Kirchen sagen aus Sicherheitsbedenken öffentliche Feiern ab - Jüngster bewaffneter Angriff auf christlich dominierte Stadt in Zentralsyrien nur Spitze des Eisbergs der jüngsten Entwicklungen im Land
Damaskus/Berlin, 30.03.2026 (KAP) Mehrere Kirchen in Syrien haben angekündigt, die Osterfeierlichkeiten in diesem Jahr auf die Kirchen bzw. Innenräume kirchlicher Einrichtungen zu beschränken. Sonst übliche öffentliche Prozessionen oder sonstige Feierlichkeiten, u. a. mit Kundgebungen und Pfadfinderumzügen, wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt. Als erste Konfession hatte das melkitisch-katholische Patriarchat in Damaskus diesen Schritt am Wochenende verkündet, weitere Kirchen folgten binnen kürzester Zeit, "aus Sorge um die Sicherheit der Gläubigen", wie es in mehreren offiziellen kirchlichen Erklärungen heißt.
Unmittelbarer Auslöser der Maßnahmen war ein bewaffneter Angriff auf die vor allem von Christen und Alawiten bewohnte Stadt Sukajlabijah im Zentrum Syriens. Medien berichteten von Kämpfen zwischen Einwohnern und bewaffneten Angreifern aus umliegenden Dörfern. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte stürmten maskierte Männer die Stadt und griffen Bewohner an. Ein Bewohner Sukajlabijahs berichtete, er habe Schüsse und "Allahu Akbar"-Rufe gehört und sich aus Angst in seinem Haus verschanzt. Andere Bewohner schilderten der Nachrichtenagentur AFP, die Angreifer hätten mehr als 20 Geschäfte verwüstet und Autos in Brand gesetzt.
Bei den Bewaffneten soll es sich um Gangs handeln, die immer wieder auf Motorrädern in die Stadt fahren, junge Mädchen belästigen, Bewohner mit Waffen bedrohen oder Geschäfte verwüsten. Die Sicherheitskräfte würden dem tatenlos zusehen oder sogar Christen festnehmen, die sich gegen die Gangs zur Wehr setzen, so die Kritik der Bewohner von Sukajlabijah.
Infolge des massiven Angriffs am Freitag kam es zu Massenprotesten, in denen ein Ende der Gewalt, Gerechtigkeit sowie eine Bestrafung der Angreifer gefordert wurden. An den Protesten beteiligten sich laut örtlichen Medien breite Bevölkerungsgruppen. Auch das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien mit Sitz in Damaskus verurteilte den Angriff und forderte Ermittlungen.
Die Sicherheitslage ist laut Beobachtern aber nicht nur in Sukajlabijah und Umgebung fragil. Aus mehreren Städten Syriens wird das Einsickern von vor Ort unbekannter bewaffneter Gruppen gemeldet, die für verschiedene Verbrechen verantwortlich gemacht werden und eine Atmosphäre der Angst sorgen. Die syrischen Sicherheitskräfte würden dagegen nicht vorgehen. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA bezeichnete die Vorfälle in Sukajlabijah verharmlosend als "Massenschlägerei" zwischen jungen Männern.
Präsident al-Sharaa in Deutschland
Während die Sicherheitslage für die Christen und andere Minderheiten im Land immer dramatischer wird, hat der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa am Montag seinen im Jänner verschobenen Deutschlandbesuch nachgeholt. Zum Auftakt wurde er vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Berlin empfangen. Auf dem Programm von al-Sharaa stand am Nachmittag auch ein Gespräch mit Kanzler Friedrich Merz. Davor nahm er an einem Runden Tisch mit Unternehmern teil.
Zu den Hauptthemen seiner politischen Gespräche sollen die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des im jahrelangen Bürgerkrieg schwer zerstörten Landes gehören. Beim deutsch-syrischen Wirtschaftsforum pries al-Sharaa sein Land als Investitionsstandort mit großem Potenzial an.
Die von al-Sharaa angeführte Islamistenmiliz HTS hatte Ende 2024 nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg den langjährigen Machthaber Bashar al-Assad gestürzt. Anschließend wurde al-Sharaa zum Übergangspräsidenten ernannt.