Osterbotschaft: Kardinal Woelki mahnt Hilfe für Flüchtlinge an
29.03.202610:31
Deutschland/Kirche/Krieg/Flüchtlinge/Politik
Kölner Kardinal warnt im Interview mit der "Kölnischen Rundschau" vor wachsender Gleichgültigkeit gegenüber geflüchteten Menschen
Köln , 29.03.2026 (KAP/KNA) Ostern ist für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki "die Botschaft des Glücks schlechthin". Das Fest bedeute den "Funken Hoffnung, dass nicht der Tod, die Gewalt das Ende ist", sagte Woelki im Interview der "Kölnischen Rundschau". Gerade in Zeiten des Krieges - "in Zeiten, in denen vermeintlich Gewalt das letzte Wort hat" - sei dies existenziell. Der christliche Gott lebe nicht in fernen Welten, sondern habe in Gestalt von Jesus Christus selbst Verfolgung, Gewalt, Flucht und Erniedrigung ertragen: "Dieser Gott lässt keinen Menschen im Regen stehen." Dabei warnte er vor wachsender Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen und forderte von Politik und Kirche mehr Raum und Hilfeleistung für sie ein.
Krieg führe nicht zum Frieden, mahnte der Erzbischof. "Kriege lösen keine Konflikte. Manche Politiker denken anscheinend, dass man Zustände herbeibomben, Frontlinien erreichen kann, die dann die Voraussetzung für Verhandlungen sein sollen."
Dennoch gebe es bei einem völkerrechtswidrigen Angriff, etwa in der Ukraine, das Recht, das eigene Land zu verteidigen. Die biblische Aufforderung, das Schwert zurückzustecken, bedeute: "Wir sollen es nicht zum Krieg kommen lassen, sondern Konflikte im Dialog lösen - auf der Basis von Menschenwürde, Menschenrechten und dem humanitären Völkerrecht."
Warnung vor wachsender Gleichgültigkeit
Weiterhin fliehen zahlreiche Menschen vor Krieg und Not. Der Kölner Kardinal warnt vor wachsender Gleichgültigkeit. "Wir verlieren die Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror aus dem Auge, weil wir unseren Wohlstand sichern wollen." Integration sei möglich - und sowohl für Deutschland als auch Europa geboten, so sein Ruf zur Unterstützung von Menschen, "die unter Krieg oder anderen Notsituationen, etwa durch Umweltkatastrophen, leiden".
Dass die bisherigen Dublin-Abkommen nicht funktionierten, dürfe nicht zulasten von Menschen in Not gehen. "Wenn ich im Libanon oder im Iran leben würde, dann würde ich derzeit doch auch versuchen, diese Länder zu verlassen", sagte Woelki. Es brauche eine gesamteuropäische Lösung; man könne den Menschen nicht sagen, sie sollten dort bleiben und die Bombennächte aushalten.
Raum für Geflüchtete
Als politisch völlig falsch bezeichnete Woelki es, Integrationskurse zu streichen oder daran zu kürzen. "Die Kurse, die wir als Erzbistum zu verantworten hatten, sind Erfolgsmodelle. 70 Prozent der Flüchtlinge, die teilgenommen haben, sind jetzt im Arbeitsmarkt integriert." Man dürfe die Augen nicht vor Problemen verschließen und müsse sie angehen: "Und ohne Zuwanderung kann Deutschland die demografischen Probleme am Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen bekanntlich nicht lösen."
Auf die Frage, wo Grenzen lägen, wenn etwa an Schulen aus religiösen Gründen gemobbt werde, sagte der Kardinal: "Solche Formen der Druckausübung haben hier keinen Platz." Alle hätten sich an die Regeln des geltenden Rechts zu halten.
Die Kirche sei in diesem Zusammenhang weiterhin gefordert, fügte Woelki hinzu. "Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Deshalb gibt es keine Menschen zweiter Klasse. Deshalb muss es Raum für Geflüchtete geben. Für Notleidende. Es ist nicht hinzunehmen, wenn der Mensch in seiner Würde diskreditiert wird, ob von rechts oder von links." Dies sei für Deutschland und Europa eine Verpflichtung, da diese von einem christlichen Anspruch getragen seien.