Zweite Auslandsreise: Papst Leo besucht am Samstag Monaco
23.03.202610:44
Vatikan/Monaco/Papst/Kirche/Diplomatie
Erster Papstbesuch im Fürstentum seit fast 500 Jahren umfasst Treffen mit Fürst Albert, Begegnung mit Jugendlichen und Taufbewerbern sowie eine Stadion-Messe
Vatikanstadt, 23.03.2026 (KAP) Unmittelbar vor den Feiern der Karwoche und Ostern im Vatikan reist Papst Leo XIV. am Samstag, 28. März, ins katholische Fürstentum Monaco. Der eintägige Besuch des Oberhaupts des kleinsten Staates der Welt im zweitkleinsten ist die zweite Auslandsreise des Papstes, der seit elf Monaten im Amt ist. Monaco gehört zu den wenigen Ländern, in denen der Katholizismus Staatsreligion ist. Mehr als 80 Prozent der rund 38.000 Einwohner sind katholisch, ebenso wie die regierende Grimaldi-Familie. Die Verfassung garantiert jedoch auch die Religionsfreiheit für Andersgläubige. Mit Leo XIV. besucht erstmals seit fast 500 Jahren wieder ein Papst das Fürstentum. Tags darauf wird Leo XIV. zurück in Rom die Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz leiten.
Der Papst folgt einer Einladung von Fürst Albert II. und wird am Samstag gegen 9 Uhr nach einem zweistündigen Helikopterflug in Monaco erwartet. Um 9.40 Uhr trifft er den Fürsten zu einem Höflichkeitsbesuch im Palast. Anschließend begegnet Leo XIV. um 11 Uhr der katholischen Gemeinschaft des Fürstentums in der romanisch-byzantinischen Kathedrale Notre-Dame-Immaculee.
Um 11.45 Uhr trifft der Papst in der Kirche Sainte-Devote auf Jugendliche und Taufbewerber und hält eine Ansprache. Die von den monegassischen Gläubigen hochverehrte Heilige Devota ist Schutzpatronin des Fürstentums. Die junge Christin soll im 3. Jahrhundert auf Korsika als Märtyrerin gestorben sein. Gemäß Überlieferung strandete ein Boot, in dem sich ihr Leichnam befand, während eines Sturms an der Küste vor Monaco.
Zum Abschluss seines Besuchs feiert Leo XIV. um 15.30 Uhr eine Messe im örtlichen Stadion, der Heimspielstätte des Fußballclubs AS Monaco. Rund 15.000 Gläubige werden dazu erwartet. Nach der offiziellen Abschiedszeremonie startet der päpstliche Hubschrauber gegen 17.45 Uhr zurück in den Vatikan.
Das Motto der Reise lautet "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", ein Jesus-Wort aus dem Johannesevangelium der Bibel. Es soll verdeutlichen, dass der Papst als Überbringer der Botschaft Jesu Christi nach Monaco kommt, so der Vatikan. Das für Plakate und Programmhefte genutzte Signet des Papstbesuchs zeigt im oberen Teil das Schwarz-Weiß-Bild eines lächelnden und segnenden Leo XIV. in liturgischen Gewändern, mit Mitra und Krummstab. Dies soll die spirituelle und pastorale Dimension des Besuchs verdeutlichen.
Erzbischof: Auch in Monaco gibt es Armut
Monaco gilt als Synonym für Reichtum, doch auch hier gibt es Einsamkeit und Armut, betont Erzbischof Dominique-Marie David im Gespräch mit Radio Vatikan. Diese Realität bleibe oft verborgen, so der Geistliche, der seit 2020 im Fürstentum wirkt und der Gemeinschaft Emmanuel angehört.
David erinnert daran, dass auch in Monaco Menschen unter prekären Bedingungen leben. Zudem beobachtet er Einsamkeit und Sinnkrisen, die trotz materiellen Wohlstands auftreten. "Wenn man einen gewissen Komfort und die Mittel hat, um zu leben, ohne sich allzu viele materielle Fragen zu stellen, tauchen all die anderen Fragen auf, die sich nach dem Sinn des eigenen Lebens stellen." Dies betreffe etwa überforderte Eltern, Trennungen oder Familiendramen, die in einem scheinbar sorgenfreien Umfeld besonders berührten. "Es ist also auch unsere Aufgabe hier, auf all diese verborgenen Formen der Armut zu achten, aufmerksam zu sein, füreinander zu sorgen und Armut zu erkennen, die, auch wenn sie nicht immer sichtbar ist, real und manchmal sogar dramatisch ist", so der Erzbischof.
