Jerusalemer Kirchenführer: Gebetsrechte sind kein Privileg
01.04.202608:00
Israel/Palästina/Kirche
Kardinal Pizzaballa und Franziskaner-Kustos Ielpo nehmen bei Pressekonferenz zum Eklat um Zugang zur Grabeskirche am Palmsonntag Stellung
Jerusalem, 01.04.2026 (KAP/KNA) Nach dem Eklat um den Zugang zur Grabeskirche am Palmsonntag haben die beiden ranghöchsten katholischen Kirchenvertreter im Heiligen Land den Wunsch nach konstruktiver Zusammenarbeit mit den Behörden betont. Gleichzeitig gebe es aber "grundlegende Prinzipien und Rechte, die wir als wesentlich und nicht verhandelbar erachten", sagte Franziskanerkustos Francesco Ielpo am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Lateinischen Patriarchen, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, an dessen Amtssitz in Jerusalem.
Beide betonten, dass die polizeiliche Hinderung am Zugang zur Grabeskirche ein schmerzliches Ereignis gewesen sei, das die christliche Gemeinschaft im Heiligen Land und der ganzen Welt tief getroffen habe. Eine Konfrontation mit der Polizei, wie verschiedentlich berichtet, habe es nicht gegeben. "Wir wollen nicht zu einem Instrument für irgendeine antijüdische oder antiisraelische Haltung werden", so Pizzaballa. Vielmehr gebe es eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden.
Prinzip wahren: Ortsbischof in der Grabeskirche
Die Kirchen respektierten die Anordnungen des israelischen Heimatfrontkommandos, betonte Pizzaballa. Entsprechend sei die Teilnahme von Gläubigen an den Gottesdiensten in der Grabeskirche abgesagt worden. Wie Ielpo zeigte er sich zufrieden mit der erzielten Einigung für die Feier der Kar- und Ostertage. Man habe "nicht nach dem Mond gefragt", sondern danach, dass das Prinzip eingehalten werde, dass der Ortsbischof den Feiern der österlichen Tage vorsteht. Entsprechend sollen die Liturgien unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber unter Vorsitz des Bischofs gefeiert und live übertragen werden, so Pizzaballa.
Statt polemisch zurückzuschauen, wolle man die Gelegenheit nutzen, seit Jahrhunderten bestehende Rechte zu bekräftigen. Wenn der Franziskanerkustos als Oberer des Heiligen Grabs die Basilika betreten wolle, sei dies kein Privileg und erfordere keine Polizeigenehmigung, so Ielpo.
Er verwies auf die seit sieben Jahrhunderten andauernde ununterbrochene franziskanische Präsenz in der Grabeskirche "selbst in den schwierigsten Zeiten der Geschichte, einschließlich Kriegszeiten", die auch seit Beginn des aktuellen Konflikts am 28. Februar fortgesetzt werde. Die israelische Regierung müsse sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die ihr gegenüber der christlichen Welt obliege, während Milliarden von Gläubigen weltweit ihren Blick auf Jerusalem und die Gebete an den heiligen Stätten richteten.
Lösungen je nach Ortsbedingungen
Im Blick auf andere Kirchen im Patriarchat sagte Pizzaballa auf Frage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass sie geöffnet bleiben. Man habe die Pfarrer angewiesen, je nach den konkreten Gegebenheiten vor Ort eine sichere Teilnahme von Gläubigen an den Feiern zu ermöglichen. Je nach Sicherheitslage könne das bedeuten, dass zahlreiche Messen mit kleiner Teilnehmerzahl gefeiert würden. Ähnliche Anweisungen sind laut Kustos Ielpo an die verschiedenen franziskanischen Gemeinschaften im Heiligen Land ergangen.
Als schmerzhaft für die Stadt bezeichnete Pizzaballa das Ausbleiben von Pilgern. "Jerusalem ist ohne Pilger unvollständig. Insbesondere das heilige Becken zwischen Altstadt und Ölberg ist fast tot - ein Ort des Lebens, der im Moment ohne Leben ist". Er fühle sich etwas unwohl, weil zeitgleich mit der so von den Kirchen erbetenen Rückkehr der Pilger ein weiterer Krieg begonnen habe. Diesmal werde es länger dauern, Pilger von einer Rückkehr ins Heilige Land zu überzeugen.
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