifikation seien Frauen in Führungspositionen in Kirche wie Privatwirtschaft weiterhin deutlich unterrepräsentiert, betonte Maria Habersack. In Österreich sei nur rund ein Drittel der Leitungsfunktionen weiblich besetzt, in der Kirche liege der Anteil teils noch darunter. Als zentrale Hürden nannte sie die "gläserne Decke", stereotype Führungsbilder und strukturelle Benachteiligungen: "Durchsetzungsstärke und permanente Verfügbarkeit werden noch immer stark mit männlichen Eigenschaften verbunden."
Frauen bekämen etwa noch Fragen nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt. Diese "gut gemeinten Nachfragen" zeigen laut Habersack, wie tief Stereotype verankert sind. Hinzu kämen das sogenannte "Ähnlichkeitsprinzip" bei Personalentscheidungen - auch als "Mini-Me-Effekt" bekannt - sowie fehlende Netzwerke und Vorbilder. "Wenn in oberen Ebenen nur wenige Frauen präsent sind, fehlen wichtige Orientierungspunkte", so die Vorsitzende der Vereinigung der Ordensschulen. Studien zeigten zudem, dass bis zu 80 Prozent der Frauen an ihrer Führungseignung zweifeln. Das neu gegründete Netzwerk wolle diese Dynamik verändern, Frauen ermutigen und vernetzen, hieß es.
Auch strukturelle Rahmenbedingungen erschwerten Karrieren: hohe Teilzeitquoten, ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und Betreuungslücken, insbesondere im ländlichen Raum. Österreich weise zudem einen der höchsten Gender-Pay-Gaps in der EU auf, was die Aufteilung von Familienarbeit zusätzlich beeinflusse, so das Netzwerk.
Frauen prägen Kirche
Als Hoffnungszeichen nannten die Initiatorinnen die Österreichische Ordenskonferenz: So steht mit Sr. Franziska Madl erstmals eine Frau an der Spitze der Österreichischen Ordenskonferenz; Generalsekretärin ist Sr. Christine Rod. Auch im Vatikan seien zuletzt Frauen in zentrale Führungspositionen berufen worden, etwa Sr. Simona Brambilla als Präfektin des Ordensdikasteriums oder Sr. Raffaella Petrini als Präsidentin des Governatorats. Mit Sr. Nathalie Becquart erhielt zudem erstmals eine Frau volles Stimmrecht in der Bischofssynode.
"Auch im Schlussbericht der Studiengruppe 5 des synodalen Prozesses, der erst kürzlich veröffentlicht wurde, findet sich der klare Auftrag an die Weltkirche, Frauen verstärkt in Leitungspositionen zu holen", erklärte Eder-Cakl. Und weiter: "Mit Frauen.Führen.Kirche nehmen wir diesen Auftrag der Weltsynode ernst und beginnen konkret mit der Förderung von Frauen als Führungskräfte in der Kirche in Österreich."
"Viele Frauen sind bereits in Führungspositionen tätig, aber oft vereinzelt und nicht vernetzt", sagte Petrik. "Unser Netzwerk verbindet diese Expertinnen, stärkt den Austausch und ermutigt Frauen, Führungsverantwortung zu übernehmen." Man setze bewusst "auf die Kraft der Vielen".