Grünwidl: "Österlicher Klimawandel" schenkt Hoffnung in Krisenzeiten
29.03.202611:47
(zuletzt bearbeitet am 29.03.2026 um 14:38 Uhr)
Österreich/Kirche/Ostern/Glaube/Krieg/Religionsfest oder Feiertag/Grünwidl
Wiener Erzbischof am Palmsonntag im Wiener Stephansdom: Karwoche ist Einladung zu österlicher Hoffnung in Zeiten globaler Unsicherheit - Friedensappell an Mächtige und Kriegstreiber
Wien, 29.03.2026 (KAP) Angesichts von so viel Not, Elend und unzähligen Toten im Nahen Osten und der ganzen Welt solle der "Gedanke des Friedens in die Herzen der Mächtigen und der Kriegstreiber einziehen", so wie Jesus als Friedenskönig in Jerusalem eingezogen sei. So eröffnete der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl den Gottesdienst im Wiener Stephansdom am Palmsonntag. "Der Frühling macht Pause und es ist kalt und unfreundlich geworden", sagte Grünwidl auch in Bezug auf aktuelle Kriege und Zukunftsängste. In seiner Predigt lud er die Gläubigen ein, ihre innere Uhr und ihr Herz auf die Oster- und Hoffnungszeit einzustellen, die der "österliche Klimawandel" durch den Tod und die Auferweckung Jesu eingeläutet habe.
"Was in früheren Zeiten selbstverständlich war - Friede in Europa, Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit - vieles ist fragwürdig und brüchig geworden. Die Welt taumelt, die Zeiten haben sich geändert." Grünwidl sprach von einem gesellschaftlich rauen Klimawandel, der oft mit der Verrohung der Sprache beginne. "Wir wissen es: aggressive, menschenverachtende, abwertende Worte schaffen Wirklichkeit. Der raue Ton verschiebt unsere Werteskala, kann rücksichtslos und gewaltbereit machen."
So habe auch der Palmsonntag - nicht nur heuer wegen der Umstellung auf die Sommerzeit - mit der Zeitumstellung und Klimawandel zu tun. Auch Jesus habe erleben müssen, wie schnell aus dem begeisterten "Hosanna in der Höhe!" bei seinem Einzug in Jerusalem wenig später das "Kreuzige ihn! Weg mit ihm!" geworden sei.
In der "Heiligen Woche", wie sie nach alter christlicher Tradition genannt wird, zeige Gott im Kreuz seines Sohnes, wie sich das "Klima in der Menschheitsfamilie" ändern könne und "wie wir heil und heilig werden und die Welt zum Guten und zum Besseren verwandeln können", so Grünwidl - durch Liebe und Hingabe, durch Gewaltlosigkeit und Versöhnung. "In der Karwoche, der Heiligen Woche, sind wir alle eingeladen, uns von der österlichen Dynamik der Hoffnung erfassen und leiten zu lassen", schloss Grünwidl seine Predigt.
Wegen des Regens konnten die traditionelle Segnung der Palmzweige und die anschließende Prozession nicht wie üblich bei der Pestsäule am Graben beginnen, sondern mussten in den Dom verlegt werden.