Iranisches Neujahrsfest in Linz: Bischof Scheuer betet um Frieden
22.03.202609:46
Österreich/Iran/Kirche/Religionsfreiheit/Krieg/Religionsfest oder Feiertag/Scheuer
Gebetsabend des neuen "Weltkirche-Bischofs" mit rund 90 Gläubigen - Aufrufe zu Frieden und Freiheit für den Iran
Linz, 22.03.2026 (KAP) Auf die christliche Bedeutung des "Lichts" beim persischen Neujahrsfest Nouruz, das im Iran von seiner gesellschaftlichen Bedeutung mit Weihnachten vergleichbar ist, hat in Linz ein Gebetsabend für den Frieden im Nahen Osten verwiesen. Rund 90 Gläubige versammelten sich am Freitagabend in der Klosterkirche der Barmherzigen Schwestern und beteten gemeinsam mit dem Linzer Bischof Manfred Scheuer um Frieden. Dazu gab es persönliche Zeugnisse, persische Lieder und inhaltliche Impulse zur Situation von Christen aus dem Iran sowie auch zu jenen, die in dem seit knapp einem Monat im Krieg mit den USA und Israel befindlichen Land leben.
Friede sei weder ein Naturzustand noch selbstverständlich, sondern müsse aktiv geschaffen werden, betonte Bischof Scheuer in seinem Kurzimpuls. Er bedürfe zudem einer bewussten Ordnung und Anstrengung, habe der Philosoph Immanuel Kant festgestellt. Scheuer verwies dabei auf den christlichen Friedensbegriff: In Jesus Christus sei das Reich des Friedens bereits angebrochen, mit Feindesliebe, Versöhnung und Überwindung von Gewalt als zentrale Elemente seiner Botschaft. Statt Abwesenheit von Krieg habe er umfassende Heilserfahrung verkündet.
Der Friede Gottes sei Geschenk und Auftrag zugleich, so der Bischof weiter. Christen seien "berufen, Frieden zu stiften" - auch um den Preis persönlicher Nachteile. Scheuer zitierte aus den Auslegungen Dietrich Bonnhoeffers zu den Jesus-Worten "Selig, die Frieden stiften": "Die Jünger Jesu halten Frieden, indem sie lieber selbst leiden, als dass sie einem anderen Leid antun; sie bewahren Gemeinschaft, wo der andere sie bricht: Sie verzichten auf Selbstbehauptung und halten in Hass und Unrecht stille. So überwinden sie Böses mit Gutem. So sind sie Stifter göttlichen Friedens mitten in dieser Welt des Hasses und des Krieges."
Schwierige Lage der Christen
Um die konkrete Situation von Christen im und aus dem Iran ging es in weiteren Beiträgen. Die Situation bleibe insbesondere für sie angespannt und von existenzieller Bedrohung geprägt, hieß es von damit befassten Experten. Offiziell anerkannte Gemeinschaften wie Armenier oder Chaldäer könnten zwar ihren Glauben ausüben, doch viele Rechte seien stark eingeschränkt. Konvertiten vom Islam zum Christentum drohten Verhaftung, Folter oder sogar die Todesstrafe. Hauskirchen würden überwacht, aufgelöst oder verfolgt, und bei den jüngsten Demonstrationen seien zahlreiche Christen gezielt getötet worden.
Trotz der Bedrohung wachse das Interesse am christlichen Glauben. Viele Menschen würden von Jesu Botschaft der Liebe, Geduld und Vergebung fasziniert, insbesondere in Zeiten von Gewalt und Unterdrückung. Auch im Exil, etwa in Österreich, kämen ehemalige Muslime erstmals intensiv mit dem Christentum in Berührung und erfuhren hier Respekt, Hilfe und Zugehörigkeit. Betont wurde zudem auch die Bedeutung von Solidarität, Begleitung und Unterstützung für diese Menschen, im Alltag wie auch in der Kirche und in der Politik, angesichts weiter anhaltender Unsicherheit.
Herz keine "Mördergrube" werden lassen
Einblicke gab es auch in die Situation der persisch-afghanischen katholischen Gemeinschaft in Österreich sowie in die der Taufbewerber. Die Gruppe komme zusammen, um zu beten, "dass unser Herz nicht eine Mördergrube wird angesichts der grausamen Ereignisse im Iran", erklärte die Linzer Pastoralassistentin Angelika Danner. Iraner spürten große Sehnsucht danach, "dass Gott Neues tut im Iran". Dabei sei Friede im eigenen Herzen wichtig, da er die "Keimzelle für den Frieden in der Welt" sein solle.
Danner verwies auf das am 21. März gefeierten Frühlings- und Neujahrstag Nouruz. Zentraler Inhalt dieses wichtigsten Festes im Iran sei der Sieg des Lichts über die Dunkelheit. "Wir Christen wissen, es gibt nur einen, der diesen Sieg für uns schon errungen hat: Jesus Christus. Wir müssen das immer wieder in unser Leben hereinholen lassen. In seinem Namen sind wir getauft." Ihre Rede mündete in die Gebetsbitte: "Gott, hilf uns zu wachsen als Kinder des Lichts."
Flüchtlingsfrau wurde Konvertitin
Eine aus dem Iran geflüchtete Frau schilderte ihren Glaubensweg vom Islam zum Christentum, wie sie auf der Suche nach Wahrheit und innerem Frieden in Österreich erstmals eine Kirche betreten und dort eine tiefe Gotteserfahrung gemacht habe. Kleine Ereignisse habe sie als Zeichen göttlicher Führung gedeutet. Die Begegnung mit dem Evangelium - insbesondere die Geschichte Jesu mit der Samariterin - habe ihr ein neues, von Liebe, Annahme und Barmherzigkeit geprägtes Gottesbild eröffnet.
Die Taufe zu Ostern 2025 sei für sie dann der Beginn eines neuen Lebens gewesen, getragen von Hoffnung und einer neu entdeckten Gemeinschaft in der Kirche, in der sie eine "Liebe und Zusammengehörigkeit, die ich vorher noch nie erfahren hatte" erlebe. Besonders hob sie die Unterstützung durch ihre Pfarre und persönliche Begleiter hervor. Ihr Glaube habe sie von der Angst zum Vertrauen geführt. Zugleich äußerte die 36-jährige Frau die Hoffnung, dass auch ihr Heimatland eines Tages in Freiheit und Frieden leben und ohne Angst an Jesus Christus glauben könne. Auch die Taufpaten der Frau, ein Ehepaar aus Linz, gaben ein Glaubenszeugnis.
Iran-Lied zu Scheuers "Ressortübernahme"
Am Ende des offiziellen Teils, noch vor einer gemeinsamen Agape, wurden Bischof Scheuer Glückwünsche zu seiner neuen Zuständigkeit innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz übermittelt: Er übernimmt künftig das Ressort Weltkirche und Mission. Oberösterreichs Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke (missio), Heinz Purrer, überreichte symbolische Geschenke und würdigte Scheuers neue Aufgabe. Purrer trug auch das selbst komponierte Lied "Frieden und Freiheit für die Menschen im Iran" vor. Dessen Appelle sind unmissverständlich: "Stoppt die Kriege, legt die Waffen nieder! Hört auf Jesus und kehrt um! Beendet die Unterdrückung! Achtet die Menschenrechte! Schließt miteinander Frieden!"