Vertreter von Caritas, AMS, waff und Bildungsdirektion warnen vor Versorgungslücke bei Pflege - Bis zu 75.000 zusätzliche Kräfte bis 2030 benötigt - Caritasdirektor Schwertner: Ruf nach Gesamtstrategie
Wien, 25.03.2026 (KAP) Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft, eines steigenden Pflegebedarfs und Pflegekräftemangels haben die Caritas der Erzdiözese Wien, AMS, waff und Bildungsdirektion Wien am Donnerstag das neue Ausbildungszentrum für Pflege- und Sozialbetreuungsberufe in der Seegasse eröffnet. "Wir werden alle älter, und damit steigt der Pflegebedarf", so Caritasdirektor Klaus Schwertner und er verwies auf aktuell rund eine halbe Million Pflegegeldbezieher, deren Zahl sich bis 2050 verdoppeln soll. Allein bis 2030 würden bis zu 75.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungspersonen in Österreich benötigt, davon 9.000 in Wien. Ohne zusätzliche Maßnahmen drohe eine deutliche Versorgungslücke, so Schwertner, der eine politische "verlässliche und umfassend finanzierte Gesamtstrategie" forderte.
"Das Thema Pflege soll nicht selbst zum Pflegefall werden", sagte Schwertner, der u.a. eine Aufwertung der Sozialbetreuungsberufe forderte: "Sie sind unverzichtbar für eine funktionierende Versorgung und müssen in Planung, Finanzierung und politischen Entscheidungen berücksichtigt werden." Zwar gäbe es zunehmendes Interesse am Pflegeberuf, die Zahl der Auszubildenden reiche jedoch nicht aus. Nötig sei daher eine bessere Finanzierung der Ausbildung, langfristig abgesicherte Pflegestipendien sowie stärkere Unterstützung für Ausbildungsträger. Ziel müsse sein, "Pflege von morgen zukunftsfit" zu machen, sowie eine faire Finanzierung der Schulen, die über einzelne Förderungen hinausgeht.
Förderinstrumente und Job-Sicherheit
AMS-Vorstand Johannes Kopf verwies auf den Ausbau von Förderinstrumenten. Das seit 2023 bestehende Pflegestipendium sei stark ausgeweitet worden: Bis 2025 erhielten rund 20.450 Personen diese Unterstützung, insgesamt wurden dafür rund 170 Millionen Euro aufgewendet. Zugleich brauche es zusätzliche Ausbildungsplätze, da die demografische Entwicklung den Bedarf weiter erhöhen werde, so Kopf, der die Pflege als "Zukunftsberuf mit guter Job-Sicherheit" bezeichnete.
Der Geschäftsführer der waff (Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds), Marko Miloradovic, betonte die wachsende Bedeutung von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern. In den vergangenen Jahren seien rund 11.000 Wienerinnen und Wiener in Pflege- und Betreuungsberufe eingestiegen. Neben der Ausbildung seien auch Berufsorientierung, Beratung und finanzielle Unterstützung entscheidend, um neue Zielgruppen zu erreichen. Der stellvertretende Wiener Bildungsdirektor Arno Langmeier bezeichnete Ausbildungszentren wie jenes in der Seegasse als "Herzkammern des Sozialsystems" für die Fachkräftesicherung. Angesichts einer steigenden Zahl hochbetagter Menschen komme der Verbindung von Ausbildung und Praxis sowie der Qualifizierung von Erwachsenen besondere Bedeutung zu.
Ausbildungszentren
Der Standort Seegasse blickt auf eine mehr als 75-jährige Tradition in der Ausbildung sozialer Berufe zurück und wurde zuletzt ausgebaut. Das Ausbildungsangebot reicht von einer berufsbildenden Schule bis zu praxisnahen Aus- und Weiterbildungslehrgängen für Pflege und Sozialbetreuung. Das neu eröffnete Ausbildungszentrum bietet jährlich rund 350 Ausbildungsplätze sowie Weiterbildungsangebote für etwa 200 Personen. Der Schwerpunkt liegt auf Erwachsenen ab 17 Jahren und Quereinsteigern. Ziel sei eine "optimale Vorbereitung auf den Arbeitsplatz der Zukunft", so Daniela Rohm, Leiterin Schulen und Ausbildung bei der Caritas der Erzdiözese Wien.
Die Caritas betreibt österreichweit 20 Schulstandorte in sechs Bundesländern, an denen rund 5.000 Auszubildende in den Bereichen Pflege, Soziales bzw. Sozialwirtschaft lernen. Davon absolvieren etwa 3.000 eine Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB). Seit 2020 bietet die Caritas außerdem an Höheren Lehranstalten für Pflege und Sozialbetreuung (HLSP) fünfjährige Ausbildungen mit Matura sowie an Fachschulen Ausbildungen mit Pflegevorbereitung an.