Caritas-Auslandshilfe-Generalsekretär Knapp: Jedes fünfte Kind im Libanon hat sein Zuhause verloren - "Gefahr, dass hunderttausende Kinder ohne Perspektiven aufwachsen, steigt von Tag zu Tag"
Wien/Beirut, 01.04.2026 (KAP) Kinder leiden nach Einschätzung von Caritas Österreich besonders unter dem Krieg im Nahen Osten. Allein im Libanon, wo im Zuge des Iran-Kriegs die Kämpfe zwischen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz und Israel wieder aufgeflammt sind, haben nach Angaben der Hilfsorganisation bereits 370.000 Kinder ihr Zuhause verloren. Das entspricht etwa jedem fünften Kind im Land, erklärte Andreas Knapp, Generalsekretär der Caritas-Auslandshilfe, am Mittwoch. Er sprach von einer "massiven Vertreibungskrise".
Zehntausende Kinder lebten in Notunterkünften, bei Verwandten, in provisorischen Unterkünften oder auf der Straße. Sie hätten keinen Zugang zu Hygiene und medizinischer Versorgung und seien einem erhöhten Risiko für Gewalt und familiäre Trennung ausgesetzt. In vielen Regionen des Landes seien zudem die Schulen geschlossen, entweder wegen Evakuierungen oder weil sie als Notunterkünfte dienen, so Knapp. Hunderttausende Kinder würden so nicht nur ihren Zugang zu Bildung, sondern auch sichere Räume, soziale Kontakte und stabile Routinen verlieren.
"Die Gefahr, dass hunderttausende Kinder ohne Perspektiven aufwachsen, steigt von Tag zu Tag", warnte der Caritas-Generalsekretär. Er erinnerte daran, dass der Schutz von Zivilisten und das Recht von Kindern auf Bildung und Schutz im humanitären Völkerrecht verankert sind: "Diese Verpflichtungen gelten auch in Zeiten von Krieg." Knapp forderte Europa und die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. Sie müssten Menschenleben schützen und sicherstellen, dass humanitäre Hilfe möglich und ausreichend finanziert ist, damit Organisationen vor Ort die betroffenen Menschen unterstützen können.
Caritas hilft vor Ort
Caritas Österreich arbeitet vor Ort mit Partnerorganisationen, schilderte Knapp. Caritas Libanon hat seit Beginn der Eskalation über 66.000 warme Mahlzeiten sowie tausende Brot- und Lebensmittelpakete verteilt. Familien würden Kleidung, Matratzen, Decken und Hygieneartikel erhalten. Zudem seien mehr als 2.500 medizinische Behandlungen durchgeführt und tausende chronisch kranke Menschen versorgt worden.
Ein besonderer Fokus der Caritas-Hilfe liegt auf Kindern: Über 1.000 psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen helfen ihnen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, berichtete Knapp. Lernzentren, die von der Caritas unterstützt werden, sind wieder geöffnet und ermöglichen Kindern, auch mit Behinderungen, weiterhin Zugang zu Bildung. (Caritas-Spendenkonto: Caritas, Erste Bank IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Nahost-Konflikt, Online-Spenden: www.caritas.at/nahost-konflikt)
Unicef: Hunderte Kinder getötet
Auch Unicef beklagte zuletzt, dass Kinder durch Gewalt, Flucht und Vertreibung einen besonders hohen Preis im Krieg im Nahen Osten zahlen. Nach Informationen des UN-Kinderhilfswerks vom Dienstag wurden seit Beginn vor gut einem Monat bereits mehr als 340 Kinder getötet und Tausende verletzt, und zwar überwiegend im Iran. Dort starben 216 Mädchen und Buben; 1.767 wurden verletzt.
Im Libanon wurden 124 Kinder getötet und 413 verletzt. In Israel waren es vier getötete sowie 862 verletzte Mädchen und Jungen. Knapp die Hälfte kam den Angaben zufolge bereits am ersten Tag des Krieges ums Leben, als im Iran die Shajareh-Tayyebeh-Schule angegriffen wurde.
"Kinder in der Region sind schrecklicher Gewalt ausgesetzt, während ausgerechnet die Systeme und Dienste, die sie schützen sollen, unter Beschuss geraten", sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA). "Alle Konfliktparteien müssen dringend handeln, um das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen und die Rechte von Kindern zu wahren."
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