Früheres Oberhaupt des orthodoxen Kiewer Patriarchats spielte bei den Bestrebungen für eine von Moskau unabhängige orthodoxe Kirche in der Ukraine eine zentrale Rolle
Kiew, 21.03.2026 (KAP) Das frühere Oberhaupt des orthodoxen Kiewer Patriarchats, Filaret (Denysenko) ist am Freitag im Alter von 97 Jahren verstorben. An der Person des früheren Metropoliten von Kiew und späteren Patriarchen einer von der Weltorthodoxie nicht anerkannten Kirche wird die Dramatik der vergangenen rund 50 Jahre der ukrainischen Kirchengeschichte deutlich.
Am Samstag fand in der Michaelskathedrale in Kiew - früher die Hauptkirche des Kiewer Patriarchats - ein Gedenkgottesdienst für den Verstorbenen statt, dem Metropolit Epifanij, Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) vorstand. Der Leichnam Filarets ist seit Freitag in der Kirche aufgebahrt, damit die Gläubigen von ihm Abschied nehmen können.
Metropolit Epifanij würdigte den Verstorbenen als historisch bedeutsame Persönlichkeit sowohl für die Kirche als auch für die Ukraine und merkte an, dass "sein Name und sein Werk für immer in unsere Geschichte eingegangen sind".
Epifanij unterstrich die entscheidende Rolle des Patriarchen im Kampf um eine autokephale (unabhängige) Kirche und die ukrainische Unabhängigkeit von der "Russischen Welt" und betonte, dass Versuche, ihn zu diskreditieren, scheitern würden, da "die Wahrheit und die Liebe siegen werden".
Der Leichnam des verstorbenen Patriarchen verbleibt bis Sonntagmorgen, 22. März, in der Kathedrale. Im Anschluss an den Trauergottesdienst wird der Leichnam in einer feierlichen Prozession zur St. Wladimir-Kathedrale überführt, wo die Beisetzung stattfindet.
Turbulente Biografie
Filaret, geboren am 23. Jänner 1929 als Mykhailo Antonovych Denysenko, war von 1966 bis 1992 Metropolit von Kiew und Exarch der Ukraine innerhalb der Russisch-orthodoxen Kirche. Er war ein streitbarer Verfechter der Unabhängigkeit der ukrainischen Orthodoxie von Moskau mit weitreichenden Konsequenzen. Die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats wurde im Juni 1992 gegründet. Anlass war die Weigerung der Russisch-orthodoxen Kirche, ihrem ukrainischen Exarchat die Autokephalie zu verleihen. Ein vom damaligen Kiewer Metropoliten Filaret geleitetes ukrainisches Landeskonzil hatte das Moskauer Patriarchat nach der Unabhängigkeitserklärung des Landes 1991 erfolglos darum gebeten.
Die Kirchenleitung in Moskau setzte Filaret infolge der einseitigen Abspaltung als Oberhaupt der Ukrainisch-orthodoxen Kirche ab. Ein nicht unwesentliches Detail am Rande: Filaret hatte 1990 vergeblich versucht, Patriarch der Russischen-orthodoxen Kirche zu werden. Kritiker werfen ihm vor, erst danach für eine Unabhängige ukrainische Kirche eingetretene zu sein, deren Leitung er übernehmen wollte.
Filarets Anhänger bauten mit Unterstützung von Staatspräsident Leonid Krawtschuk das Kiewer Patriarchat auf, das nun parallel zur Ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats bestand. Seit 1995 war Filaret das Oberhaupt dieser Kirche und trug den Titel "Patriarch von Kiew und der gesamten Rus-Ukraine". Die Kirche wurde allerdings von anderen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt.
Im Jahr 2018 wurde Filaret vom Ökumenischen Patriarchat Bartholomaios wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen und als Bischof - nicht als Patriarch - anerkannt.
Später im selben Jahr vereinigte sich das Kiewer Patriarchat mit anderen Kirchen zur Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), der Patriarch Bartholomaios die Unabhängigkeit zugestand. Die Hoffnung Filarets, diese Kirche zu leiten, erfüllte sich nicht. Die konstituierende Bischofsversammlung entschied sich für Metropolit Epifanij (Dumenko) als Kirchenoberhaupt. Filaret wurde "nur" der Titel "Ehrenpatriarch" zugestanden.
Schmollend erklärte Filaret bald darauf den Fortbestand des alten Kiewer Patriarchats, was zwar innerkirchlich für einigen Ärger sorgte, weiter aber keine Relevanz mehr hatte. Filaret führte mit einigen Gefolgsleuten ein gewisses Eigenleben, suchte auch den Kontakt zu orthodoxen Splittergruppen in anderen Ländern, bleib aber weitgehend wirkungslos.