Gerichtsurteil und Großdemonstrationen in zentralindischem Bundesstaat gegen einschneidendes Verbot für jegliche Missionstätigkeit durch religiöse Minderheiten
Neu-Delhi, 01.04.2026 (KAP) Die Lage der christlichen Minderheit im indischen Bundesstaat Chhattisgarh bleibt angesichts des jüngst beschlossenen strengen Anti-Konversionsgesetzes weiter angespannt, auch wenn ein aktuelles Gerichtsurteil ihre Rechte in einem kleinen Punkt stärkt. Das Oberste Gericht hat am Dienstag klargestellt, dass Gebetstreffen in privaten Häusern keiner Genehmigung bedürfen und staatliche Behörden nicht in die Ausübung ziviler Rechte eingreifen dürfen. Anlass war eine Klage von Christen, die sich durch Polizei und lokale Behörden in ihrer Religionsausübung behindert sahen.
Erst am Wochenende zuvor hatten Tausende Christen in 33 Distrikten des Bundesstaates gegen das geplante Gesetz protestiert. Bis zu 5.000 Demonstranten versammelten sich laut der christlichen Nachrichtenplattform Ucanews (Mittwoch) an manchen Orten, womit die Proteste zu den größten jemals stattgefundenen Mobilisierungen der christlichen Gemeinschaft in der Region zählten. Die Teilnehmenden bezeichneten den "Chhattisgarh Freedom of Religion Bill 2026" als "schwarzes Gesetz". In der Hauptstadt Raipur marschierten Demonstranten zum Amtssitz des Gouverneurs und übergaben dort einen Forderungskatalog. Sie verlangten die Rücknahme des Gesetzes sowie Schutz vor "falschen Fällen" und "willkürlichen Festnahmen".
Das Gesetz richtet sich offiziell gegen Konversionen durch Zwang, Täuschung oder Anreize, definiert diese Begriffe jedoch sehr weit und stellt entsprechende Handlungen unter schwere Strafen bis hin zu lebenslanger Haft und hohen Geldbußen. Es verpflichtet Betroffene zudem zu vorherigen Meldungen an Behörden und erlaubt weitreichende Eingriffe, während Rückkonversionen zur Mehrheitsreligion - dem Hinduismus - ausdrücklich ausgenommen sind. Vor dem Inkrafttreten ist nur noch die Zustimmung des Gouverneurs notwendig. In Chhattisgarh stellen Christen weniger als zwei Prozent der rund 30 Millionen Einwohner.
Nach Einschätzung des christlichen Hilfswerks Open Doors vom Dienstag verschärft sich der Druck auf Gläubige in Indien insgesamt deutlich. Das Land steht auf Rang 12 des Weltverfolgungsindex, während Christen zunehmend mit Vorwürfen der Zwangskonversion, Einschränkungen ihrer Rechte und gesellschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert sind. Konflikte betreffen auch grundlegende religiöse Praktiken wie Bestattungen, die teils nur unter erheblichen Einschränkungen möglich sind. Die Menschenrechtsorganisation warnt zudem, dass Anti-Konversionsgesetze häufig genutzt würden, um Christen einzuschüchtern oder zu kriminalisieren.
Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen indischen Bundesstaaten: Im westindischen Maharashtra wurde Mitte März ebenfalls ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das Haftstrafen von bis zu sieben Jahren vorsieht und ebenfalls noch auf die Zustimmung des Gouverneurs wartet.
Vorgeblicher Schutz vor Zwangsbekehrungen gilt nicht für Übertritt zum Hinduismus - Weit gefasste Definitionen könnten soziale und religiöse Arbeit kriminalisieren