missio Aachen-Chef: 200 Millionen gebrauchte Handys in deutschen Schubladen könnten Rohstoffbedarf aller neuen Smartphones der nächsten zehn Jahre decken
Aachen/ Accra , 30.03.2026 (KAP/KNA) Das katholische Hilfswerk missio Aachen fordert zusammen mit Partnern aus Ghana ein Pfand auf Handys. "Wir appellieren an Bundesumweltminister Carsten Schneider, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit Deutschland endlich die EU-Recycling-Quote erfüllt. Ein Handypfand wäre ein entscheidender Beitrag", erklärte missio-Präsident Dirk Bingener am Sonntag beim Besuch einer Elektroschrotthalde in Accra (Ghana). Missio kämpft dort gegen Kinderarbeit unter den extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen.
"Gerade an Smartphones wird deutlich, wie wichtig Recyceln und Wiederaufbereiten für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen ist", fügte er hinzu: "Es geht aber nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Menschenrechte, wenn man etwa sieht, wie die Menschen hier auf dieser Schrotthalde arbeiten."
200 Millionen gebrauchte Handys
In Deutschland, so der missio-Chef weiter, hätten sich - auch aufgrund des bisher fehlenden Handypfands - rund 200 Millionen gebrauchte Handys angesammelt: "Die darin enthaltenen Materialien würden laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ausreichen, um den Rohstoffbedarf aller neuen Smartphones der nächsten zehn Jahre zu decken."
Mit einem Handypfand könne das Gold alter Handys wiederverwendet werden. Aktuell schlummerten rund 6.000 Kilogramm Gold, das in Mobiltelefonen verbaut sei, in deutschen Schubladen: "Wir brauchen Handys mit Gold-zurück-Garantie", forderte Bingener.
Massive Menschenrechtsverletzungen
Unterstützt wird die Forderung nach einem Handypfand von missio-Projektpartnern wie der ghanaischen Ordensschwester Mercy Benson: "Je mehr in Deutschland recycelt wird, umso weniger illegale Elektroschrott-Exporte gibt es, die meine Heimat Ghana verschmutzen."
Darüber hinaus ließen sich die oft massiven Menschenrechtsverletzungen vermeiden, die mit dem Abbau von Gold und anderen Rohstoffen für die Handyherstellung in Afrika verbunden seien, so die Ordensfrau: Diese stammten zum großen Teil "aus ausbeuterischen Minen in Ghana, deren Chemikalien die Umwelt und die Menschen vergiften, und aus den Bürgerkriegsregionen der Demokratischen Republik Kongo".
Vom Papst gesegnetes "Recyclingkreuz"
Als Symbol für die Forderung nach einem Handypfand präsentierte Bingener das von Papst Leo XIV. gesegnete "Recyclingkreuz" bei einem Gottesdienst mit rund 3.000 Teilnehmenden in der Kathedrale von Accra. Das Kreuz besteht auf der einen Seite aus dem Messing defekter Klimaanlagen von der Elektroschrotthalde Agbogbloshie in Accra. Die andere Seite zeigt alte Handys mit Fotos von Menschen aus Ghana und dem Kongo.