Wiener Erzbischof bezeichnet im Kathpress-Interview Karfreitagsregelung seit 2019 als Wunde für die evangelischen, methodistischen und anglikanischen Christen in Österreich - Osterbotschaft angesichts des Nahostkrieges heuer besonders aktuell
Wien, 01.04.2026 (KAP) In der Debatte um den Karfreitag als Feiertag hat der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl Verständnis für das Anliegen der Evangelischen Kirche gezeigt. Er verstehe, dass die Karfreitagsregelung seit 2019 eine Wunde für die evangelischen, methodistischen und anglikanischen Christinnen und Christen in Österreich sei, weil dieser Tag nun nicht mehr grundsätzlich frei sein, sondern sich die Angehörigen dieser Kirchen einen Urlaubstag nehmen müssten. Grünwidl äußerte sich im Interview mit Kathpress und den Medien der Erzdiözese Wien.
Der Karfreitag habe in diesen Kirchen noch einmal eine ganz andere identitätsstiftende Bedeutung als in der Katholischen Kirche. Er wolle aber auch daran erinnern, dass der evangelische Bischof Michael Chalupka im Vorjahr "zwar traurig, aber realistisch" gesagt habe, dass es in Zeiten von Sparpaketen und Budgetdefiziten unrealistisch sei, dass ein zusätzlicher Feiertag in Österreich für alle eingeführt wird. Trotzdem: Er verstehe das Anliegen der evangelischen Christinnen und Christen und hoffe, "dass es zu einer Lösung kommt, die auch für diese betroffenen Kirchen gut sein wird", sagte der Erzbischof.
Sorgen um Hospiz in Jerusalem
Grünwidl erläuterte im Interview weiters, weshalb er sich für Franz Xaver Brandmayr als neuen Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem entschieden hat. Von der schwierigen Situation im Nahen Osten sei auch das österreichische Hospiz massiv betroffen. "Es gibt keine oder fast keine Pilgergruppen. Es fehlen dem Haus die Einnahmen, es musste das Personal schon drastisch reduziert werden und es fehlte uns auch ein Rektor, ein Leiter dieses Hauses." Das Hospiz in Jerusalem habe eine sehr große und wichtige Aufgabe und Bedeutung in dieser Region. Es sei ein kultureller, ökumenischer und interreligiöser Treffpunkt.
Im Hospiz stehe zudem seit Jahren eine Generalsanierung des Altbaus an. Unter den jetzigen Umständen sei dies besonders schwierig, so Grünwidl: "Ich bin zuversichtlich, dass es Franz Xaver Brandmayr gelingt, jetzt einmal die Sanierung dieses Hauses zu planen und vielleicht auch einen Finanzierungsplan zu erstellen. Das ist seine vordringliche Aufgabe." Brandmayr sei aber natürlich als Rektor auch so etwas wie ein Hausvater für die Gemeinschaft, die im Hospiz wohnt, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch für Pilgergruppen, "die hoffentlich bald wiederkommen können".
Osterbotschaft als Antwort auf Nahost-Krieg
Zugleich räumte Grünwidl ein, dass er angesichts der sich immer schneller drehenden Spirale der Gewalt im Nahen Osten ratlos sei. "Es ist wirklich erschreckend und bedrückend, dass gerade diese Region der Welt nicht zur Ruhe kommt und dort ständig Krieg, Gewalt und Hass herrschen." Er könne nur hoffen, beten und vertrauen, "dass Gott die Möglichkeit hat, auch den Mächtigen und den Zerstrittenen und den Menschen, die einander mit Hass begegnen, ihr Herz zu verändern und ihnen Gedanken des Friedens einzugeben".
Umso dringlicher sei die christliche Osterbotschaft: "Zu Ostern feiern wir den Gott des Lebens, der schon bei der Schöpfung von Anfang an gesagt hat: Ich will das Leben und ich sehe, dass es gut ist. Und wir feiern, dass Gott stärker ist als der Tod, dass er uns auch im Tod nicht fallen lässt." Es wünsche sich und allen, so Grünwidl, "dass wir uns nicht von negativen Erfahrungen, von Problemen und Sorgen hinunterziehen lassen, handlungsunfähig werden und nur mehr in unseren Ängsten und Sorgen gefangen sind". Stattdessen "soll uns die Osterhoffnung, der Blick auf Gott, der stärker ist als der Tod, Mut machen zum Handeln und zu einem Einsatz, Leben zu ermöglichen und Leben zu schützen".
"Unser Leben ist einmalig und einzigartig"
Wie Grünwidl weiter betonte, halte er die christliche Hoffnung auf die Auferstehung und die Lehre von der Wiedergeburt für zwei Erklärungsmuster für ein Leben nach dem Tod, "die nicht kompatibel sind". Im Westen werde die Lehre von der Wiedergeburt oft als eine sehr positive Form des Weiterlebens nach dem Tod interpretiert. "Aber eigentlich ist dieses Rad der Wiedergeburt im Buddhismus und Hinduismus etwas, das man möglichst schnell hinter sich bringen möchte: Es ist eine Last und eine Strafe, dass man immer wieder geboren werden muss, so oft, bis man sich dann endlich durch seine eigenen Taten sozusagen erlöst hat und nicht mehr wiedergeboren werden muss."
Die christliche Botschaft von der Auferstehung habe ein ganz anderes Konzept, so der Erzbischof: "Unser Leben hier auf der Erde ist einmalig und einzigartig und ich muss mich als Christ nicht selbst erlösen, sondern das hat Jesus Christus getan." Er sei überzeugt: "Gott verlangt von uns auch nicht, dass wir perfekt und vollkommen sind, um ins ewige Leben eingehen zu dürfen, sondern er vollendet mich. Er sieht, wenn ich sterbe, meine Stärken, meine guten Taten, meine Erfolge und er wird ergänzen, was fehlt." Er vertraue darauf, "dass im Tod Gott mir barmherzig begegnet, mich vollendet und mir Anteil an der Auferstehung Jesu schenkt".
Karwoche und Ostern im Stephansdom
Im vergangenen Jahr stand Grünwidl bereits als Administrator den Gottesdiensten in der Karwoche und zu Ostern im Stephansdom vor. Heuer wird er dies erstmals als Erzbischof tun. Dazu sagte er: "Das sind wunderschöne große Feiern und Liturgien und es ist einfach eine Freude, im vollen Stephansdom mit so vielen Menschen, die österlich gestimmt sind, das Hauptfest der Kirche feiern zu dürfen." Freilich feiere er Ostern aber auch privat: "Am Ostermontag ist dann Zeit für meine Familie. Wir werden uns am Nachmittag treffen und Ostern gemeinsam feiern", so der Erzbischof.
Das Interview mit Erzbischof Grünwidl zum Nachlesen gibt es in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". "radio klassik Stephansdom" bringt das Interview am Mittwoch, 1. April, um 19 Uhr in der Sendung "Perspektiven". Die Sendung ist danach auch als Podcast abrufbar (radioklassik.at). Eine gestraffte Form des ausführlichen Interviews ist zudem als neue Folge des Religionspodcasts "Wer glaubt, wir selig" abrufbar. (Infos: www.katholisch.at bzw. studio-omega.at)
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