Erzdiözese Wien prämierte neun Initiativen, die auf verschiedene Weise in Österreich und weltweit für sozialen Gerechtigkeit, Inklusion und Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg einsetzen
Wien, 27.03.2026 (KAP) Am Freitagnachmittag wurde in Wien der diesjährige Florian-Kuntner-Preis für weltkirchliche Partnerschaft und Entwicklungszusammenarbeit vergeben. Erzbischof Josef Grünwidl, der die Preisübergabe vornahm, würdigte das außergewöhnliche Engagement der insgesamt neun prämierten Initiativen. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit der Erzdiözese Wien ausgelobt; 2026 bereits zum zwölften Mal. Das Preisgeld beträgt insgesamt 18.000 Euro. Benannt sind die Preise nach dem 1994 verstorbenen Wiener "Weltkirche- und Friedensbischof" Florian Kuntner.
In der Kategorie "Weltkirchliche Partnerschaft" wurden das im Südsudan durchgeführte Projekt "Rain Workers - Wissen regnen lassen" des gleichnamigen Vereins, die Pfarre Rossau für ihre langjährige Partnerschaft zum "Centro de Apoio a Famili" in Brasilien und die Pfarre Allerheiligen für ein Gesundheitsprojekt im Kongo ausgezeichnet.
In der Kategorie "Bildungsarbeit für Eine Welt" wurden der Verein "Global Achtsam" für ein Projekt im Rahmen des Fairen Handels, das Projekt "Partnerschule auf den Philippinen" des Bundesgymnasiums Zehnergasse in Wiener Neustadt und die "Aktionsgruppe gegen Kinderarbeit" von Jugend eine Welt prämiert.
Die Preise der Kategorie "Junges Engagement" gingen an das Projekt "(un)sichtbar" des Don Bosco Sozialwerks in Wien, an das Projekt "Laetare! Musik verbindet. Freude bewegt" der Jungen Kirche der Erzdiözese Wien, sowie an die Nahost-Jugendworkshops der Stiftung Pro Oriente.
Von einem "Fest der Verbundenheit mit allen" sprach eingangs der Preisverleihung Christian Zettl, Weltkirche-Beauftragter der Erzdiözese Wien. Pastoralamtsleiter Markus Beranek zitierte in seinem Grußwort aus dem Schlussdokument der Bischofssynode zur Synodalität aus dem Jahr 2024: "Die Kirche strebt sowohl auf lokaler Ebene als auch kraft ihrer katholischen Einheit danach, ein Netzwerk von Beziehungen zu sein, das prophetisch eine Kultur der Begegnung, der sozialen Gerechtigkeit, der Inklusion der Ausgegrenzten, der Gemeinschaft unter den Völkern und der Sorge für die Erde, unser gemeinsames Zuhause, verbreitet und fördert."
Den Festvortrag bei der Preisverleihung hielt Thomas Zobernig, Geschäftsführer des offenen Kinder und Jugendzentrums "Sale für Alle" in Wien. Er stellte die Arbeit des Zentrums vor, das vor allem von Kindern aus einkommensschwachen Familien und mit Migrationshintergrund besucht wird und in dem sie eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Unterstützung beim Lernen und in ihren Talenten und Fähigkeiten gefördert werden. Diese Arbeit sei nur durch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen im Team möglich, so Zobernig. Die gemeinsame Arbeit stifte Identität und Gemeinschaft, nötig sei freilich, die Ehrenamtlichen auch in die Entscheidungen miteinzubeziehen. Das gelte nicht nur für das Jugendzentrum, sondern für alle Projekte, die vor allem von Ehrenamtlichen getragen werden.
Für die musikalische Gestaltung sorgten Mitglieder des Kammerorchesters der Initiative "Superar". An die Preisverleihung schloss ein Gottesdienst in der Unterkirche des Stephansdoms an. Der Feier im Gedenken an Weihbischof Kuntner stand Erzbischof Grünwidl vor.
