Passionsspiele im Steinbruch St. Margarethen zeigen "Mirjam - stark wie der Tod ist die Liebe" - Auch "MADDALENA" erzählt Passionsgeschichte aus Perspektive Maria Magdalenas - Prominente Rolle der "Apostolin der Apostel" bei Feldkirchner Passionsspielen
Eisenstadt/Klagenfurt/Graz, 26.03.2026 (KAP) Gleich mehrere Passionsspiele erzählen heuer die Leidensgeschichte Jesu aus der Perspektive der Maria Magdalenas. Allen voran die traditionsreichen Passionsspiele im Steinbruch St. Margarethen, die mit dem Stück "Mirjam - stark wie der Tod ist die Liebe" ihr 100-jähriges Jubiläum begehen. Bis Sonntag (29. März) nimmt Maria Magdalena als "Apostolin der Apostel" bei den Feldkirchner Passionsspielen am Abendmahlstisch Platz. In Klagenfurt kommt das Stück "MADDALENA" sogar ganz ohne die Figur Jesu aus. Die Inszenierung - eine Kooperation der kfb-Theatergruppe "Wider die Gewalt", der Musicalcompany Klagenfurt und der Pfarre St. Hemma - stellt die Perspektive Maria Magdalenas radikal ins Zentrum des Geschehens.
Der neue Passionstext, "Mirjam - stark wie der Tod ist die Liebe", verfasst vom Spielleiter der Passionsspiele St. Margarethen, Pfarrer Richard Geier, erzählt die Passionsgeschichte erstmals aus weiblicher Perspektive. In der Erzählung blickt Maria Magdalena - unter ihrem hebräischen Namen "Mirjam" - 20 Jahre nach den Ereignissen in Bethanien und Jerusalem auf Jesu Wirken zurück und "verarbeitet ihre Erinnerungen und nachwirkenden Eindrücke im Gespräch mit anderen Figuren aus dem Johannesevangelium", heißt es in der Ankündigung.
"Höchste Zeit"
Im 100. Jahr der Passionsspiele rücke eine Frau in den Mittelpunkt, "die sehr wichtig im Leben Jesu war: Maria Magdalena", so der Autor in einer Aussendung. Die Protagonistin lasse die Zuschauerinnen und Zuschauer an der weiblichen Perspektive auf die Passion teilhaben und damit an einer Sicht, "die in der männerdominierten Kirche bisher vernachlässigt wurde". Es sei damit "höchste Zeit", dass auch die Passionsspiele in St. Margarethen weiblicher werden, erklärte Pfarrer Geier die Motivation zur Neuadaption.
Die Premiere des Stücks findet am 23. Mai unter der Regie von Manfred Waba, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, und mit neuer Musik von Albin Rudisch auf der Ruffinibühne im Steinbruch St. Margarethen statt. Weitere Vorstellungen gibt es bis zum 12. Juli an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen. (Info: https://www.passio.at)
MADDALENA
Auch das Schauspiel mit Gesang "MADDALENA" erzählt die Passionsgeschichte aus der Perspektive von Maria Magdalena. Die Katholische Frauenbewegung mit dem kfb-Theater "Wider die Gewalt", die Musicalcompany Klagenfurt und die Pfarre St. Hemma präsentieren ein Stück, in dem Jesus als Figur nicht vorkommt. "Es wird nur über ihn gesprochen", erklärte Ilona Wulff-Lübbert, Regisseurin und Schauspielerin, im Interview mit dem Kärntner "Sonntag". Es geht um die letzten Tage im Leben Jesu. Maria Magdalena erzählt, was ihr mit ihm passiert ist und wie sie Kontakt zu Jesus bekommen hat.
20 Darstellerinnen und Darsteller stehen für "MADDALENA" auf der Bühne. Als Spielstätte wurde die Pfarrkirche St. Hemma ausgewählt, "weil es neben dem Altar eine Bildergalerie mit sehr schönen Gemäldeteilen von den Kreuzwegstationen gibt", so Wulff-Lübbert. Auch die Mesnerin der Pfarrkirche, die zum Stück angeregt hat, spielt mit. Der Name des Stücks ist ein Kosename für die Jüngerin Jesu: "Maria kommt aus der Gegend des Sees Genezareth, aus dem Ort Magdala. Ich habe mich für den Namen MADDALENA entschieden, weil ich sie bewusst nicht Magdalena, sondern MADDALENA, als Kosewort, nennen wollte", erklärte die Regisseurin.
