Kritik von kirchlichen EZA-Experten an Sparplänen der Regierung
25.03.202609:49
Österreich/Kirche/Regierung/Budget/EZA/Bischöfe
Laut Kirchenzeitungsbericht haben katholische Organisationen mit weit höheren Kürzungen zu rechnen als andere Player im EZA-Bereich - Kirchliche EZA-Organisationen warnen vor dramatischen Auswirkungen - Österreichs Bischöfe in sorge
Wien, 25.03.2026 (KAP) Kirchliche EZA-Expertinnen und -Experten haben heftige Kritik an den Sparplänen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) geübt, die laut bisher vorliegenden Informationen kirchliche Organisationen überproportional treffen werden. Die katholische Entwicklungszusammenarbeit könnte einen großen Teil ihrer staatlichen Förderungen verlieren, warnten die Expertinnen und Experten im Gespräch mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen (aktuelle Ausgaben, Mittwoch). Die Folgen wären dramatisch.
Seit dem Doppelbudget 2025/26 werde von der Regierung eisern gespart. Und die Aussichten auf das Budget 2027/28 seien noch alarmierender, wie Erwin Eder, Geschäftsführer der entwicklungspolitischen Dachorganisation "horizont3000", im Kirchenzeitungsinterview erläuterte: "Gemäß aktuellen Aussagen der Austrian Development Agency (ADA) drohen 'horizont3000' bei zwei ADA-Programmen für die Programmphase 2027-2030 Kürzungen von fast zwei Drittel des derzeitigen Volumens."
Eder zeigte Verständnis dafür, dass es Sparmaßnahmen geben muss, um ein verantwortbares Budget zu erreichen. Kein Verständnis habe er aber dafür, dass die als besonders verlässlich bekannten katholischen Organisationen mit weit höheren Kürzungen zu rechnen hätten als andere Player im EZA-Bereich. "'horizont3000' und ihre Mitgliedsorganisationen wären doppelt so stark von EZA-Kürzungen betroffen wie andere Akteure", fasste Eder das drohende Szenario zusammen.
Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar, die die Dreikönigsaktion (DKA) betreibt, ist mit "horizont3000" eng verbunden - die Dreikönigsaktion ist Gründungsmitglied der Dachorganisation und gehört zu deren größten Mitgliedsorganisationen. Für die weltweiten Projekte der Dreikönigsaktion würden die großen Einsparungen im Bereich der EZA einen großen Dämpfer bedeuten, sagte auch Kickingereder: "Wenn staatliche Fördermittel in dieser Größenordnung wegfallen, können wir das nicht mit Spendengeldern allein auffangen. Das heißt, es müssten bisher erfolgreiche Entwicklungsprojekte eingestellt werden, sei es in Zentralamerika, sei es in Ostafrika."
Kein weiterer Austausch von Fachleuten
Komplett wegfallen würde wohl der Austausch von Fachleuten. Das sind jene Expertinnen und Experten, die man früher "Entwicklungshelfer" nannte, die bei großen Projekten wichtiges Know-how liefern und die heute nicht mehr nur aus Europa in den globalen Süden geschickt werden, sondern immer häufiger aus einem Land des Südens in ein anderes Land des Südens. Wenn dieses Programm, wie befürchtet, insgesamt auslaufen würde, ginge dabei ein über die Jahrzehnte erworbener Erfahrungsschatz verloren, warnte Eder.
In gleicher Weise äußerte sich gegenüber den Kirchenzeitungen auch Anja Appel, Leiterin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Zusammenarbeit und Weltkirche (KOO): "Das wäre aus unserer Sicht ein großer Schaden, weil dann viel an Struktur und Expertise kaputtgeht. Ich nehme an, dass diejenigen, die darüber entscheiden, sich nicht bewusst sind, wie viel da verloren geht und wie viel Schaden das auf Dauer anrichtet."
Die Dreikönigsaktion wäre in diesem Fall direkt betroffen, schilderte auch Kickingereder das Problem: "Die DKA ist ganz stark in Fragen der Kinderrechte und des Kinderschutzes. Dafür braucht es Fachwissen. Aber aus heutiger Sicht werden die Personaleinsätze von der Austrian Development Agency zur Gänze eingestellt."
Bischöfe hoffen auf Nachbesserungen
Auch die Österreichische Bischofskonferenz beschäftigte sich bei ihrer Frühjahrsvollversammlung mit dem Thema und nahm es in ihre Schlusserklärung auf. "Die geplante Kürzung staatlicher Mittel im Bereich der Entwicklungshilfe verfolgen die Bischöfe mit großer Sorge", hielten die Bischöfe wörtlich fest. Das Zusammenwirken von kirchlichen Hilfswerken und öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit sei eine langjährige Erfolgsgeschichte. "Wir Bischöfe plädieren daher dafür, bei notwendigen Budgeteinsparungen maßvoll umzugehen, um bewährte und international anerkannte Strukturen und Programme nicht nachhaltig zu beschädigen." Erzbischof Franz Lackner, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, zeigte sich bei der abschließenden Pressekonferenz zur Vollversammlung vorsichtig optimistisch, dass in dieser Frage das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.