Rain Workers im Südsudan
In enger Zusammenarbeit mit der Leitung des Caritas-Büro in Yambio trainierte der Verein "The Rain workers" 15 Caritas-Mitarbeitende und bildete sie zu sogenannte "Rain Workers" aus - Menschen, die Wissen regnen lassen. Sie erhielten eine umfassende viermonatige Ausbildung in Familienplanung, sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten, wobei insbesondere die Themenfelder Menschenrechte, Bedürfnisse von Kindern, Pubertät, sichere Mutterschaft, sexuell übertragbare Krankheiten, sowie die Prävention von sexueller Gewalt und schädlichen Praktiken wie Genitalverstümmelung thematisiert wurden.
Hilfe in Brasilien
Die Caritas Socialis führt in Guarapuava/Brasilien seit mehr als 15 Jahren das "Centro de Apoio à Família". Das Zentrum wird von Kindern und Jugendlichen, alleinerziehende Frauen und Großmüttern besucht. Die Kinder werden in Ergänzung zur Schulbildung gefördert, was ihnen Perspektiven für ihr Leben eröffnet. Die Pfarre Rossau unterstützt das Zentrum durch zahlreiche größere und kleinere soziale Aktivitäten, die über das gesamte Jahr verteilt durchgeführt werden.
Ein Leben in Würde im Kongo
Die Gemeinschaft in der Muttergotteskirche im Augarten/Pfarre Allerheiligen unterstützt seit Jahren die Stiftung Fondation Lève-toi et Marche! (FLEM), auf deutsch "Steh auf und geh!", im Süden der Demokratischen Republik Kongo. Die von der Ordensfrau Liliane Mujing 2013 gegründete Stiftung fördert und unterstützt Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung und ermöglicht ihnen ein Leben in Würde. Das geschieht u.a. durch chirurgische Korrekturen und Gehhilfen, Einschulung von Kindern mit Beeinträchtigung, Berufsbildung für Erwachsene und Sensibilisierung in der Gesellschaft für die Anerkennung der Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung.
Einsatz für fairen Handel
Im vergangenen Jahr stand der Weltladen Rennweg in Wien wegen Pensionierung vor der Schließung. Um die Schließung zu verhindern, wurde der gemeinnützige Verein "Global Achtsam" gegründet und hat den Laden übernommen. Notwendig dafür war das Sammeln von Startkapital und das Aufstellen eines derzeit etwa 20-köpfigen Teams Ehrenamtlicher. Neben der Fortführung und Abwicklung des normalen Ladengeschäfts ist es das erklärte Ziel des Vereins, das Service für die Pfarren weiter auszubauen. Bislang werden ca. 40 Pfarren aus Wien und Umgebung mit fair gehandelten Produkten versorgt.
Einsatz gegen Kinderarbeit
Ziel der von Jugend Eine Welt gegründeten "Aktionsgruppe gegen Kinderarbeit" ist es, junge Menschen in Österreich dafür zu sensibilisieren, dass Kinderarbeit und ausbeuterische globale Lieferketten eine schwerwiegende Verletzung der Menschenwürde darstellen. Den Einstieg in das Bildungsprogramm bildeten Kick-off-Veranstaltungen, die einen niederschwelligen Zugang zu den Themen ermöglichten. Darauf aufbauend fanden vertiefende Bildungsangebote statt. Regelmäßige Austausch- und Planungstreffen boten Raum für inhaltliche Vertiefung, Reflexion und gemeinschaftliche Entwicklung neuer Ideen.
Schulpartnerschaft mit Philippinen
Das Gymnasium Zehnergasse in Wiener Neustadt unterstützt die Mount Carmel High School of General Nakar in der Prälatur Infanta auf den Philippinen durch jährliche Spenden. Diese Spenden kommen durch verschiedene Aktionen zu Stande: den Infanta-Euro, eine freiwillige Spende von einem Euro zu Schulbeginn, einen Weihnachtsstand und eine Suppen- und Brezelwoche. Mit den Spenden bzw. dem Reinerlös der Aktionen werden Teil- und Vollstipendien für ca. 10 bis 15 Kinder bezahlt. Mittlerweile hat sich aus dieser Partnerschaft eine Freundschaft entwickelt. Es erfolgt ein reger Briefwechsel, E-Mail-Verkehr zwischen den Schulen und teilweise werden auch Videocalls gemacht. In unregelmäßigen Abständen gibt es auch persönliche Besuche.
