Europas Kirche sucht in Wels gemeinsamen synodalen Weg
20.03.202613:05
(zuletzt bearbeitet am 20.03.2026 um 13:06 Uhr)
Österreich/Kirche/Religion/Synodalität
Viertägiges Symposium in Oberösterreich als Meilenstein zur weltkirchlichen Synodalversammlung 2028 - Organisatorin Csiszar: Europa auf anspruchsvollem Lernweg der Synodalität, Österreich mit Unterstützung der Bischöfe und wichtigen Erfahrungen im Gepäck
Linz, 20.03.2026 (KAP) Das Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels (Oberösterreich) wird vom 14. bis 17. September 2026 zum Zentrum der Diskussion über Synodalität in Europa. Unter dem Titel "Synodalität in Europa gestalten: Von der Vision zur Roadmap" treffen sich Verantwortliche, Delegierte und Interessierte aus ganz Europa, um konkrete Schritte für die Umsetzung des weltkirchlichen synodalen Prozesses zu erarbeiten. Die Tagung wird gemeinsam von der "European Task Force of Synodality", der Katholischen Privat-Universität Linz und der Forschungsgruppe der Abteilung für Synodalität an der KU Linz organisiert und steht unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).
Maßgeblich beteiligt daran ist die Linzer Synoden-Expertin Klara-Antonia Csiszar. Sie sprach dazu am Freitag im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress von einem "Meilenstein" auf dem Weg zur nächsten Kontinentalversammlung im Frühjahr 2028 und der weltweiten Versammlung wenige Monate später. "Wir wollen sehen, wo wir stehen und wie wir in Sachen Synodalität vorankommen", so die Pastoraltheologin.
Bereits im September 2024 hatte es in Linz unter Csiszars Federführung ein erstes Treffen europäischer Synodenteilnehmender gegeben - damals unmittelbar vor der bisher letzten Weltsynode. Seither habe sich vieles entwickelt, betonte Csiszar. Dazu zählt ein lehramtlicher Text von Papst Franziskus, der die Ergebnisse der Synode zusammenfasst und zugleich als Arbeitsdokument für die Ortskirchen dient. Der synodale Prozess sei damit nicht abgeschlossen, sondern befinde sich nun in der Implementierungsphase.
Maßgeblich für die weitere Arbeit ist eine vom römischen Synodensekretariat vorgelegte "Roadmap", die die Umsetzung bis 2028 strukturiert - von der lokalen Ebene über die Bischofskonferenzen bis hin zur Universalkirche. In der Folge wurde eine 39-köpfige Gruppe der nationalen Delegierten unter Leitung von Kardinal Jean-Claude Hollerich eingerichtet. Ende 2025 kam eine europäische "Task Force" unter Führung von Kardinal Ladislav Nemet hinzu, der auch Csiszar angehört. Diese ist für die Implementierungsphase zuständig. Diese "Task Force" wurde im vergangenen Jahr vom CCEE-Präsidium eingesetzt. Neben der Linzer Pastoraltheologin Csiszar gehören der Gruppe als Expertinnen und Experten unter anderem Helena Jeppesen-Spuhler (Schweiz), P. Christoph Theobald (Frankreich), Giuseppina De Simone (Italien), Sr. Anna Mirijam Kaschner (Deutschland/Nordische Bischofskonferenz) und Diakon Geert De Cubber (Belgien) an.
Rückstand Aufholen durch Austausch
Mit Blick auf Europa zeigt sich die Theologin selbstkritisch: "Wir merken, dass wir nicht zusammenkommen und anderen Kontinenten hinterherhinken." Das Symposium in Puchberg soll daher gezielt Austausch ermöglichen - insbesondere für Vertreter der Bischofskonferenzen und der nationalen Synodenteams, zugleich aber auch für weitere Interessierte offenstehen.
Im europäischen Vergleich gilt Österreich bei der Umsetzung synodaler Prozesse als gut aufgestellt. "Ich bin sehr stolz, wie gut und organisiert es bei uns läuft. Nicht genug zu schätzen ist dabei auch, mit welchem bischöflichen Rückenwind wir in Österreich Synodalität lernen", sagte Csiszar. Von Anfang an habe die Bischofskonferenz das Projekt voll unterstützt - ein Engagement, das im internationalen Vergleich "nicht selbstverständlich" sei. Zugleich bleibe Synodalität ein Lernprozess, der vom Austausch lebe: "Die Ortskirche lebt aus der Wechselseitigkeit mit dem größeren Kontext." Genau diese Erfahrung solle in Puchberg ermöglicht werden.
Liturgie, Realitäten und Umsetzung
Inhaltlich setzt die Versammlung bei der spirituellen Grundlage an: Am ersten Tag geht es um Liturgie als Ort der Gotteserfahrung und Ausgangspunkt kirchlichen Handelns. Am zweiten Tag steht das Hören auf die konkreten Realitäten Europas im Zentrum. "Eine synodale Kirche soll vor allem zuhören und präsent sein, wo gesellschaftliche Gräben sichtbar werden", so Csiszar. Am dritten Tag rückt die konkrete Umsetzung von Synodalität in den Fokus - die Weiterentwicklung von Strukturen, Ämtern und Entscheidungsprozessen mit dem Ziel, "dass alle Getauften beteiligt sind und die Kirche ihren missionarischen Auftrag konkret leben kann".
Das Interesse an der Tagung ist groß. "Wir haben bereits viele Anmeldungen aus ganz Europa, darunter auch zahlreiche Bischöfe - wir werden die 160 Plätze sicher füllen können", sagte Csiszar. Bis 1. April sind zunächst Delegierte der Bischofskonferenzen zur Anmeldung eingeladen, danach ist eine offene Registrierung bis 1. Mai möglich. Die Tagung wird in Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch simultan übersetzt. Die Katholische Privat-Universität Linz und ihre Abteilung für Synodalität bilden das wissenschaftliche und organisatorische Rückgrat der Veranstaltung.
Gesellschaftlich hochrelevant
Die Bedeutung des synodalen Prozesses gehe dabei über innerkirchliche Fragen hinaus, betonte Csiszar. Sein Potenzial als Instrument für Dialog und Zusammenarbeit sei gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung von hoher Relevanz. "Synodalität kann Wege zu einem guten Miteinander aufzeigen und ist damit auch gesellschaftlich bedeutsam. Die Kirche kann hier beispielgebend sein."