Evangelische Bischöfin Richter im Interview mit "Oberösterreichischen Nachrichten" über religiösen und ökonomischen Mehrwert eines freien Karfreitags und weshalb sie den Religionsunterricht für unverzichtbar hält
Linz, 02.04.2026 (KAP) Die neue evangelische Bischöfin Cornelia Richter fordert vehement, den Karfreitag als Feiertag wieder einzuführen. Für die Evangelische Kirche sei dies essenziell. Im Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" (Donnerstag), hielt sie wörtlich fest: "Egal, in welche Gemeinde ich komme - und ich reise sehr viel -, lautet die erste Frage: Was ist mit dem Karfreitag? Wir brauchen den, wir wollen den wieder haben, er ist so wichtig für uns." Wenn politische Parteien sogar anfangen, so Richter, das Kreuz wieder aufzuhängen, dann müsse man fragen: "Wissen sie, was sie aufhängen? Es gibt genau einen Feiertag, der für dieses Kreuz steht, das ist der Karfreitag." Fazit: "Das ist ein Tag, von dem wir als Evangelische nicht lassen können. Es brodelt in den Gemeinden."
Darauf angesprochen, dass die politische Diskussion eher in die Richtung gehe, weitere Feiertage zu hinterfragen, meinte die Bischöfin: "Genau, aber da würde ich sagen, das muss man mal durchrechnen." Studien würden belegen, dass es gesamtgesellschaftlich zunehmend Erschöpfung gibt, "dass Menschen ins Burnout gehen, dass Menschen öfter krank sind und lange Krankenstände haben". Die Gesellschaft sei ziemlich am Rand ihrer Kräfte". Insofern frage sie sich, so Richter: "Was ist teurer: Feiertage zu halten oder die Menschen mit ihrer Überlastung alleinzulassen?" Sie betreibe seit vielen Jahren Resilienzforschung und würde sagen: "Feiertage zu halten ist billiger."
Seit 2019 ist der Karfreitag in Österreich für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit evangelischer, methodistischer und altkatholischer Religionszugehörigkeit kein offizieller Feiertag mehr. Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs verstieß die Regelung gegen den Gleichheitsgrundsatz. Seither ist der Karfreitag in Österreich ein "persönlicher Feiertag", den jeder aus dem eigenen Urlaubskontingent beantragen kann.
Latein-, Ethik- und Religionsunterricht
Richter brach im Interview auch eine Lanze für den Latein- und Religionsunterricht. Mit Latein lerne man zwei Dinge. Zum einen sei es "eine unglaublich gute Basis für alles, was Grammatik ist, und für das Erlernen weiterer Sprachen". Zum zweiten würden auch die Grundlagen der europäischen Kultur gelernt. Richter: "Latein ist eine wunderbare Grundlage, um die Wurzeln zu verstehen, aus denen heraus diese europäische Kultur maßgeblich mitgewachsen ist."
Die Bischöfin führte weiter aus, dass sie den Ethikunterricht sehr schätze, dennoch sei der Religionsunterricht "unverzichtbar, weil er etwas anderes leistet". Werte seien etwas, was zu jeder Zeit und in jeder Gesellschaft neu ausgehandelt werden müsse. Wertebildung sei immer an demokratische Diskussion gebunden. "Im Ethikunterricht kann ich über Medizinethik reden oder darüber, wie eine verantwortliche Wirtschaft geführt werden soll. Was es bedeutet, sich in der Sozialpolitik oder der Flüchtlingspolitik einzusetzen und warum man das tut", so die Bischöfin. Es gehe allgemein um Werte der Humanität. Das sei sinnvoll. Der entscheidende Punkt sei aber, "dass ein Ethikunterricht auch Bereiche kennt, wo er sehr allgemein bleiben muss und nicht in Betracht nehmen kann, was es bedeutet, wenn Menschen durch Traditionen, etwa religiöse, geprägt sind".
Wenn man nur Ethik unterrichten würde und es keinen Religionsunterricht gäbe, dann würde man nicht verstehen, warum Menschen bei bestimmten Debatten um Werte oder ethische Entscheidungen nicht mitgehen können - oder im Gegenteil besonders innovativ sind. Richter: "Denken Sie an die Debatte um den Suizid, um die Sterbebegleitung, um die Abtreibung und natürlich die Kriegsszenarien, die wir in der ganzen Welt erleben."
Der Religionsunterricht mache verständlich, "wie man in der kulturellen Vielfalt, die es überall auf der Welt gibt und auch in Österreich inzwischen gibt, friedlich einander achtend und auf Verständigung orientiert miteinander umgehen kann". Dafür könnten Religionen ein wirkliches Vorbild sein, so Richter. Nachsatz: "Der Religionsunterricht ist ein Mittel gegen den Fundamentalismus."
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