Einsatz für Demokratie
Das Projekt "(un)sichtbar" des Jugendzentrums Come In des Don Bosco Sozialwerks in Wien widmet sich der politischen Teilhabe junger Menschen - unabhängig davon, ob sie wahlberechtigt sind oder nicht. In Interviews vor einem Greenscreen äußerten Jugendliche ihre persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Gefühle zu Demokratie und Politik. Dabei handelte es sich um Klienten von Jugendzentren, von stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie ukrainische Vertriebene. Die entstandenen Videos wurden so bearbeitet, dass nur Kleidung und Körpersprache sichtbar bleiben. Die Videos wurden über Social Media und Partnerorganisationen geteilt, um Dialog, Reflexion und Austausch zu fördern. Den Abschluss des Projekts bildete ein Fest mit Filmpräsentation und Diskussionen zwischen Jugendlichen und Politikern.
Junge Christen in Nahost
Mit ihren ökumenischen Nahost-Jugendworkshops reagiert die Stiftung Pro Oriente auf die zunehmende Abwanderung junger Christinnen und Christen aus dem Nahen Osten, die durch politische Instabilität, wirtschaftliche Krisen und mangelnde Perspektiven verursacht wird. Die Stiftung stärkt diese Zielgruppe, indem sie Räume für Begegnung, Austausch und gesellschaftliches Engagement über Konfessionsgrenzen hinweg schafft. In Workshops in mehreren Ländern wurden und werden ökumenische Bildung, Dialogfähigkeit und zivilgesellschaftliche Kompetenzen vermittelt. Ziel ist es, junge Menschen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Frieden und eine offene Kirchenkultur zu befähigen.
Musik, Glaube, soziales Engagement
Das Projekt "Laetare" der Jungen Kirche der Erzdiözese Wien verbindet Musik, Glauben und soziales Engagement, um Weltkirche hörbar zu gestalten und auf globale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Die Veranstaltungsreihe bringt Musikerinnen und Musiker unterschiedlicher Herkunft zusammen und schafft einen lebendigen Raum der Begegnung. Gleichzeitig verfolgt das Projekt ein konkretes Ziel: Junge Musikerinnen aus einer Favela in Brasilien sollen 2027 nach Österreich eingeladen werden, um Austausch und neue Perspektiven zu ermöglichen.
Ein Bischof mit Blick auf die Welt
Am 30. März jährt sich zum 32. Mal der Todestag des Wiener Weihbischofs Florian Kuntner, der für sein entschlossenes und konsequentes Eintreten für Frieden und globale Solidarität bekannt war. Er wurde am 22. März 1933 in Kirchberg am Wechsel (NÖ) geboren. Nach der Priesterweihe 1957 wurde er 1962 Pfarrer von Piesting, 1971 Propstpfarrer in Wiener Neustadt und danach Bischofsvikar für das neu gegründete Vikariat unter dem Wienerwald mit Sitz in Wiener Neustadt. 1977 wurde Kuntner gemeinsam mit Helmut Krätzl von Kardinal Franz König zum Bischof geweiht.
Als Bischofsvikar "für alle Anliegen der Mission und Entwicklungshilfe in der Erzdiözese Wien", Referatsbischof für Weltkirche, Mission und Entwicklungshilfe in der Österreichischen Bischofskonferenz und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke (Missio) war es Kuntner ein großes Anliegen, globale Gerechtigkeit und partnerschaftliche Beziehungen zu den Kirchen des globalen Südens zu fördern. Nach einer seiner vielen Reisen - um in persönlichen Begegnungen die Solidarität mit Ortskirchen im Süden zum Ausdruck zu bringen, erlag Kuntner erst 61-jährig einer Tropenkrankheit. Er wurde in der Domherrengruft von St. Stephan in Wien bestattet.