Syrisch-katholischer Bischof Jules Boutros gegenüber "Kirche in Not": Immer mehr zivile Einrichtungen von israelischen Angriffen betroffen - Kirche spielt zentrale Rolle bei Versorgung der Vertriebenen
Wien/Beirut, 28.03.2026 (KAP) Angesichts anhaltender israelischer Angriffe auf den Libanon hat der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros vor einer Verschärfung der humanitären Lage im Libanon gewarnt. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen, berichtete der Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia dem päpstlichen Hilfswerk "Kirche in Not" (ACN). So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels - eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. "Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall", erklärte der Bischof.
Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel. "Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von Hunderten von Dörfern", sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlingen im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.
Gleichzeitig beobachtete Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze, wie er sagt: "Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders." Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, so Boutros.
Kirche als Zufluchtsort
Die Kirche im Libanon spiele laut dem Bischof eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: "Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet." Gleichzeitig würden viele Einrichtungen an ihre Grenzen stoßen. Der Bedarf sei enorm und umfasse neben Lebensmitteln und Treibstoff für Generatoren auch die psycho-spirituelle Begleitung der Menschen.
Besonders schwierig sei zudem die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. "Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen", endete der Bischof mit einem Spendenaufruf. "Kirche in Not" habe seine Unterstützung für die Kirche im Libanon weiter verstärkt, teilte das internationale päpstliche Hilfswerk in Wien mit.
(Spendeninfo: Empfänger: KIRCHE IN NOT; IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Libanon)