Experte ortet Reformbedarf in katholischer Liturgiesprache
27.03.202614:25
Österreich/Kirche/Sprache/Liturgie/Reform
Linzer Liturgiewissenschaftler Bukovec: Aktuelle voraussetzungsreiche Liturgiesprache schließt einzelne Personengruppen aus
Linz, 27.03.2026 (KAP) Derzeit laufen verschiedene Revisionsprozesse im Blick auf die liturgischen Bücher für katholische Gottesdienste und Segensfeiern. So soll nach zwei gescheiterten Versuchen einer Revision des Messbuches in den Jahren 2003 und 2013 in den kommenden Jahren ein neues, sprachlich leicht überarbeitetes deutsches Messbuch erscheinen; darüber hinaus werden aktuell unter Federführung des Österreichischen Liturgischen Instituts die Formulare für Segensfeiern überarbeitet.
Diese Prozesse sind gut und richtig - sie sollten aber durch angepasste Bücher neben der Standardform ergänzt werden. Das hat der Linzer Liturgiewissenschaftler Prof. Predrag Bukovec gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress (Freitag) betont. Liturgiesprache müsse so angelegt sein, dass sie allen Gläubigen gleichermaßen eine "tätige Teilnahme" (= Participatio actuosa) am Gottesdienstgeschehen ermögliche. Dies sei angesichts der bestehenden Texte und Textformen allerdings für manche Gläubige nicht mehr vorauszusetzen, so Bukovec. Für Menschen mit Behinderung, mit Demenz, aber auch für Kinder und Jugendliche erschwere die sehr voraussetzungsreiche Liturgiesprache nicht selten eine volle Teilhabe an den Gottesdiensten.
Zudem hätten sich Gottesdienstformen in den vergangenen Jahren stark ausdifferenziert - und auch das durch den Synodalen Prozess veränderte Klima habe den Bedarf an ausdifferenzierten Formen der Liturgiesprache deutlich erhöht, so Bukovec. Dem würden die aktuellen liturgischen Bücher allerdings nicht gerecht - bis auf ein Manuale für gehörlose Menschen von 1980 fehle es an entsprechenden Angeboten. "Dabei merken wir doch immer mehr: Sprache ist nicht gleich Sprache - und diese Erkenntnis ist ein Zeichen der Zeit und sollte letztlich auch zu mehr Vielfalt und Lebensnähe in den liturgischen Texten führen."
"Gratwanderung zwischen Lebenswelt und Ritualkontext"
Dass die Frage komplex bzw. heikel ist, ist dem Linzer Liturgiewissenschaftler dabei durchaus bewusst: schließlich bedeute Liturgiesprache immer eine "Gratwanderung zwischen Lebenswelt und Ritualkontext". Mehr Vielfalt dürfe weder zu einer Beliebigkeit der liturgischen Sprachformen führen, noch diese "banalisieren". Es gehe auch darum, sie passgenau für die jeweiligen Gemeinden zu erarbeiten. Entsprechend sei es auch zu wenig, einfach nur bestehende Bücher sprachlich zu vereinfachen - es brauche eine größere Vielfalt auch an Formen, die sich stärker an den Anliegen bestimmter Gruppen orientieren.
Bukovec: "Ich unterscheide da zwischen Alterität und Fremdheit: Alterität von Sprache kann Resonanz auslösen, kann produktiv irritieren. Fremdheit entsteht hingegen, wenn man gar keinen Zugang mehr findet zum Gottesdienstgeschehen. Wenn das geschieht, wird Liturgie ihrem Grundanliegen nicht mehr gerecht, dass alle Menschen mit diesen Worten ihren Glauben feiern." Er wolle daher speziell die Bischofskonferenzen ermutigen, Handreichungen und Materialien zu entwickeln und zu approbieren, die die jeweiligen Personengruppen aus der Kategorialen Seelsorge in den Blick nehmen. Hier gebe es in manchen Diözesen bereits gute Handreichungen, auf denen man bei so einem Projekt aufbauen könnte.
Fachtagung an KU Linz
In der vergangenen Woche hatte Bukovec gemeinsam mit dem Vorstand des Instituts für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Katholischen Privat-Universität Linz (KU), Prof. Ewald Volgger, unter dem Titel "Die Liturgiesprache. Ein Komplex von Herausforderungen" eine Fachtagung organisiert. Ziel der Tagung, an der Liturgie-Expertinnen und -Experten aus dem gesamten deutschen Sprachraum und auch aus den evangelischen Kirchen teilnahmen, war es, fundamental- und pastoralliturgische Perspektiven mit musikalischer, sprachwissenschaftlicher und journalistischer Expertise zu verschränken. Bestärkt sah sich Bukovec u.a. durch die Befragungen im Rahmen des Synodalen Prozesses in der Weltkirche: denn dort zählte die "Baustelle Liturgiesprache" zu den Top 3-Rückmeldungen.
"Es wurde deutlich, dass die Sprache im Gottesdienst zum Wesenskern der Liturgie gehört, aber heute darauf ankommt, dass sie differenzierter und viel breiter angegangen werden muss", hieß es in einer Aussendung der KU-Linz zum Abschluss der Tagung.
Neues "Benediktionale" soll 2029 vorliegen und zeitgemäßere und einheitlichere Formen für großen Bedarf an kirchlichen Segensfeiern bieten - Aktuell läuft Phase der praktischen Erprobung