Palmsonntag: Bischöfe würdigen Jesu Vorbild als gewaltloser Erlöser
29.03.202611:58
(zuletzt bearbeitet am 29.03.2026 um 14:25 Uhr)
Österreich/Kirche/Glaube/Ostern/Religionsfest oder Feiertag
Marketz: Christlicher Glaube folgt nicht Logik der Machtpolitik - Krautwaschl: Karwoche mit Lehre Jesu beginnen - Freitag: Logik Gottes folgt nicht Prinzip der Gewalt - Zsifkovics: Jesus Gegenprogramm zu jetzigen Herrschern - Scheuer: Christen sind keine Wirklichkeitsflüchtlinge
Klagenfurt/Graz, 29.03.2026 (KAP) An die besondere Aktualität des Palmsonntags angesichts grassierender Konflikte und kriegerischer Auseinandersetzungen haben Österreichs Bischöfe beim Palmsonntagsgottesdienst erinnert. Wie zu Zeiten Jesu würden sich Menschen auch heute nach einem Erlöser, Sicherheit, Lösungen und Klarheit sehnen, erklärten die Bischöfe Wilhelm Krautwaschl, Josef Marketz und Weihbischof Johannes Freitag in ihren Predigten. Damals wie heute liege die Versuchung nahe, auf Stärke, Durchsetzung und einfache Antworten zu setzen, betonte der Kärntner Bischof Marketz. Doch Jesus Christus entziehe sich vorbildhaft genau dieser Logik: "Sein Weg führt nicht zur Machtdemonstration, sondern in die Hingabe."
Die Karwoche sei keine "fromme Erinnerung an vergangene Ereignisse", betonte Marketz im Klagenfurter Dom. "Sie ist ein Spiegel. Sie zeigt uns, wie schnell auch wir Teil von negativen Dynamiken werden können: mitlaufen, mitrufen, urteilen, ohne zu verstehen." Nur wenige Tage nach dem Einzug in Jerusalem habe dieselbe Menge, die Jesus noch mit "Hosanna" begrüßt hatte, seinen Tod am Kreuz gefordert. "Der Jubel kippt. Die Stimmung dreht. So erleben wir unsere Gesellschaft - und manchmal auch die Kirche. Wahrheit wird nicht mehr gesucht, sondern überstimmt", schloss Bischof Marketz mit Blick auf die Gegenwart.
Christlicher Glaube folge einer anderen Logik als Machtpolitik, erinnerte er an das Beispiel Jesu: "In einer Welt, die Gewalt nicht scheut, antwortet er mit Gewaltlosigkeit." Marketz rief die Gläubigen darum dazu auf, "nicht einfach in die Logik unserer Zeit einzustimmen, sondern innezuhalten, nicht sofort zu urteilen, sondern zu hören" und "nicht nur Position zu beziehen, sondern Verantwortung zu übernehmen".
Lehre der Nächstenliebe
Auch der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl lud die Gläubigen ein, die Karwoche am Palmsonntag mit der Lehre Jesu zu beginnen, die von Nächstenliebe geprägt sei. "Aus dieser Lehre entsteht eine Lebenshaltung, die im Heute unserer Tage - vielleicht sogar mehr denn je - notwendig und damit 'Not wendend' ist", so Krautwaschl. Die vielen Kriege, Flucht- und Wanderungsbewegungen, Terror, das Spiel der Mächte oder neu erwachsende autoritäre Staatenlenker hätten zu zunehmenden Polarisierungen auf den verschiedensten Ebenen der Gesellschaft geführt.
Jesus habe deutlich gemacht, "dass der Mensch und die Welt erlöst werden durch und von Gott. Er lud alle durch sein Leben und seine Worte ein, sich Gott anheimzustellen und sich nicht als Messias zu gebärden, durch den 'alles anders' und damit auch 'alles gut' werden würde", sagte Krautwaschl, der die Heilige Messe in der Pfarrkirche Leoben feierte. "Nehmen wir nicht nur uns in den Blick, sondern schauen wir weiter. Werden wir füreinander Liebende", lautete sein Appell an die Gläubigen.