"Nicht unterkriegen lassen"
Die Besucherinnen und Besucher sollen mit dem Gefühl nach Hause gehen, "sich auf das zu besinnen, was uns im Leben wichtig ist. Als Frau soll man sich nicht unterkriegen lassen. Man kann Impulse setzen, auch wenn etwas hoffnungslos erscheint. Maria Magdalena gibt den Menschen Hoffnung", so Wulff-Lübbert. Denn sie zeige: Der Glaube lässt auch in einer ausweglosen Situation Hoffnung schöpfen.
Seine Premiere feiert das Stück am 16. April, um 19.30 Uhr. Auch am 17. und 18. April finden um 19.30 Uhr Vorstellungen in der Pfarrkirche Klagenfurt-St. Hemma statt. Karten für die Aufführungen sind im kfb-Büro unter der Telefonnummer 0463/5877-2431 oder direkt in der Pfarre St. Hemma erhältlich. Reservierungen werden zudem unter der Nummer 0676/702 90 23 entgegengenommen. (https://www.kath-kirche-kaernten.at/veranstaltungen/detail/213969)
"Apostolin der Apostel"
Auch bei den Feldkirchner Passionsspielen (Bezirk Graz-Umgebung) nimmt Maria Magdalena eine prominente Rolle ein. "Sie ist die Apostolin der Apostel", erklärte Dramaturg Hans Perstling im Kathpress-Interview. Papst Franziskus hat Maria Magdalena im Jahr 2016 offiziell den Ehrentitel "Apostolin der Apostel" (Apostola Apostolorum) verliehen. Die Auszeichnung würdigt ihre Rolle als erste Augenzeugin der Auferstehung und "wahre Evangelistin", die den Aposteln die Frohe Botschaft verkündete. Perstling lässt Maria Magdalena darum auch beim Letzten Abendmahl an der Seite von Jesus Platz nehmen und hat ihr einen langen Abschiedsmonolog gewidmet und ließ Jesus und Maria Magdalena sich lange umarmen.
"Ein Novum - es war immer verboten, eine Berührung darzustellen", erklärte Perstling. Die Begegnung der beiden drücke die Nähe und Vertrautheit zwischen ihnen aus. "Es ist so bewegend, dass die Mitspielenden, die den Monolog schon so oft gehört haben, immer noch hinter dem Vorhang stehen, mitzittern oder Tränen in den Augen beim Anhören haben." Perstling, der als Religionspädagoge schon seine Schülerinnen und Schüler bei Bibliodramen in die Rolle von Bibelfiguren schlüpfen ließ, um sie greifbarer zu erleben, verfolgt in seiner Fassung der Passionsgeschichte eben jenen Zugang.
Auch die Figuren Maria, Petrus, Pilatus, Herodes oder die Hohenpriester werden als greifbare Charaktere dargestellt. Sie alle sollen dazu einladen, "die große Erzählung nicht nur zu hören, sondern mitzuerleben - als Spiegel unserer eigenen Liebe, unseres Zweifelns und Hoffens", so Perstling. "Für mich war die Bibel immer sehr lebendig und in so vielen ihrer Figuren findet man Anteile von sich selbst wieder. Denn die Passionsgeschichte ist Welttheater, weil sie vom Sterben, Lieben, Leben und Verzweifeln handelt." Das Stück, das am 28. Februar im Pfarrsaal von Feldkirchen Premiere feierte, ist noch vom 27. bis 29. März zu sehen. (Infos: ssgf.at)
Kathpress-Schwerpunkt mit zahlreichen Meldungen zum Thema Karwoche und Ostern unter www.kathpress.at/ostern
Premiere am 28. Februar - Dramaturg Perstling sieht Parallelen der Bibelgeschichte zur heutigen Weltbühne - Jesus-Darsteller Plank: Nähe zum Publikum und Generationenprojekt
Zum 100-Jahr-Jubiläum setzen die Passionsspiele St. Margarethen auf eine moderne Perspektive - Renée Gallo-Daniel und Iris Klemenschitz werden Titelrolle "Mirjam" verkörpern