Auszeichnung bei steirischem Filmfestival für Dokus über assistierten Suizid und Geschichte der queeren Community in Österreich
Graz, 20.03.2026 (KAP) Im Rahmen des diesjährigen "Diagonale"-Filmfestivals in Graz ist neben den Hauptpreisen am Freitag auch der mit je 5.000 Euro dotierte Franz-Grabner-Preis in den Kategorien "Kino-Dokumentarfilm" und "Fernseh-Dokumentarfilm" vergeben worden. Die Auszeichnung würdigt humanistisches Dokumentarfilmschaffen im Andenken an den 2015 verstorbenen ORF-Journalisten, Theologen und langjährigen Leiter der ORF-TV-Kulturdoku. Ausgezeichnet in der Kategorie "Fernseh-Dokumentarfilm" wurde Robert Styblo für "Österreich unter dem Regenbogen". In der Kategorie "Kinodokumentarfilm" ging der Preis an "Grünes Licht" von Pavel Cuzuioc.
Den Film "Österreich unter dem Regenbogen" lobte die Jury als lebensfrohen Film voller starker und positiver Persönlichkeiten. "Robert Styblo nimmt sein Publikum an der Hand und führt es durch die Geschichte der Emanzipation der schwulen, lesbischen und queeren Bewegung, die allzu oft mit unmenschlicher Verfolgung und Ächtung für das Menschlichste bestraft wurde", hieß es in der Jurybegründung. Der Filmemacher zeige kraftvoll den "Weg vom erzwungenen, unfreiwilligen Verstecken hin zum lauten, freudigen Sich-Zeigen".
"Grünes Licht" von Pavel Cuzuioc erkunde filmisch wie inhaltlich Handlungsspielräume, vor denen die meisten zurückschrecken würden: "Der Film beleuchtet mit einer klaren Haltung den assistierten Suizid aus den Begegnungen des Neuropsychiaters Dr. Johann Spittler mit jenen Menschen, die den Tod herbeisehnen. Und er fordert sein Publikum, eine eigene Haltung zu diesem tabuisierten Wunsch zu entwickeln", lobte die Jury die Doku für ihren Mut. Diese bildeten in diesem Jahr die deutsche Produzentin und Autorin Antje Boehmert, der Filmemacher und Bühnenbildner Jakob Brossmann und die Filmwissenschaftlerin Karin Moser.
In ihrer Festrede beschrieb die iranische Schriftstellerin Nava Ebrahimi die besondere Kraft von Dokumentarfilmen wie folgt: "... alles, was der Film erfährt, erfahren auch wir selbst. Und weil wir diese Erfahrung selbst machen, können wir sie nicht mehr ignorieren. Wir kommen einem guten Dokumentarfilm nicht aus. Nachdem wir ihn gesehen haben, sind wir ein kleines bisschen jemand anders als davor."
Initiiert wurde der Franz-Grabner-Preis von Familie Grabner, AAFP, Film Austria, dem ORF und der Diagonale im Andenken an den ORF-Journalisten Franz Grabner (1955 - 2015). "Der Preis verfolgt das Ziel, die Bedeutung des österreichischen Dokumentarfilms in Kino und Fernsehen zu stärken und zugleich sowohl künstlerische Qualität als auch kritisches, reflektiertes Denken auszuzeichnen", erklärte das Intendanten-Duo Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar.