30 Jahre Fairtrade-Schokolade in Österreich - Geschäftsführer Kirner: "Es ist heute wichtiger als je zuvor, beim Einkauf bewusst zu Fairtrade-Schokolade zu greifen"
Wien, 26.03.2026 (KAP) Rund um Ostern wird Schokolade genascht, verschenkt und gern gekauft, verstärkt auch Osterhasen mit Fairtrade-Kakao: Drei Jahrzehnte nach dem Start von Fairtrade-Kakao in Österreich ist der Absatz stark gestiegen. Stabile Einkommen für Kakaobauern sind dennoch nicht gesichert. Dafür seien die Einkommen der Produzenten zu stark von schwankenden Weltmarktpreisen abhängig, informiert Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. "Die höheren Preise kommen mit Verzögerung bei den Bauern an", so Kirner. Und weiter: "Es ist heute wichtiger als je zuvor, beim Einkauf bewusst zu Fairtrade-Schokolade zu greifen."
Rund 62.000 Tonnen Fairtrade-Kakao wurden hierzulande seither verarbeitet, das entspricht etwa 1,2 Milliarden Tafeln Schokolade. "Heute liegt der Marktanteil von Fairtrade-Scholoade bei über 14 Prozent", so Kirner. Hierzulande werden pro Jahr knapp 12.000 Tonnen Fairtrade-Kakao verarbeitet , das sind rund 25 Fairtrade Schokoladentafeln pro Kopf jährlich. Bei saisonalen Produkten wie Oster- oder Weihnachtsschokolade habe Fairtrade beim Marktanteil aber noch Aufholbedarf, meinte der Geschäftsführer.
Der Kakaopreis erreichte laut Kirner zuletzt Höchststände von bis zu 12.000 Dollar pro Tonne, fiel inzwischen jedoch wieder auf etwa 3.000 Dollar. "Wenn die Preise stark hin und her gehen, leiden Genossenschaften massiv", so Kirner. Sie müssten den Kakao vorfinanzieren und würden bei sinkender Nachfrage rasch unter Druck geraten.
Als Gründe für den jüngsten Preisrückgang nennt Kirner eine erwartete gute Ernte, eine schwächere Nachfrage sowie den Einsatz von Ersatzprodukten in einzelnen Märkten. Für viele Produzenten erschwere das eine verlässliche Einkommensplanung, so der Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer. Auch Fairtrade-Kooperativen, die ihre Ware hauptsächlich von Kleinbauern aufkaufen, würden darunter leiden.
Rückgang extremer Armut
Trotz dieser Unsicherheiten zeigen Daten aus Westafrika Fortschritte. Laut einer aktuellen Studie aus der Elfenbeinküste erzielen rund 74 Prozent der Mitglieder von Fairtrade-Kooperativen ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. Der Anteil der Haushalte in extremer Armut ging von 36 Prozent im Jahr 2020 auf zuletzt 17 Prozent zurück.
Eine zentrale Rolle spielt der Fairtrade-Mindestpreis, der zuletzt auf rund 4.000 Dollar pro Tonne angehoben wurde und damit aktuell über dem Weltmarktpreis liegt. Hinzu kommt eine Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Ziel sei ein Einkommen, "mit dem man Lebensmittel, Wohnen und andere grundlegende Bedürfnisse abdecken kann", erklärt Kirner.
Ein strukturelles Problem bleibt dennoch Kinderarbeit im Kakaoanbau, wobei Kirner hier differenziert: "Die Mithilfe von Kindern in der Familie, bei der Ernte oder leichten Arbeiten ist nicht gleich ausbeuterische Kinderarbeit." Letztere liege vor, wenn Kinder gefährliche Tätigkeiten verrichten oder nicht zur Schule gehen können. "Diese Formen sind verboten", so Kirner. Besonders problematisch sei die Situation, wenn Kinder aus Nachbarländern unter gefährlichen Bedingungen auf Plantagen arbeiten.
Fairtrade setzt nach eigenen Angaben auf langfristige Handelsbeziehungen, um mehr Stabilität zu schaffen. "Dort, wo stabile Partnerschaften bestehen, verbessern sich auch die Lebensbedingungen", betont Kirner.
Zeichen für Gerechtigkeit
Gerade zu Ostern können Konsumierende ein sichtbares Zeichen für mehr Gerechtigkeit in der globalen Wertschöpfungskette setzen. So zeigt der jährlich veröffentlichte "Osterhasen-Check" der NGOs Südwind und Global 2000, dass Produkte mit Bio- und Fairtrade-Zertifizierung in puncto Ökologie und Nachhaltigkeit am besten abschneiden.
"Gerade in Zeiten sinkender Rohstoffpreise brauchen Kakao-Bauernfamilien verlässliche Einkommen, um ihre Farmen zu sichern, zu investieren und sich gegen immer häufiger werdende Wetterextreme zu wappnen - und damit langfristig auch unsere Versorgung mit Kakao zu sichern", so Kirner, der zu bewussten Konsumentscheidungen aufruft.
Kirche fördert "Fairtrade Österreich"
Unterstützt wird Fairtrade Österreich von wichtigen Playern der Zivilgesellschaft, darunter zahlreiche kirchliche Organisationen wie die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, die Caritas, die Katholische Frauenbewegung, die Katholische Jugend, "Jugend Eine Welt" oder "Horizont3000".
Fairtrade Österreich (voller Name: Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens) ist ein 1993 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wien. Er vergibt in Österreich das Fairtrade-Siegel für den fairen Handel mit dem Globalen Süden. Ziel ist es, Armut in Asien, Lateinamerika und Afrika zu mindern und Kleinbauern, Plantagenarbeiter sowie ihre Familien und Gemeinden zu fördern.
Vorsitzende von Fairtrade Österreich ist seit Mai 2023 Johanna Mang; ehemalige Geschäftsführerin des WWF Österreich und Mitarbeiterin der Austrian Development Agency. Zuvor war der ehemalige Caritas-Präsident Helmut Schüller von 2007 bis 2023 Vorsitzender. Im Vorstand sind als Kirchenvertreterinnen und -vertreter, etwa Veronika Schippani-Stockinger (Katholische Jungschar Österreich) sowie Tobias Kirschner (Katholische Jugend Österreich); weiters Konrad Rehling als stellvertretender Vorstandsvorsitzender (Südwind Österreich), Gerti Jaksch-Fliegenschnee (ARGE Weltläden), Klaus Bergsmann (Oikocredit), Mita Johnson (Caritas Österreich), Anna Leitner (Global2000), Petra Herout (Horizont 3000) sowie Roberta Rastl-Kircher (Diakonie Österreich).