Schuldirektor in Nazareth: Sorge um gesellschaftlichen Zusammenhalt
25.03.202616:10
Israel/Kirche/Krieg/Orden
Stadt in Nordisrael hat unter Folgen des Nahost-Konflikts massiv zu leiden - Leiter der "Salvatorian Sisters' School", Awni Bathish, berichtet nicht nur von unmittelbaren Kriegsfolgen, sondern auch zunehmender Kriminalität: "Es vergeht kein Tag, an dem nicht Menschen überfallen, zusammengeschlagen oder erschossen werden"
Jerusalem, 25.03.2026 (KAP) Wie in vielen anderen Städten in Israel auch ist die Stimmung in Nazareth laut Augenzeugenberichten angespannt. "Wir leben wieder wie in einem Kriegszustand", sagte der Leiter der katholischen "Salvatorian Sisters' School", Awni Bathish, der Redaktion der Website der Salvatorianerinnen weltweit. Die Schule der Ordensgemeinschaft gehört zu den angesehensten Bildungseinrichtungen in Israel.
"Früher habe ich den Tag geplant. Termine, Gespräche, Unterricht", schilderte Bathish die Situation. "Heute beginnt jeder Tag damit, dass wir uns fragen, was heute überhaupt möglich ist. Man bleibt viel in den eigenen vier Wänden." Aufgrund ständiger Beschüsse überlege man sich selbst kleine Wege zweimal.
Er denke oft an einen Schüler, der ihm gesagt habe: "Ich kenne Zoom besser als mein Klassenzimmer", so der Schulleiter. "Das macht mich sehr nachdenklich. Diese Kinder wachsen mit ständigen Unterbrechungen auf. Corona, Konflikte, immer wieder Onlineunterricht. Sie verlieren das Gefühl für einen normalen Schulalltag, für das Miteinander und für ihre Mitmenschen."
Unterdessen nähmen in der Stadt selbst die Spannungen zu, auch unter den arabischen Bewohnern, sagte Bathish. "Es vergeht kein Tag, an dem nicht Menschen überfallen, zusammengeschlagen oder erschossen werden." Es scheine, als ob kriminelle Gruppen mit Mafia-Methoden die Oberhand gewinnen wollten und ihre Bereiche absteckten. "Und viele haben den Eindruck, dass die Polizei nichts dagegen unternimmt."
Zugleich würden Dinge des täglichen Bedarfs immer teurer. "Produkte, die früher selbstverständlich waren, kosten deutlich mehr. Familien sprechen darüber, wie sie sparen können", sagte Bathish.
Mangel an Schutzräumen
Ertönten die Sirenen wegen Raketenalarms, greife er immer zuerst zum Handy, um sich zu vergewissern, dass alle seine Angehörigen in Sicherheit seien. Ein Grund dafür sei, dass es im arabischen Nazareth nicht so viele Schutzräume gebe wie im jüdischen Nazareth-Illit. Nazareth hat unter Israels Städten den höchsten Anteil an arabischen Israelis.
Zuversicht schöpfe er aus seiner Arbeit, bekannte der Schulleiter. "Wenn ich an unsere Schule denke, sehe ich mehr als nur ein Gebäude. Ich sehe eine Gemeinschaft aus Christen und Muslimen, aus arabischen Israelis und Menschen in Europa, die uns immer wieder unterstützen."
Das gebe ihm Kraft ebenso wie die Geschichte der christlichen Gemeinschaft in Nazareth. "Wir leben seit Jahrhunderten an den heiligen Orten der Bibel. Wir haben in dieser Tradition schon viele Krisen erlebt und ausgestanden."
Beste Schule Israels
Erst im Februar hatte eine gemeinsame Delegation der Österreichischen Ordenskonferenz und der Initiative Christlicher Orient (ICO) die Schule in Nazareth besucht. Die "Salvatorian Sisters' School" wurde 2024 vom israelischen Bildungsministerium als beste Schule Israels ausgezeichnet. Das Schulzentrum wird von rund 1.500 Schülerinnen und Schülern besucht. Die meisten sind Christen verschiedener Konfessionen, es gibt aber auch einige Muslime. Unterrichtssprachen sind Arabisch, Hebräisch und Englisch, die Schüler maturieren auch in diesen drei Sprachen zusätzlich zu anderen Fächern.
Ausgezeichnet wurde die in den 1960er-Jahren gegründete Schule laut Direktor Awni Bathish aber nicht nur wegen der guten fachlichen Ausbildung, sondern vor allem auch wegen der christlichen Werte, die im Schulalltag gelebt werden. Im Schulzentrum gibt es auch besondere Angebote für Schüler mit spezifischen Bedürfnissen wie Lernstörungen, Lernbehinderungen oder Autismus. Dadurch können vorzeitige Schulabbrüche fast zur Gänze vermieden werden.