Bischof Schwarz: Auferstehungsglaube ist Hoffnungskraft in Krisenzeit
02.04.202611:58
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St. Pöltner Bischof über Sakrament der Versöhnung: "Jedes gesunde, soziale Miteinander lebt davon, dass Menschen sich Fehler eingestehen können"
St.Pölten, 02.04.2026 (KAP) Der St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz hat die starke Orientierung an Wohlstand, Bequemlichkeit und Selbstbestimmung in Europa kritisiert. Im Oster-Interview mit der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" (aktuelle Ausgabe) warnte er, der Mensch werde zunehmend "zum Maß aller Dinge", wodurch Gott in den Hintergrund trete. Darin liege eine Gefahr, die auch biblisch - etwa in der Erzählung vom Turmbau zu Babel - aufgezeigt werde. Zugleich betonte Schwarz die Hoffnungskraft des christlichen Auferstehungsglaubens in einer von Krisen geprägten Zeit.
Viele Menschen erlebten die Gegenwart als "dunkel, traurig, aggressiv". Gerade hier sei der Glaube "ein unglaublich kostbares Geschenk", sagte der Bischof. Der Auferstehungsglaube werde "durch die Dunkelheit unserer Zeit nicht verdunkelt", sondern helfe, diese zu bestehen. Wer aus dem Glauben lebe, vertraue darauf, dass "letztlich das Licht stärker sein wird als alle Finsternis der Welt".
Ostern als Fest der Erlösung erinnere auch an eine Fehlerkultur, meinte Schwarz: "Jedes gesunde, soziale Miteinander lebt davon, dass Menschen sich Fehler eingestehen können. Wer sich Fehler eingestehen kann, dem ist der Wunsch und die Bitte um Vergebung beim Anderen selbstverständlich. Wer zudem aus dem Glauben lebt, weiß, dass wir dort, wo wir einander Liebe schuldig geblieben sind, auch Gott diese Liebe schuldig bleiben." Wichtig sei hier etwa das Sakrament der Versöhnung, das als "heilendes und stärkendes Sakrament" einen Neuanfang ermögliche.
Zentrale Rolle von Frauen im Ostergeschehen
Gefragt nach der Rolle der Frauen in der Kirche sagte Schwarz, diese "sollte sich dahingehend verändern, dass man Frauen als wichtige Gesprächspartnerinnen in Entscheidungsprozesse einbindet, auch über den Kreis der kirchlichen Mitarbeiterinnen hinaus". Nötig sei zudem "eine ausgewogene Verteilung der (leitenden) Aufgaben zwischen Männern und Frauen".
Frauen hätten zudem bereits im Ostergeschehen eine zentrale Rolle gespielt. "Es ist die geistliche Sensibilität, die Frauen zu ersten Zeugen der Auferstehung werden ließ. Es braucht Menschen, die intuitiv Dinge erfassen können, unabhängig von Amt und Funktion", so der niederösterreichische Bischof.
Positiv äußerte sich der Bischof über das interreligiöse Zusammenleben in Österreich: Es gebe viele "wertschätzende Erfahrungen" zwischen Christen und Muslimen. Als problematisch bezeichnete Schwarz hingegen die politische Instrumentalisierung von Religionen: "Dort aber, wo wir den Islam bzw. das Christentum als politisches Mittel zum Zweck einsetzen, dort verhärten sich die Fronten und es wird Spaltung und Ablehnung produziert. Das bedauere ich sehr, denn der Zusammenhalt wird dann empfindlich gestört. Deshalb ist Wertschätzung und Respekt von beiden Seiten notwendig."