Hochrangige Vertreter aus Kirche und Politik erwiesen dem am 12. März verstorbenen ostdeutschen Bischof die letzte Ehre
Erfurt, 21.03.2026 (KAP/KNA) Der ehemalige Bischof der katholischen Diözese Erfurt, Joachim Wanke, ist am Samstag im Kreuzgang des Erfurter Mariendoms beigesetzt worden. Das Requiem wurde vom Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr geleitet, die Predigt hielt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Wanke war am 12. März im Alter von 84 Jahren gestorben.
Neymeyr dankte zu Beginn des Requiems Wanke für dessen große Verdienste und sprach zudem seinen selbstkritischen Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter an.
In seiner Predigt würdigte Feige den Altbischof als "eine der prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Ostdeutschland". Der in Schlesien geborene Wanke habe sich als Thüringer gefühlt, sagte Feige. In dieser Haltung habe sich Wanke heimatverbunden und weltoffen gezeigt, sei einfallsreich, ausdrucksstark und liebenswürdig gewesen. "Er konnte auch schelmisch sein und herzhaft lachen. Und er hatte Humor."
Wanke, der als Bischof neun Jahre in der DDR und 22 Jahre im wiedervereinten Deutschland gewirkt hat, habe in beiden Systemen durch seine Predigten und mutigen Stellungnahmen viele Menschen aufgerüttelt. Programmatisch für sein ganzes Leben sei sein bischöflicher Wahlspruch gewesen: "Den Spuren Christi folgen."
Der Predigt folgten anschließend bewusst keine Grußworte, da dies der Wunsch von Altbischof Wanke gewesen sei, so die Diözese Erfurt. Am Ende des Requiems wurde Wankes Sarg in einem Trauerzug aus dem Dom über die Kavaten in den Kreuzgang gebracht und dort beigesetzt.
Verdienste um Zusammenwachsen Deutschlands
An den Trauerfeierlichkeiten im Mariendom und in der benachbarten Severikirche, in die das Requiem übertragen wurde, nahmen laut der Diözese etwa 1.000 Besucher teil. Darunter befanden sich auch Vertreter aus Politik und Kirche. Unter zahlreichen amtierenden und emeritierten Bischöfen und Erzbischöfen war auch Bischof Michael Gerber, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zugegen. Nach der Trauerfeier würdigte er Wanke dafür, als Bischof in der DDR und später in Deutschland "wesentlich zum Zusammenwachsen unseres Landes beigetragen und die Stimme der Kirche im Einigungsprozess zu Gehör gebracht".
Joachim Wanke zählte zu den prägendsten katholischen Bischöfen im kirchendistanzierten Osten Deutschlands. Er wurde am 4. Mai 1941 in Breslau (Schlesien) geboren und kam durch die Vertreibung im Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie nach Thüringen, wo er in Ilmenau aufwuchs. 1966 empfing er durch Bischof Hugo Aufderbeck im Erfurter Dom die Priesterweihe. 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Weihbischof in Erfurt mit dem Recht der Nachfolge.
Nach dem Tod Aufderbecks am 17. Januar 1981 trat er dessen Nachfolge als Apostolischer Administrator in Erfurt und Meiningen an. 1994 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof der neu gegründeten Diözese Erfurt. Seit Oktober 2012 war Wanke im Ruhestand, blieb aber weiter ein gefragter Redner, Ratgeber und Beobachter kirchlicher und gesellschaftspolitischer Entwicklungen.