Innsbrucker Theologin Quast-Neulinger kritisiert in Kärntner "Sonntag" die auch in der US-amerikanischen MAGA-Bewegung beobachtbare Tendenz, Empathie und Fürsorge abzuwerten
Klagenfurt, 21.03.2026 (KAP) Entgegen der heute verbreiteten Tendenz, nur Stärke, Macht und Unverwundbarkeit hochzuschätzen, verhilft der christliche Glaube zur Fähigkeit, die Verletzlichkeit anderer und seiner selbst anzunehmen. Das hat die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger in der jüngsten Ausgabe des Kärntner "Sonntag" ausgeführt. "Empathie, Fürsorge und all das wird in totalitären politischen Ideologien, besonders im Kontext des Technofaschismus, bekämpft und abgelehnt", verwies die Theologin in dem Interview auf Zuschreibungen wie toxisch oder "weibisch". Die MAGA-Bewegung in den USA zeige, "dass auch das Christliche nicht vor diesen Gedanken gefeit ist und missbraucht wird - entgegengesetzt dem Anliegen Jesu", wie Quast-Neulinger sagte.
Das Entscheidende sei, in jedem Menschen das Abbild Gottes zu sehen. Jesus selbst sei für die Würde jedes einzelnen eingetreten. Er habe sich als jemand erwiesen, "der nicht nach Herrschaft strebt, sondern nach Erfüllung", so die Theologin. Und Jesus habe auch verletzlichen Menschen vermittelt: "Auch dir steht der Weg in Fülle offen, und er führt genau durch dieses Leben hindurch."
Dass dies auch nachweisbare Auswirkungen auf die Lebenspraxis hat, illustrierte Quast-Neulinger anhand einer amerikanischen Studie, wie Schmerz empfunden wird. In besonders säkular geprägten Gesellschaften werde Schmerz als etwas grundsätzlich Negatives und zu Bekämpfendes abgelehnt. Das führe etwa dazu, dass der Schmerzmittelverbrauch und die Kaiserschnittrate viel höher sei, "während in der Gruppe Glaubender genau das Umgekehrte der Fall ist". Das beruhe nicht darauf, dass Schmerz als etwas Positives gesehen werde, "aber er ist manchmal auch Teil eines Hindurchgehens", wie Quast-Neulinger erklärte. Die Stärke der christlichen Lebenshaltung sei "der Mittelweg: das Leben in seiner Tragik anzunehmen, aber zu wissen, dass sie nicht das Letzte ist". Die Theologin forderte auf, zu unterscheiden zwischen dem Schmerz, "der vermeidbar und dessen Bekämpfung uns aufgetragen ist, und dem, der aufgrund unserer Begrenztheit und Hinfälligkeit unvermeidbar ist".