Jerusalem: Unterschiedliche Einschränkungen in Altstadt und Weststadt
24.03.202610:15
(zuletzt bearbeitet am 24.03.2026 um 13:26 Uhr)
Israel/Palästina/Kirche/Krieg
Dormitio-Abt Schnabel: Jerusalemer Altstadt Zone mit massiven Einschränkungen, während wenige hundert Meter entfernt weitgehend normales Leben mit geöffneten Cafés und Geschäften stattfindet - Patriarch Pizzaballa bei hebräischsprachigen Katholiken
Jerusalem/Rom, 24.03.2026 (KAP) Höchst unterschiedlich zeigt sich derzeit das öffentliche Leben in Jerusalem, wie Nikodemus Schnabel, Abt der Benediktiner-Abtei Dormitio, in einer Stellungnahme gegenüber Radio Vatikan darlegt. Die Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg sei seit dem 3. März durch die israelische Polizei für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Maßnahmen würden aber nicht nur die Benediktinerabtei, sondern auch die Grabeskirche, die Al-Aqsa-Moschee und die Westmauer (Klagemauer) betreffen. Laut Abt Nikodemus gleicht die Jerusalemer Altstadt einer Zone mit massiven Einschränkungen, während nur wenige hundert Meter entfernt in der Weststadt von Jerusalem, etwa im Viertel Mamilla, ein weitgehend normales öffentliches Leben mit geöffneten Cafés und Geschäften stattfindet.
Es besteht laut dem Abt aber zumindest die Hoffnung, dass zum jüdischen Pessach-Fest am 1. April die Zugangsbeschränkungen für die Westmauer und im Zuge dessen auch für die Grabeskirche gelockert werden.
Trotz der Schließung für die Öffentlichkeit würden die Gottesdienste weiter stattfinden: "Wir halten als Mönche weiterhin unsere Gebetszeiten in Treue", betont der Abt. Da die Oberkirche der Dormitio als gefährdet gilt, wurden alle liturgischen Feiern in die Krypta verlegt. Diese sei "tief in die Erde gebaut" und stelle derzeit den sichersten Ort der Abtei dar.
Die Dormitio fungiere zudem weiterhin als Personalpfarre für die deutschsprachigen Katholiken vor Ort. Solange die Gruppengröße unter 50 Personen bleibt, sei die Teilnahme an den Gottesdiensten und seelsorglichen Gesprächen möglich. Für den kommenden Samstag, 28. März, kündigte Abt Nikodemus ein besonderes Friedensgebet an: Kardinal Pierbattista Pizzaballa wird in der Dormitio das Rosenkranzgebet leiten.
Als emotionalen Verlust bezeichnet der Abt die Absage der Palmsonntagsprozession, zu der üblicherweise zehntausende Gläubige aus dem ganzen Land in Jerusalem zusammenkommen. Dieser Tag sei der einzige im Jahr, an dem die christliche Minderheit in der Stadt physisch und öffentlich als große Gemeinschaft sichtbar werde. "Wenn dieser Tag den Christen genommen wird, fehlt ein ganz wichtiger Tag, an dem man spürt: Wir sind doch so viele hier", so Schnabel.
In seinem Statement weitet der Abt aber auch den Blick auf die gesamte Region und sprach von einem "dreckigen Krieg", der auf allen Seiten Leid vermehre. Er verwies auf die Menschen in Israel in den Luftschutzbunkern, auf die Bodenoffensive der israelischen Armee im Libanon und die prekäre Lage der dortigen Christen. Auch ging der Abt auf die "mörderische Siedlergewalt" gegen Christen in der Westbank ein. Die sich zuspitzende humanitäre Lage in Gaza sei ebenfalls im Blick zu behalten. Darüber hinaus erinnerte Schnabel an die Situation in der Straße von Hormus, wo rund 2.000 philippinischen Seeleuten auf festgesetzten Tankern das Trinkwasser auszugehen droht.
Abschließend bekräftigt Abt Nikodemus seine Hoffnung auf eine Deeskalation bis Ostern. Wo Menschen nur Ende, Tod und Vernichtung sähen, setze der österliche Glaube auf die Möglichkeit von Versöhnung und Neuanfang, so der Abt.
Patriarch Pizzaballa bei hebräischsprachigen Katholiken
Unterdessen ist der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, dieser Tage mit den Priestern des St. James Vikariats für die hebräischsprachigen Katholiken zusammengetroffen und hat sie ermutigt, gerade in dieser so schwierigen Zeit "nahe bei den Menschen zu bleiben". Die Kirche dürfe sich nicht zurückziehen, sondern müsse bleiben, gerade dort, wo die Situation am fragilsten sei. In dieser Treue konkretisiere sich ihr Auftrag, so der Patriarch.
Patriarchalvikar P. Piotr Zelazko beschrieb beim Besuch des Patriarchen die Herausforderungen für die Geistlichen im aktuellen Krieg: "Die Priester bleiben in ihren Gemeinden, trotz der Gefahren und Einschränkungen. Ihr Dienst geschieht in unmittelbarer Nähe zum Leben der Menschen: im Hören, im Dasein in Angst und Unsicherheit, in der Feier der Sakramente und in einer beständigen Verfügbarkeit für alle, die Unterstützung benötigen." Ein Priester könne derzeit nicht nach Israel zurückkehren, da der Flughafen in Tel Aviv faktisch geschlossen sei. Seine Abwesenheit hinterlasse eine spürbare Lücke im pastoralen Gefüge vor Ort.
Seelsorge in schwierigen Zeiten
Die Situation spitze sich immer weiter zu. Der Alltag sei von Alarmen, Unterbrechungen und anhaltender Anspannung geprägt. Gerade die Kinder würden durch die zunehmenden Angriffe in besonderer Weise belastet. Vor diesem Hintergrund werde Seelsorge zu einer Form von "Gegenwart, die nicht organisiert werden kann, sondern gelebt wird: in Wohnungen, in Schutzräumen, in kurzen Begegnungen zwischen Sirenen, in Gesprächen, die oft jenseits geplanter Strukturen stattfinden". Die Nähe und Verbundenheit trage durch die schwierigen Zeiten.
Das St. James Vikariat des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem begleitet hebräischsprachige Katholikinnen und Katholiken in Israel pastoral. Die Gemeinden befinden sich in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Tiberias und Be'er Scheva. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Begleitung von Kindern und Jugendlichen sowie auf der Unterstützung von Familien. Das Vikariat ist mit rund 1.500 Mitgliedern in insgesamt sieben Pfarren relativ klein, hat aber im Heiligen Land eine gewisse Brückenfunktion innerhalb der Katholischen Kirche und hin zur jüdischen Mehrheitsbevölkerung.
Die Christen in Israel sind nur eine kleine Minderheit von 1,8 Prozent. Ein Teil davon sind Katholiken, die zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehören. Innerhalb des Patriarchats wiederum sind 99 Prozent arabischsprachige Katholiken, und dann gibt es eben noch das Vikariat St. James. Bischofsvikar Zelazko: "Wir sind zu 100 Prozent Israelis und zu 100 Prozent Katholiken." Die Gläubigen haben alle verschiedene Herkunftsgeschichten mit teilweise jüdischem Hintergrund.