Bischof Glettler mahnt Bleiberecht für Geschwister Oshakuade ein
02.04.202616:34
Österreich/Kirche/Asyl/Integration/Glettler
Innsbrucker Bischof in offenem Schreiben an Innenministerium: "Glaubwürdigkeit des österreichischen Rechtsstaates" steht auf dem Spiel
Innsbruck, 02.04.2026 (KAP) Der Kreis der Personen, die sich für ein Bleiberecht der Geschwister Victoria und Joseph Oshakuade aussprechen, wird immer größer. Nun hat sich auch der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler in einem offenen Schreiben an das Innenministerium zu Wort gemeldet. Für den Bischof geht es nicht nur um das Schicksal der beiden jungen Menschen, die nach Nigeria abgeschoben werden sollen, sondern es steht die "Glaubwürdigkeit des österreichischen Rechtsstaates" auf dem Spiel.
Bischof Glettler: "Es geht um das Vertrauen in unsere Gesellschaft. Es geht darum, welches Österreich wir sein wollen: eines, das Menschen schützt, die hier leben, lernen, arbeiten und Verantwortung übernehmen - oder eines, das seine eigenen Prinzipien verrät und sich damit selbst schaden möchte."
Integration sei kein Bonus, den man nach Gutdünken verteilt, sondern ein Dauerauftrag an Staat, Gesellschaft und jeden Einzelnen. "Und an diesem Auftrag entscheidet sich, wie ernst wir es meinen mit unserer Glaubwürdigkeit als Rechtsstaat und als menschliche Gemeinschaft", so Bischof Glettler. Victoria und Joseph Oshakuade seien der lebendige Beweis dafür, dass Integration gelingt. Die Geschwister leben seit acht Jahren in Tirol, sie haben hier maturiert, arbeiten mittlerweile und studieren auch.
Vorbildliche Integration
Glettler: "Wer über Jahre hinweg alles tut, was Integration scheinbar verlangt, wer Verantwortung übernimmt, wer Teil unserer Gesellschaft wird, darf nicht so behandelt werden, als sei all das bedeutungslos." Das sei nicht nur unverständlich - "es ist ein Affront gegen alles, wofür unser Land stehen sollte".
Die breite Solidarität von tausenden Menschen, die nun ihre Stimme erheben, sei der beste Beweis: "Victoria und Joseph, die im Alter von 13 und 15 Jahren ins Land kamen, gehören längst zu uns." Österreich würde mit ihrer Abschiebung zwei junge Menschen verlieren, die das Potenzial haben, "unser Land zu stärken".
Wie der Bischof weiter betont, sei humanitäres Bleiberecht kein theoretischer Paragraf, es sei genau dafür geschaffen, Menschen zu schützen, "deren Leben hier fest verwurzelt und unwiderruflich aufgebaut ist". Eine Abschiebung von Victoria und Joseph hätte nicht nur einer fahrlässige Verletzung zweier Lebensgeschichten zur Folge, sie wäre auch "ein Signal der Härte: dass selbst perfekte Integration keine Zukunft ermöglicht, dass Engagement, Bildung und soziale Verantwortung keine Gründe sind, in diesem Land bleiben zu dürfen."
Gesetzliche Möglichkeiten nutzen
Das dürfe aber nicht passieren, so der Bischof: "Nicht in unserem Land, nicht jetzt, wo wir längst schon die dramatischen Auswirkungen eines demografischen Winters vor Augen haben. Wer wird denn in Zukunft unser soziales System stützen? Von den Mangelberufen ganz abgesehen, in denen jede konstruktive Kraft gefragt ist."
Ich appelliere deshalb zusammen mit vielen an die politisch Verantwortlichen: Nutzen Sie die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet! Treffen Sie eine Entscheidung, die menschlich gerecht und nicht nur formal korrekt ist. Ermöglichen Sie Victoria und Joseph, in ihrer Heimat Österreich zu bleiben - in ihrer neuen Heimat, die sie wertschätzen und längst schon positiv mitgestalten.