ÖVP-Menschenrechtssprecherin bekräftigt nach Nigeria-Besuch Sorge über Gewalt und bedrohte Situation von Christen in dem westafrikanischen Land: Europa müsse "hinschauen und endlich handeln"
Wien/Abuja, 31.03.2026 (KAP) ÖVP-Menschenrechtssprecherin Gudrun Kugler hat nach einem mehrtägigen Besuch in Nigeria ihre Sorge über die Lage von Christen in dem afrikanischen Land bekräftigt. "Die Konflikte mögen vielschichtig sein, aber es sind die Christinnen und Christen, die in schockierender Weise und Zahl Opfer religiös motivierter Gewalt werden", erklärte Kugler am Dienstag in einer Pressemitteilung des ÖVP-Parlamentsklubs. Zwar würden nicht nur Christen Opfer der Gewalt in Nigeria, diese seien jedoch überproportional betroffen, so die Abgeordnete. Diese Realität werde in Europa oft verkannt. "Es ist ein Irrtum, die Gewalt in erster Linie als Verteilungskonflikt zu sehen", erklärte Kugler.
Kugler hielt sich vergangene Woche in Nigerias Hauptstadt Abuja auf, um sich vor Ort ein Bild der Sicherheits- und Menschenrechtslage zu machen, wie es hieß. Gemeinsam mit dem ehemaligen slowakischen Regierungschef Eduard Heger und dem Schweizer EVP-Parlamentsabgeordneten Marc Jost, früherer Generalsekretär der Evangelischen Allianz Schweiz und aktuell auch Leiter des "First Step Forum", einem Netzwerk in dem sich Politiker, Diplomaten und Kirchenvertreter für Religionsfreiheit einsetzen, traf sie verschiedene örtliche Entscheidungsträger aus Politik, Diplomatie, Zivilgesellschaft und Religionen.
Nigeria "nicht sich selbst überlassen"
"Nigeria wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen: Jährlich werden dort mehr Kinder geboren als in Europa und den USA zusammen. Wir dürfen dieses Land nicht sich selbst überlassen", erklärte Kugler. Für Stabilität, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Frieden in Nigeria müssten Sicherheit, Gerechtigkeit und Versöhnung gewährleistet sein.
Die Delegation sprach auf Basis der Gespräche in Abuja mehrere Handlungsempfehlungen aus; dazu zählen eine Dezentralisierung der Polizeistrukturen sowie die Einrichtung von Sicherheitszonen für besonders gefährdete Regionen, die Stärkung des Justizsystems, massive Investitionen in Bildung und der Ausbau praktischer Ausbildungsprogramme, insbesondere für junge Fulani-Hirten, um für diese alternative Lebensperspektiven zu schaffen.
"Unsere Reise soll dazu beitragen, die europäische Aufmerksamkeit zu erhöhen und eine entschlossene politische Antwort vor Ort zu fördern", so Kugler. Sie hoffe dafür auch auf die Zusammenarbeit mit der neu ernannten EU-Sonderbeauftragten für die Förderung der Religions- oder Weltanschauungsfreiheit (FoRB) außerhalb der EU, Mairead McGuinness.
Seit Jahren Gewalt und Terror
In mehreren Regionen Nigerias überfallen bewaffnete Gruppen seit Jahren Dörfer, verschleppen und töten Menschen. Neben islamistischen Attacken kommt es landesweit immer wieder zu Entführungen und Überfällen. In den Konflikten überlagern sich in einigen Regionen teils Religion, Ethnie und Streitigkeiten um Weideflächen zwischen überwiegend muslimischen Hirten der ethnischen Gruppe der Fulani und christlichen Bauerngemeinden. Zuletzt warnte etwa die Diözese Wakuri im Nordosten Nigerias vor möglichen weiteren gewaltsamen Übergriffen.
Erst am Sonntag wurden laut Berichten internationaler Nachrichtenagenturen bei zwei bewaffneten Angriffen in Jos im zentralen Bundesstaat Plateau im Bundesstaat Kaduna bzw. in Kagarko im Bundesstaat Kaduna mindestens 27 Menschen getötet. In Kagarko griffen Bewaffnete in einem mehrheitlich von Christen bewohnten Stadtviertel eine Feier vor einer Hochzeit an. In Jos schossen Angreifer nach Polizeiangaben bei einem Überfall auf eine Bar um sich.