Glückwunschschreiben des Wiener Erzbischofs zum Pessach-Fest - Glückwunschschreiben auch vom Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit - Glückwünsche auch von Kardinal Schönborn
Wien, 30.03.2026 (KAP) Erzbischof Josef Grünwidl hat in einem Glückwunschschreiben an Oberrabbiner Jaron Engelmayer und die jüdische Gemeinde seine besten Wünsche für das anstehende Pessachfest (1. April) übermittelt. In dieser sorgenvollen Zeit wolle er als neuer Erzbischof der katholischen Christen in Wien und dem östlichen Niederösterreich der ganzen jüdischen Gemeinschaft "unsere Freundschaft und Solidarität versichern und ein friedliches Pessachfest wünschen", so Grünwidl in dem Kathpress vorliegenden Schreiben. Im Blick auf den zunehmenden Antisemitismus in Österreich versichert der Erzbischof der jüdischen Gemeinde: "Wir stehen fest an Ihrer Seite."
Wenn die Christen am Gründonnerstag wie jedes Jahr die Erzählung von Knechtschaft und Befreiung des Volkes Israel aus dem Buch Exodus lesen, "dann stellt uns das vor Augen, wie sehr wir Christen an der Knechtschaft Israels in der nachbiblischen Zeit Teil hatten", schreibt der Wiener Erzbischof und weiter: "Gerade darum macht es uns aber auch besonders glückhaft bewusst, welche Befreiung es auch für uns Christen ist, unseren älteren Geschwister im Glauben heute nicht mehr mit Vorwurf und Verdächtigung zu begegnen, sondern in Frieden und Verbundenheit mit ihnen zu leben." Wie Kardinal Christoph Schönborn verbürge auch er sich für den Frieden und die Freundschaft zwischen den Religionen in Österreich, hielt Grünwidl fest.
Der Erzbischof erinnert daran, dass vor 80 Jahren, am 8. April 1946, die neuerrichtete Israelitische Kultusgemeinde erstmals nach der Shoah wieder zusammentrat, um ihre Leitung zu wählen. Wenn heute der Antisemitismus wieder zunimmt, wolle er im Namen der katholischen Kirche sagen: "Es ist für uns ein Geschenk, dass es die jüdische Gemeinde in Wien und in Österreich gibt - auch weil es ein Zeichen dafür ist, dass Gott diesem Land sein Angesicht wieder und immer noch zuwendet." Jüdinnen und Juden mit dem Oberrabbiner an der Spitze sollten wissen: "Wir stehen fest an Ihrer Seite. Daher trotz aller Sorgen und von Herzen: Chag Pessach Sameach!"
Glückwünsche von Kardinal Schönborn
Glückwünsche zum Pessach-Fest hat auch heuer wieder Kardinal Christoph Schönborn an Oberrabbiner Engelmayer und die Israelitische Kultusgemeinde gerichtet. Das Fest führe Jahr für Jahr "zu jener Erinnerung zurück, die trägt und Orientierung schenkt", so Schönborn: "Es hält wach, was Gott an seinem Volk getan hat, und bewahrt zugleich die Sensibilität für das, was den Menschen heute aufgegeben ist."
Heuer trete zu dieser Erinnerung ein besonderes Gedenken hinzu: Am 8. April jährt sich die Neugründung der Israelitischen Kultusgemeinde nach den Grauen der Shoah zum 80. Mal. Dieses Datum stehe, so Schönborn, "für einen Neubeginn, der alles andere als selbstverständlich war". Das Datum verweise "auf die Kraft des Glaubens, auf den Mut der Überlebenden und auf die Entschlossenheit, Leben und Gemeinschaft neu aufzubauen". Ein solches Erinnern bleibe nicht ohne Wirkung. "Es stärkt die Verantwortung in der Gegenwart und öffnet den Blick für das, was Zukunft möglich macht", schreibt Kardinal Schönborn.
Gemeinsame Verantwortung von Juden und Christen
Herzliche Glückwünsche an Oberrabbiner Engelmayer und die jüdische Gemeinde kommen auch vom Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit. "Zu Pessach und Ostern übermitteln wir Ihnen und Ihren Familien unsere herzlichen Wünsche für friedvolle Feiertage" und für "Tage der Hoffnung und der Zuversicht", heißt es in dem Schreiben, das von Präsidentin Regina Polak, Vizepräsidentin Margit Leuthold, Vizepräsident Willy Weisz, Geschäftsführer Yuval Katz Wilfing, und Ferenc Simon, dem Beauftragten der Erzdiözese Wien für die christlich-jüdische Zusammenarbeit, gezeichnet ist. Die Verantwortlichen des Koordinierungsausschusses betonen in dem Schreiben auch die gemeinsame Verantwortung von Juden und Christen für Gerechtigkeit und Frieden auf der Welt.
In diesen Tagen könne der biblische Psalm 22 Juden und Christen in besonderer Weise als gemeinsamer biblischer Bezug begleiten. Er gebe der Klage ebenso Raum wie der Hoffnung, er verschweige die Erfahrung von Angst, Verlassenheit und Bedrängnis nicht und halte zugleich am Vertrauen auf Gottes Treue fest. Darin eröffne er einen geistlichen Weg, "der Menschen durch Dunkelheit hindurch trägt und neue Zuversicht wachsen lassen kann".
Pessach erinnere daran, "dass Bedrängnis und Befreiung, Klage und Hoffnung zusammengehören". Die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten halte die Erfahrung der Enge wach und stärke zugleich die Hoffnung auf Gottes befreiendes Handeln. So werde die Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern in der Gegenwart lebendig gehalten.
Hoffnung soll nicht verstummen
Auch Ostern sei für Christinnen und Christen untrennbar mit diesem Weg durch Leid und Hoffnung verbunden, so der Koordinierungsausschuss weiter. Im Licht der Osterbotschaft werde Psalm 22 als ein Psalm gehört, "in dem die Klage vor Gott ausgesprochen werden darf und das Vertrauen neu Gestalt gewinnt". So werde deutlich: "Schmerz, Trauer und offene Fragen werden nicht verdrängt, sondern vor Gott getragen."
Gerade in einer Zeit, die von Unsicherheit, Spannungen und Erschütterungen geprägt ist, könne Psalm 22 als gemeinsames biblisches Zeugnis neu daran erinnern, "dass Klage ihren Ort hat, dass Hoffnung nicht verstummen muss und dass das Vertrauen auf Gott Menschen Kraft zum Weitergehen schenkt". Daraus wachse auch Verantwortung füreinander: für Achtung, Menschlichkeit und den Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, so der Koordinierungsausschuss.
Einwöchiges Pessach-Fest beginnt
Pessach gehört zu den wichtigsten jüdischen Festen. Es beginnt in diesem Jahr am 1. April und dauert bis zum 9. April - und findet damit während des christlichen Osterfestes statt. Pessach erinnert an den überlieferten Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und an die Befreiung aus der Sklaverei. Weltweit feiern mehr als 15 Millionen Juden ab Montagabend das einwöchige Pessach-Fest.