Wissenschaftler relativiert Armuts-Rückgang in Argentinien
02.04.202612:42
Argentinien/Soziales/Statistik/Armut/Regierung
Armutsentwicklung unter Milei-Regierung im Fokus der Medien - Sozialstatistiker der Katholischen Universität in Buenos Aires bewertet neue Erfolgszahlen zurückhaltend
Buenos Aires, 02.04.2026 (KAP/KNA) Ein Wissenschaftler der Katholischen Universität in Argentinien hat sich gegen eine unkritische Deutung staatlicher Angaben gewandt, nach denen die Armutsrate in dem Land stark gesunken ist. Die Zahlen hätten zwar ein Fundament, offenbarten aber "erhebliche Verzerrungen", sagte der Sozialstatistiker Agustín Salvia laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) der Zeitung "Diario Popular". Auch wenn die Armut statistisch zurückgegangen sei, mache sich das für viele Menschen finanziell nicht bemerkbar.
Wie die Statistikbehörde Indec Anfang der Woche mitteilte, ging die Armutsrate in Argentinien im zweiten Halbjahr 2025 auf 28,2 Prozent zurück - fast zehn Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Es handelt sich demnach um den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Laut Indec gelten in Argentinien damit 13,5 Millionen Menschen als arm oder bedürftig.
Marktwirtschaftliche Reformen
Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei versucht mit marktwirtschaftlichen Reformen und der Kürzung staatlicher Ausgaben die Volkswirtschaft des südamerikanischen Landes zu sanieren. Sein zweites Regierungsjahr war gekennzeichnet von einem Anziehen der Wirtschaft, einem Rückgang der Inflation und einem ausgeglichenen Staatshaushalt. Soziale Organisationen wie auch Stimmen aus der katholischen Kirche werfen Milei vor, diese Entwicklung mit Kürzungen im Gesundheitswesen sowie in der Bildungs- und Sozialpolitik zulasten einkommensschwacher Bürger zu erkaufen.