"König des Friedens"
Im Grazer Dom rief Weihbischof Johannes Freitag dazu auf, dem Beispiel des "Königs des Friedens" zu folgen, der nicht mit militärischer Macht auf einem stolzen Pferd oder in einem Streitwagen, sondern in Sanftmut auf einem Esel in Jerusalem eingezogen sei. "Viele hofften auf einen politischen Befreier. Einen starken Führer, der das Volk Israel von der römischen Besatzung befreit. Einen König, der Macht zeigt und die Verhältnisse verändert", so Freitag. Diese Erwartungen habe Jesus enttäuscht, die Stimmung sei gekippt.
Derlei Beispiele finden sich auch in der Gegenwart wieder, warnte der Bischof mit Blick auf weltweite Brennpunkte: "Kriege wie in der Ukraine oder Konflikte im Nahen Osten zeigen, wie schnell sich eine Spirale von Misstrauen und Gewalt entwickeln kann. Aber auch in unseren Gesellschaften sind wir davor nicht gefeit. Das Klima kann kippen - auch bei uns -, wenn Misstrauen, Abwertung und Spaltung Raum gewinnen."
Der Palmsonntag sei eine Einladung, sich wieder der Logik des Reiches Gottes zuzuwenden, die sich wesentlich von der Logik der Menschen unterscheide: "Im Maßstab der wehrlosen Liebe entspricht sie nicht dem Prinzip des Dreinschlagens, der Eroberung zum Machtgewinn, der Gewalt, die auf Provokation antwortet oder dem satten Gewinn auf Kosten der Armut ganzer Völker", so Freitag. Gott durchbreche den menschlichen Maßstab "Auge um Auge, Zahn um Zahn" oder "Wie du mir, so ich dir" mit der herausforderndsten Antwort: "Aus Liebe."
Gegenprogramm zu jetzigen Herrschern
Bischof Ägidius Zsifkovics hat in seiner Palmsonntags-Predigt den Einzug Jesu in Jerusalem als friedfertiges "Gegenprogramm" zu den Auftritten heutiger Machthaber bezeichnet. Während diese oft "auf einem hohen Ross und laut mit Bomben, Drohnen, Raketen und Ähnlichem" erschienen, brauche es heute mehr denn je Demut und den Mut zum Dienen, so der Eisenstädter Bischof im Martinsdom.
Auch die Zivilcourage jener Menschen, die Jesus zu Ehren ihre Kleider auf den Boden legten, habe symbolische Strahlkraft für die Gegenwart. Im Evangelium werde deutlich, "dass aus diesen Zuschauern, zuvor Unbeteiligten, auf einmal Menschen geworden sind, die sich im Herzen haben bewegen lassen". Laut Zsifkovics brauche die heutige Zeit wieder Menschen, vor allem Christen, die ein solches Zeugnis ablegen und sich aktiv beteiligen. Es brauche Menschen, "die Mut haben zum Risiko, die sich mit Glaubensmut bewusst für christliche Werte einsetzen und Zivilcourage zeigen".
"Christen sind keine Wirklichkeitsflüchtlinge"
Als "Spiegel für uns und für unsere Beziehungen" beschrieb der Linzer Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt am Palmsonntag die Passion Christi. In der Feier des Palmsonntags, im Eintauchen in die Karwoche und in Ostern "können wir mit Jesus das Leben lernen", so Scheuer. Das bedeute, Menschen in "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst" beizustehen und zu begleiten, verwies er auf Worte in der Bibel.
Christinnen und Christen seien keine "Wirklichkeitsflüchtlinge", und mit dem Glauben sei keine Weltfremdheit verbunden. Auch Jesus habe sich nicht aus der Zeit herausgehalten, sich Ängsten und Abgründen nicht entzogen und "sich nicht zynisch gezeigt gegenüber den Bedürfnissen der Menschen".
Beginnend mit dem Palmsonntag bis hin zum Ostermorgen begegne den Gläubigen in Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu eine ganze Spannbreite des Lebens, "und im Mitgehen erfahren wir Verwandlung und Aufbruch", sagte Scheuer. "Wir sind nicht berufen, Agenten der Resignation oder Unheilspropheten zu sein, sondern Anwälte der Hoffnung", appellierte der Bischof an die Kirchengemeinde im Mariendom.