Auslandsgeheimdienst wirft dem Patriarchen von Konstantinopel vor, die anstehenden Patriarchenwahlen in Georgien manipulieren zu wollen - Georgische Kirche sieht keine Grundlage für die Behauptungen
Moskau, 01.04.2026 (KAP) Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., sieht sich wieder Anwürfen der russischen Auslandsgeheimdienstes ausgesetzt. Dieser hat in einer Mitteilung, die am Dienstag von der russischen Agentur TASS verbreitet wurde, dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie vorgeworfen, sich in illegitimer Weise in die internen Angelegenheiten der Georgischen Orthodoxen Kirche einzumischen. Das georgische Kirchenoberhaupt Patriarch Ilia II. ist vor Kurzem mit 93 Jahren verstorben, in der Kirche steht damit die Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts an.
Russland kritisiert, dass Bartholomaios seinen Einfluss auf die Georgische Kirche dazu nutzen möchte, die Wahlen zu manipulieren und ein ihm genehmes Oberhaupt einzusetzen. Der Geheimdienst wirft dem Patriarchen u.a. "Machtgier" vor. Vonseiten des Ökumenischen Patriarchats lag bis Mittwoch noch keine Entgegnung vor, das Patriarchat hat ähnliche Anschuldigungen in der Vergangenheit stets rigoros zurückgewiesen. Ein Sprecher der Georgisch-orthodoxen Kirche betonte am Mittwoch, dass eine Einmischung von außen bei den Wahlen grundsätzlich nicht möglich sei.
Kursierende Namen über mögliche Kandidaten
In der russischen Erklärung werden zwei georgische Bischöfe namentlich genannt, die Patriarch Bartholomaios als ihm genehme neue Kirchenoberhäupter favorisieren würde: Metropolit Abraham (Garmeliya) von Westeuropa und Metropolit Grigoli (Berbichashvili) von Poti und Khobi (Berbichashvili).
Beobachter wiesen nach Erscheinen der russischen Aussendung allerdings darauf hin, dass der eine Bischof aufgrund seines fortgeschrittenen Alters von 78 Jahren überhaupt nicht mehr zur Wahl steht und auch die Wahl des zweiten Bischofs völlig höchst unwahrscheinlich sei.
Ein Kandidat für das Patriarchenamt muss georgischer Staatsbürger, Bischof der Georgisch-orthodoxen Kirche und zwischen 40 und 70 Jahre alt sein sowie über eine profunde theologische Ausbildung und umfangreiche Erfahrung in der Kirchenleitung verfügen.
Geleitet wird die Georgische Kirche derzeit vom Stellvertreter des Patriarchen, Metropolit Shio (Mujiri). Gemäß den Statuten der Kirche ist der interimistische Leiter verpflichtet, einen "Erweiterten Rat" der Georgisch-orthodoxen Kirche frühestens 40 Tage und spätestens zwei Monate nach dem Tod des Patriarchen einzuberufen. Diesem Rat gehören Bischöfe, weitere Geistliche und auch Laien an. Den neuen Patriarchen wählen aber nur die Bischöfe. Im Vorfeld dieses Rates wird eine Sitzung der Heiligen Synode einberufen, um drei Kandidaten für das Amt auszuwählen.
Jedes Mitglied der Synode ist berechtigt, einen Kandidaten für das Patriarchat vorzuschlagen, einschließlich sich selbst. Die drei Bischöfe, die auf der Synode die meisten Stimmen erhalten, kandidieren beim Erweiterten Rat für das Patriarchenamt.
Vergangene Anschuldigungen
Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Patriarch von Konstantinopel schweren Anschuldigungen vonseiten des russischen Auslandsgeheimdienstes ausgesetzt sieht. Erst im Jänner hatte die russische Nachrichtenagentur TASS eine Mitteilung des Geheimdienstes veröffentlicht, wonach der Patriarch auf verschiedene Weise versuche, die Orthodoxie zu spalten und Zwietracht zu sähen. So arbeite Patriarch Bartholomaios etwa aktiv mit dem britischen Geheimdienst zusammen, um in europäischen Ländern die Russisch-orthodoxe Kirche zu schwächen. Besonders umtriebig sei der Patriarch im Baltikum, in der Ukraine und auf dem Balkan.