In einem Umfeld des Wohlstands sei es der Kirche ein besonders großes Anliegen, Solidarität mit materiell schlechter gestellten Menschen zu zeigen. Organisationen wie die Caritas, die Vinzenzgemeinschaft oder die Legion Mariens und andere unterstützen Kinder, Familien, ältere Menschen und Kranke: "Die Idee ist, dass wir füreinander sorgen und uns nicht damit begnügen, in einem Land zu leben, das eine gewisse Lebensqualität und auch eine gewisse Sicherheit bietet, sondern dass es darum geht, noch aufmerksamer füreinander zu sein und keine Gelegenheit zu verpassen, den Bedürftigen das Evangelium zu bezeugen", betont David.
Grimaldis regieren seit über 700 Jahren
Die Familie Grimaldi regiert Monaco seit mehr als 700 Jahren. 1297 eroberte Francois Grimaldi, als Mönch verkleidet, die Burg von Monaco und begründete die Herrschaft seiner Familie. Die Unabhängigkeit des Kleinstaates wurde 1489 von Karl VIII. von Frankreich anerkannt. Nach der Verfassung von 1962 ist Monaco eine konstitutionelle Monarchie. Erlischt die Dynastie Grimaldi, fällt das Fürstentum an Frankreich zurück. Laut einem Schutzvertrag mit Frankreich von 1861 schlägt Frankreich den Staatsminister vor, der anschließend vom Fürsten ernannt wird und unter dessen Hoheit die Regierungsgeschäfte ausübt.
Offizielle Staatskirche
Die monegassische Kirche unterhielt bereits ab 1247 enge Kontakte zum damaligen Kirchenstaat, als Papst Innozenz IV. in seiner Bulle "Pro Puritate" den Bau einer Kapelle auf dem Felsen von Monaco genehmigte. Im Jahr 1887 gründete Papst Leo XIII. die Diözese Monaco, seither gibt es im Fürstentum auch einen Bischofssitz.
Die römisch-katholische Kirche ist in Monaco offizielle Staatskirche. "Deo Juvante" ("mit Gottes Hilfe") lautet der Wahlspruch der Grimaldi-Familie und ihres Fürstentums. 1981 unterzeichneten der Heilige Stuhl und das Fürstentum Monaco ein Abkommen zu ihren besonderen Beziehungen. Der damalige Fürst Rainier III. verzichtete zugunsten des Papstes auf das Recht der Bischofsernennung, gleichzeitig erhob Papst Johannes Paul II. (1978-2005) den Bischofssitz von Monaco zur Erzdiözese. Der jeweilige Erzbischof von Monaco ist direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt.
Fürstenfamilie regelmäßig im Vatikan
Die erste Papstaudienz im Vatikan für ein monegassisches Herrscherpaar datiert auf das Jahr 1957: Damals wurden die Eltern des heutigen Fürsten Albert, Fürst Rainier III. und Fürstin Gracia Patricia (Grace Kelly), von Pius XII. in Audienz empfangen. Seither ist die Fürstenfamilie ein regelmäßiger Gast der Päpste.
Umgekehrt ist die bevorstehende Apostolische Reise von Leo XIV. der erste offizielle Staatsbesuch eines Papstes im Fürstentum. Die bisher einzige Papst-Visite datiert auf das Jahr 1538 als sich Paul III. (1534-49) im Zuge der Vermittlung eines Waffenstillstands zwischen dem Habsburger-Kaiser Karl V. und dem französischen Ritterkönig Franz I. während des Habsburgisch-französischen Konflikts in Monaco aufhielt.
Afrika, Spanien, Lampedusa
Der Besuch in Monaco ist die zweite Apostolische Reise des seit dem 8. Mai 2025 amtierenden Papstes. Seine erste Auslandsreise führte ihn vom 27. November bis 2. Dezember 2025 in die Türkei und den Libanon.
Nach Ostern wird Leo XIV. vom 13. bis 23. April zur einer großen Afrika-Reise nach Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea aufbrechen. Vom 6. bis 12. Juni besucht das Kirchenoberhaupt dann Spanien. Auch mehrere inneritalienische Reiseziele hat der Vatikan bereits offiziell bekanntgegeben. Unter anderem wird der Papst am 8. Mai, dem ersten Jahrestag seiner Wahl, Neapel und Pompeji besuchen; am 4. Juli reist er auf die Mittelmeerinsel Lampedusa.